Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1861)
- Date
- 1861-06-25
- Page
- Seite 371 (sequence 9)
- Language
- German
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371 Dr., Einh o xn j der berühmte Rabbiner der dortigen radiealen israelitischen Reform-Gemeinde „Har Sinai" und Herausgeber der vortrefflichen, den israelitischen Reformbestrebungen gewidmeten Monatsschrift^„Sinai Zwar hatte sich vr. Einhorn nie direct au der Politik. dieses Landes betheiligt; ein so durchaus idealangelegter-Deist wie der seinige konnte kein Gefallen an der amerikanischen Tagespolitik finden Aber wo es galt, für die höchsten Güter der Menschheit einzutreten, Recht, Wahrheit und Freiheit/ zu wahren und den von ihm enthüllten rein menschlichen Kern des rationellen Judenthums gegen Beschmutzung und Verfälschung zu vertheidigen, da bedachte er sich keinen Augenblick, den Fehdehandschuh aufzunehmen, auch wenn der Kampf (ohne seine Schuld) aufs politische Gebiet überspielte. So hielt er es auch in Betreff der Sclavereifrage und zwar gerade in einer Zeit > wo diese Frage in einem Sclavenstaate wie Maryland und in einer Mobstädt wie Baltimore von Tag zu Tag kitzlicher und schwieriger wurde! Als der Rabbiner Raphael in New-Aork in einem Vortrage, der über die ganze Union verbreitet wurde, die Sclaverei alsein göttliches, durch die mosaische Religion geheiligtes Institut darpellte und indirect die im Namen und Interesse dieses Instituts unternommene Secesstons-Bewegung vertheidigte, da konnte und durfte ein Mann wie Einhorn nicht schweigen. In einer meisterhaften Streitschrift voll rabbinischer Gelehrsamkeit und voll schlagenden Witzes wies er mit rücksichtsloser Entschiedenheit nach, daß der Standpunkt des vr. Raphael ein durchaus falscher , und gefälschter, daß die mosaische Religion ihrem innersten und wahrsten Kern nach eine Anti- Sclaverei- Religion und daß es vor Allem die Pflicht : der amerikanischen . Israeliten fti-n alle Lockungen Seitens, der Secefsionisten standhaft zurückzuweisen und ihre Treue unter, allen Umständen der Union zu bewahren, der sie ihre Befreiung aus dem Sclavenhause und ihre Gleichberechtigung verdanken. In ähnlicher Weise sprach er sich in. seinen schönen und beredten Samstagsvorträgen im Tempel der Har-Sinai- Gemeinde aus. Es konnte daher nicht fehlen, daß sein Name von den Secessionisten mit obenan auf die Liste der Proscribirten gesetzt wurde; und so mußte vr. Einhorn,^ der mit der größten Selbstverläugnung und Uneigennützigkeit in Baltimore ausgeharrt und den mehrmals: an ihn ergangenen Ruf,, angenehmere und lohnendere Stellungen zu übernehmen, abgelehnt hatte, .die ' Pa Stadt als Flüchtling verlassen. Der Secesstonisten-Mob in Baltimore hatte noch kürzeren und bmtaleren Proceß mit ihm gemacht, als M mecklenburgische pietistische Krautjunkerthum, das ihm, weil er als mecklenburgischer Landesrabbiner unermüdlich für die Aufklärung und Befteiung seiner Stammgenoffen stritt, das freie Wort verbieten wollte; — noch kürzeren Proceß, als der Oesterreicher, der ihm seinen Reformtempel, in Pesth verschließen ließ, weil die Reaction das freie Wort dieses muthigen Kämpfers nicht ertragen konnte. Wenn wir recht unterrichtet sindverweilt vr. Einhorn gegenwärtig in Philadelphia. Wir bezweifeln, ob er nach Baltimore zurückkehren wird, obgleich ihn die dortige Har-Sinai-Gemeinde in einer Zuschrift um seine Rückkehr gebeten hat; ein freier Geist wie der seine kann sich in einer Stadt wie Baltimore nicht mehr heimisch fühlen. Die lichtfreundlichen Israeliten in Philadelphia und New-Pork, und wie wir zu unserer aufrichtigen Freude hören, auch in Chicago, bemühen sich, vr. Einhorn für sich zu gewinnen. Seine Übersiedelung nach Chicago wäre ein unschätzbarer Gewinn für unsere Stadt; denn ein edler und hochgebildeter Geist wie Einhorn wirkt veredelnd und segensreich weit über die Schranken seiner Berufspflichten hinaus. Correfpondenz. Württembergische Briefe V0N , ' ■ , .;■■■ Mexan-er Elsäßer. II. " " '; Der Monat Mai 1861 ist für die Israeliten Württembergs epochemachend, durch die Einweihung der neuen Synagoge in Stuttgart, nicht durch den herrlichen Bau, noch durch die Festlichkeiten, die im Gefolge der. Einweihung begangen wurden, sondern durch die Theilnahme, die dasgebildete Bürgerthum der-Residenz ihren israelitischen Mitbürgern bei der Consolidirung ihrer neuen Cultuszustände kund gab. Wir wollen darum auch nicht über die Festlichkeit selbst uns ins Breite auslaffen, denn der Festzugdie Einweihung selbst und das Zweckessen, sie werden sich von anderen derartigen Veranlassungen durch ihre Solennität, wie sie ein Residenzpublikum mit sich bringt, ausgezeichnet haben, aber im Ganzen werden sie