Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1861)
- Date
- 1861-07-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M so* 23. Jahrgang. A l l g e m eine Zeitung -es ZV-enthuws. Ein . ' , unparteiisches Organ für alles Mische Interesse. Heraus gegeben von Rabbiner Vr. Ludwig PhiliPPson in Magdeburg. Leipzig, den 23. Juli 1861. Diese Zeitung erscheint wöchentlicher »mal, Dienstags, in IV2 bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. IS Ngr. Vierteljährig 22^ Ngr. Inserate werden mit IV2?tgr. für die Petit-Zeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für l/z Bogen 3 Thlr., für V4 Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS - Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexpedition für beide Letztere hat stch das König!. Sächs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inh a lt. Leitende Artikel: Die industrielle Mission der Juden. — Darf ein Jude adelig werden? — Literarischer Wochenbericht. .Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt am Main, .Weimar, Augsburg, Hamburg. Preußen: Nakel, Königsberg. Oesterreichischer Kaiserstaat: Krakau, Nikolsburg. Rußland: Thorn, Warschau. Italien: Casale. Leitende Artikel. Magdeburg, 14. Juli. Die industrielle Mission der Juden. Im v origen Jahre erschien von W. Ki esse lb a ch: „Der Gang des Welthandels und die Entwickelung des europäischen Völkerlebens im Mittelalter." Der Verfasser ist einer jener modernen Geschichtsforscher, welche mit Geist und Tact die in einer Menge von Thatsachen enthaltene allgemeine Idee herauszufinden, aufzufassen und schlagend auszudrücken verstehen, hingegen in den Details sich allzu oft Hypothesen erlauben, und ihre Folgerungen an noch unerwiesene Prämissen knüpfen. Wer den Titel des Werkes liest, wird voraussetzen, daß in demselben auch von den Juden des Mittelalters die Rede ist, und der Vers, hat in der That diesen Gegenstand mit so großer Unparteilichkeit behandelt, daß, da man dies von den deutschen Autoren, nicht gewohnt ist, ein englisches Blatt dem Herrn Kiesselbach eine große Vorliebe" für die Juden zuschrieb, die aber nicht zu erkennen ist. Der Vers, klagt S. 19: „Die Geschichte des jüdischen Volkes, sowohl. während ihres Verlaufesin Kanaan selbst, als auch während derspäteren Versprengung desselben über den Erdball, ist leider bisher zu ausschließlich unter religiösen Gesichtspunkten, betrachtet worden, als daß es möglich wäre, eine. Menge heutzutage scharf, an uns heranrückender Fragen in Betreff der Israeliten ohne weitere Untersuchungen zu beantworten." — Diese Klage ist eine begründete, hat aber ihren Grund nicht allein darin, daß : die Männer, welche die Geschichte der Juden behandelten, vom industriellen Leben der Menschheit nichts verstanden, oder es gar verachteten, sondern weil man überhaupt sowohl von jüdischer als christlicher Seite die Mission des jüdischen Stammes, ausschließlich als eine religiöse verstand. So wenig aber wie die göttliche Vorsehung, die im ,Geschicke der Völker und in der gesummten Weltordnung sich bethätigt, eine menschlich einseitige und theoretisch schematisirende ist, so wenig wie im Mosaisnms Lehre und Leben getrennt sind, sondern Beide als eine Einheit verstanden werden, so daß von einer „Religion" im modernen Sinne gar nicht die Rede sein kann, vielmehr Lehre und Leben sich gegenseitig vollständig durchdringen: eben so wenig ist dem jüdischen Stamme lediglich eine religiöse Mission gegeben, sondern, indem wir die letztere als „das Judenthum" verstehen, werden wir in dem jüdischen Stamme: und seiner Geschichte noch eine ganz andere, nämlich sociale Aufgabe gestellt finden. Wenn Kiesselbach diese mehr als ein bloßes Factum, und zwar vorzugsweise als ein industrielles faßt, so wollen wir Bei-