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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-07-02 · Heft 27 (2.7.1861) · p. Seite 388

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 27 (2.7.1861)
Date
1861-07-02
Page
Seite 388 (sequence 12)
Language
German
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zu beschützen, indem mein Name, wie sie hörten, auf der Proscriptionsliste verzeichnet stünde. Unter diesen Umständen glaubte ich es nicht blos meiner schwergeängsteten Familie, sondern auch mernerGemeinde schuldig zu sein, dem Drängen nach meiner Entfernung nachzugeben, zumal nach allem Vorausgegangenen die sichere Ueberzeugung mich durchdringen mußte, daß unter den obwaltenden Zuständen wenigstens ein sehr großer Theil der Gemeindemitglieder nur mit Zittern und Beben um die eigene und meine Sicherheit die Predigt vernehmen würde. So unternahm ich am 22. April Nachmittags mit meiner Familie die Reise nach Philadelphia, von wo aus wenige Tage nach meiner Ankunft dem Präsidenten der Har-Sinai-Gemeinde brieflich meine Absicht kundgegeben wurde, nach Baltimore zurückzukehren, sobald man mich zurückberufen, werde. Später wußte ich durch öffentliche Berichte, sowie durch Privatschreiben des Präsidenten und verschiedener anderer Freunde gar wohl, daß wieder gesetzliche Zustände in Baltimore herrschen, allein ich wünschte eine officielle Antwort, um die Bürgschaft zu gewinnen, daß auch meine Gemeinde wieder gerüstet sei, die reine Lehre ohne Zagen aus dem Munde ihres Lehrers zu vernehmen. Nur der Drang, an dem inzwischen herangenahten Wochenfeste meine Gemeinde nicht ohne Predigt zu lassen, ließ mich diesen Wunsch unterdrücken und Anstalten zur Rückreise treffen. Doch nsm utk nba maian» mal ♦Dipn '*» Eine Unpäßlichkeit überfiel mich, und die Reise mußte beim besten Willen unterbleiben. Da erhielt ich am Rüsttage des Wochenfestes folgendes Antwortschreiben: Baltimore, Mai 12, 1861. Rev. Dr. Einhorn, Philadelphia. Hochverehrter Herr Dr.! In der, diesen Morgen stattgehahten Gemeindeversammlung, zu dem Zwecke berufen, Ihre geehrte Zuschrift vom 30. v. M. (der Unregelmäßigkeit der Post wegen erst am 4. angekommen) der Gemeinde vorzulegen und. Ihnen das Resultat ihrer Berathungen mitzutheilen, wurden wir beaufttagt, Ihnen im Namen der Gemeinde anzuzeigen, daß seit mehreren Wochen und in diesem Augenblicke Ruhe und Ordnung hier herrschen und daß die Gemeinde, wie Sie wohl ohne desfallsige Versicherung glauben werden ,, in dem Maße, wie sie Ihre Abwesenheit bedauert, Ihrer Rückkehr sehnlichst cntgegensieht. Freilich weiß Niemand in diesen Tagen, wo die Sectionen sich feindlich und schlagfertig gegenüberstehen, woi^e Veränderung ein-einziger Tag und ein unvor^M^I^s Ereigniß auch hier veranlassen mag, unst^^^^Mie Gemeinde es so gern möchte, fühlt sie m^^^Wnicht gerechtfertigt, von der Zukunft mit zu sprechen. Wir sind 'zugleich von Seiten der Gemeinde beauftragt worden, Ihnen, Herr Dr. achtungsvollst vorzustellen, daß es sehr wünschenswert!) wäre — Ihrer eigenen Sicherheit willen, sowie in Berücksichtigung der Ihrer Gemeindeglieder — wenn in Zukunft von der Kanzel aus Alles vermieden wird, was die aufregenden Tagesftagen berührt, und bitten wir diese Bemerkung nur unfern traurigen Zuständen zur Last legen zu wollen. Schließlich bitten wir Sie, geehrter Herr Dr., die Versicherung unserer vollkommenen Hochachtung genehmigen zu wollen. (Folgen die Unterschriften des Secretars und des Präsidenten der Gemeinde.) P. 8. Sie wollen uns gefälligst mittheilen, wann wir Sie erwarten dürfen. Nach Empfang dieser Zuschrift konnte ich keinen Augenblick zweifeln, welcher Weg einzuschlagen sei. Nach der in derselben kund gegebenen Ansicht der Gemeinde hatte ich als Prediger in ihrer, Mitte zwischen Beeinträchtigung der Wahrheit und Preisgebung der Sicherheit ihrer Mitglieder zu wählen. Ich durfte nicht zögern, ein Drittes zu erwählen: das sofortige Auf-, geben einer Anstellung auf Lebensdauer. Am 16. Mai wurde meine Resignation als mit Ablauf des Monats in Kraft tretend nach Baltimore gesendet, obgleich ich noch nicht die geringste Ahnung von der einige Stunden später telegraphisch eingelaufenen Nachricht hatte, wornach mich gleichzeitig eine wackere Gemeinde einstimmig und in der ehrenvollsten Weise zu ihrem Rabbinen berufen. Anzeigen. Bekanntmachung. Bei der hiesigen jüdischen Elementarschule wird zum 1. October d. I. eine Lehrerstelle, mit welcher ein Gehalt von 200 Thlrn. verbunden ist, vacant. Candidaten werden aufgefordert, sich unter Vorlegung ihrer Zeugnisse und eines eurrieulum vüse bis zum 10. Juli er. zu melden. Schneidemühl, den 14. Juni 1861. Der Vorstand der jüdischen Schule.

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