Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1861)
- Date
- 1861-06-04
- Page
- Seite 323 (sequence 3)
- Language
- German
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m rem vierjährigen Zusammenleben mit Israeliten, und hübe doch Nürnberg, wo bisher keine solchen zugelaffeN waren, jetzt selbst auf sein Ausschließungsrecht verzichtet: Unzweckmäßig sei der Antrag, weil man, selbst ausgehend bon der Ansicht, daß ein „handelnder Jude einen handelnden Christen umbringt", doch werde zugeben müssen, daß durch Annahme des Antrages nicht werde verhindert werden können, was durch die Eisenbahnen jedem Israeliten, er wohne wo immer, so leicht gemacht sei. Die über diesen Punkt ausgesprochenen Befürchtungen seien überdies nur sehr vereinzelte; bei einer Bevölkerung von 5 Millionen seien trotz aller „Anregung", die sich über ganz Ober- und Niederbayern verbreitet, nur 14 Petitionen in diesem Sinne zu Stande gebracht worden,- und selbst der „Volksbote" habe sich hievon ldsgesagt. Ueber die Zustände im Elsaß mangle es an officiellen Berichten, und wenn man über das Zusammenleben der Israeliten und deren Abgeschlossenheit klage, so möge man doch erwägen, daß sie hiezu gezwungen' worden seien zur Abwehr steter Angriffe. Wahrhaft „komisch" aber dünke ihm namentlich von der Seite her, von welcher er erhoben werde, der Vorwurf, daß sich die Israeliten nicht durch Verheirathung mit der christlichen Bevölkerung ümalgamirten. Bezüglich der Klagen über ihre Unlust zum Ackerbau und Handwerksbetrieb wolle er auf eine Gemeinde im Landgericht Werneck verweisen, wo mehr als die Hälfte des Gesammtgrundbesitzes Israeliten gehöre,- die ihn auch mit eigenen Händen cultivirtön; einzelnen Israeliten aber zumutheu, Ackerbau unter unfern Bauern zu streiken, fei eine Idee; die gewiß Jedem, der die Natur unserer Bauern kenne, „entschieden abenteuerlich" erscheinen müsse, während die Schwierigkeiten, die sich in'Folge der bayerischen Gewerbsgesetzgebung auch den Christen entgegenstellen, leicht erklären, daß der Israelitsich dem Handwerke zuzuwenden nicht lieben könne. Der Antrag sei aber auch dem Rechte widersprechend und werde besonders Bautechniker, Geometer, Aerzte re. schwer treffen. Seit der Gesetzgebung von 1848 sei den Israeliten die Befähigung zu den Functionen von Abgeordneten, Geschworenen,' Districts- und Landräthen rc. zugesprochen; nur im Punkte der Ansässigmachung sollten sie nun außerhalb des Gesetzes unter die Willkür der Gemeinden gestellt werden. Autonomie der Gemeinden sei ein schönes Wort: nun, die Herren Freunde des Antrages würden, bald in die Lage kommen,-ihre Vorliebe für selbe beweisen zu können. Was Herr Graf v. Seinsheim beantrage, scheine ihm ein „Heraufbeschwören mittelalterlicher Zustände"; er erblicke in dem im Jährö 1834 geschaffenen unbedingten Veto eine große „Ealamität einer Quelle sittlicher Verwilderung".' Abschließung nach Außen sei 'allenthalben nicht mehr zulässig. „Wir Aristokraten" schließt der^Redner — „denken nicht daran, die verfallenen Mauern unserer Bürgen wieder aufzubauen: mögen die Gemeinden sich zur gleichen Resignation entschließen!" Nach einer kurzen Erklärung des Herrn Staats- Ministers des Innern, der unter Berufung auf seine im Aüsschuß abgegebenen Erklärungen die Einwilligung der Krone zu dem Ausschußautrage verheißt, bezüglich des Antrages des Grafen Seinshcim aber hinzufügt, daß selbem manche Bedenken in Bezug auf Kronrechte und Gesetzgebungspolitik entgegenständen, in Betreff welcher er sich vollständig den Ausführungen des Fürsten v. Hohenlohe anschließe, erfolgte die Abstimmung, deren Resultat berüts berichtet ist. Winke ZU literarischen Arbeiten. Der Stoff der Literatur ist unerschöpflich. Fleiß, Auffaffuugs- und Schöpferkraft wissen selbst da'frische Quellen des Geistes zu eröffnen, wo sie zu versiegen scheinen, und das glückliche Genie, verbunden mit unermüdlichem Sammlerfleiße, bricht neue Bahnen, wo Steppe ünd Einförmigkeit den Wanderer zurückhalten. Dies zeigt sich auch dem Institute zur Förderung israelitischer Literatur, und der Andrang tüchtiger Manuskripte ist groß genug, um auf viele Jahrehin immer neue, anziehende und anregende Gaben in Aussicht zu stellen. Dennoch ist es rathfam, daß in diesen Blättern von Zeit zu Zeit auf vorhandene Bedürfnisse und Lücken hingewiesen werde, damit namentlich solche Werke, die längerer und, umfassender Vorarbeiten bedürfen/ zur rechten Zeit unternommen werden. Wir würden jedem Freunde unsrer Literatur dankbar sein, der in dieser Beziehung sich hier aussprache und fruchtbare-Gedanken zu Tage förderte. Wir geben heute nur zwei Winke, welche sicherlich einen großen Anklang finden möchten. Zunächst wäre es wünschenswetth, eine Geschichte der jüdischen Literatur zu besitzen, welche, von den politischen Schicksalen und von der theologischen Entwickelung absshend, das Schriftthum unseres ' Stammes allein, und darum in umfassender Weife behandelte. Die Anordnung wäre nach unserer Meinung zwar chronologisch, zugleich aber auch systematisch zu treffen, wie dies in andern Literaturgeschichten der Fall zu sein pflegt, daß also alle ein- 23*