Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1861)
- Date
- 1861-07-23
- Page
- Seite 428 (sequence 6)
- Language
- German
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Weise Rapoports Verfahren, der freien, Forschung, ihre Berechtigung für die -Theorie, aber kein Recht zu praktischer Modificirung der Halacha zuzugestehen; sehr witzig wendet er hierauf die biblischen Ausdrücke an: von der Forschung gelte hiernach KieKoret Web, dagegen der Praxis ehukseha Jo niitan Iah, während doch die Alten gesagt hätten gadöl halimmud schemevvi lidd maaseh. In Cap. 4., nach der noch gesteigerten Behauptung, daß nach Bet-Schammaj eine aus anderen Gründen als wegen Ehebruches Geschiedene noch so völlig dschet isch sei, daß sie für Unzucht oder Wiederverheirathung mit dem Strange hinzurichten ist (!!), wird erstens zu zeigen versucht, diese auch Matth. 5, 32. (lange nicht so schroff!) ausgesprochene Ansicht habe Jesus aus Bet- Schammaj's Schule gehabt. — S. 31. will H. gar das Verbot an die Priester, eine Geschiedene zu heirathen, Llos daraus erklären, daß diese noch als verehelicht zu betrachten sei, und wenigstens der Priester dies respectiren solle. Gewiß lag viel näher, dieses Verbot daraus zu erklären, daß in vielen Fällen die Scheidung wegen Verdachtes oder sonst wie nicht vorwurfsfreien Lebens erfolgt sein werde, und aus diesem Verbote an die Priester umgekehrt zu deduciren, daß Laien gar wohl eine Geschiedene heirathen dürfen. Im Verfolge schließt H. daraus, daß Jesus seine abweichende Ansicht von der Ehescheidung nach Matth. 19, 3., Mark. 10, 2. und Luk. 17, 14. 18. immer blos den Pharisäern gegenüber ausgesprochen, die Sadducäer müßten also dieselbe „Bet- Schammaj'sche" Ansicht gehabt haben, und wirklich hätten mehrere Karäer behauptet, daß die Sadducäer jede Scheidung verpönten. Hierbei flicht H. einen begeisterten Panegyrikus auf die Sadducäer ein. Nun habe auch ich zwar in meiner Geschichte d. V. I. 3, 361—368. diese mehrfach gegen Verunglimpfungen von Alten und nachbetenden Jungorthodoren in Schutz genommen und das Tragische mit ihrem Schicksale hervorgehoben; aber gleichwohl finde ich, daß H. hierin stark' übertrieben hat, und in seiner Rede davon, daß viel Sadducäisches von den Pharisäern herübergenommen, aber jetzt unkenntlich sei, haben Ausdrücke, wie sehihrö lucliot und daß, wenn Jemand dies wieder eruirte und zusammenstellte, wir auf diesen „Bau" eine schira chadascha an stimmen wollten, mich wahrhaft verletzt. Versöhnt hierüber wird man durch die Wärme, mit welcher er S. 42. abermals beklagt, daß die Talmudisten alles Aeußerliche der Ehescheidung so minutiös ventilirt und angeordnet, dagegen den höheren Ideen auf dem Gebiete der Ehe so wenig Aufmerksamkeit zugewandt haben. — In Cap. 5. wird nach einem schwächlichen Versuche, die Abstammung der Karäer von den Sadducäern zu beweisen, mit dem talmudischen Grundbegriff der Ehe — daß die Frau dem Manne angehöre, aber nicht dieser ihr -r-. der karäische verglichen und viel höher gestellt; ich widerspreche Dem nicht, finde jedoch den karäischen viel zu mystisch, und den Leser wird es überraschen, daß hierbei H. selbst etwas ins Mystische verfällt. Im Verfolge vergleicht er die rabbinische und karäische Weise in Auffassung und Behandlung der Bibel überhaupt: die Satzungen in ihr hielten die Rabbaniten für die Hauptsache, und dazu nur das Formale an ihnen, nicht ihr ideeller Gehalt, weshalb sie ihnen auch nicht blos die Propheten und Ketubim, sondern selbst in den mosaischen Schriften alles Weitere tief unterordneten, ja halb wie Aggada ansähen, während die Karäer der ganzen Bibel ziemlich gleichen Werth und den in ihr ausgesprochenen oder aus den Satzungen herauszuschälenden Ideen den größten zuerkannt hatten. Dieser ideelle Theil der Schrift sei zwar auch bei den Rabbaniten in der Aggada zu feinem vollen Rechte gekommen; ihr aber werde ja nicht die geringste Einwirkung auf die Halacha zugestanden; man lasse sich alle ihre Schönheiten, allen ihren Tiefsinn gern gefallen; aber so wie es gelte, praktische Entscheidungen zu treffen, sei die Halacha allein maßgebend. Leider ist diese Klage nur zu sehr begründet; nur scheint es mir, daß H. auch den Karäern zu viel Lob gespendet hat; was ich von diesen weiß, zeigt sie mir nicht weniger verknöchert und langweilig obenein. Doch der zugemeffene Raum gestattet mir nicht, dieses interessante Werk weiter durchzugehen. Ich erwähne nur noch, daß zwar sein Inhalt das Versprechen des Titels nicht erfüllt; einzelne Ehefragen sind in ihm besprochen, aber blos die wenigsten , und die Digressionen - nehmen einen vielmal größer» Raum ein; daß jedoch gleichwohl, oder vielleicht, eben deshalb, diese letzte Gabe des Hingeschiedenen zu seinen lesenswertheften gehört. vr. Herzfeld. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt am Main, 1. Juli. (Did.) Die Realschule der israelitischen Gemeinde feierte heute wiederum ein Jubiläum, und zwar zur Anerkennung der funfundzwanzigjährigen Thätigkeit des Pedellen