Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1861)
- Date
- 1861-05-14
- Page
- Seite 283 (sequence 9)
- Language
- German
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Andrärsy, hat einet Deputation der israelitischen Cultüsgemeiüde daselbst die Versicherung gegeben, beim Landtage der EmaNcipationder Juden um so eher das Wort zu redek, da - eben im Geiste der Gesetzgebung von 1848 die Emancipation der Judenruhe und die Israeliten Ungarns, insbesondere die des Zempliner Cömitatessich stets durch Pattiötismus ausgezeichnet haben.‘ ' Aber auch in den niederen- Schichten der Bevölkerung regt sich der Geist der Gleichheit und Brüderlichkeit. So: wurden nicht nur bei den jüngst stattgehabten städtischen Wahlen im Gebirge viele Israeliten von ihren christlichen Mitbrüdern zu MagistratsrätheN gewählt, sondern auch bei den Landtagswahlen von den Bauern in Terebes, einem Wahlbezirke bei S. A. Ujhely, an ihren Deputirten das Verlangen gestellt, auf dem Landtage für die Gleichberechtigung der Juden um so eher zu sprechen, indem, wie sich diese schlichten Leute ausdrückten, nur dann die Magyaren des Segens des Himmels gewiß sein können. Ja in Nyregyhäze, einer Freistadt von mehr als 20000 Einwohnern, die größtentheils vott Bauern bewohnt ist und in welcher erst seit 1848 Juden wohnen dürfen, wurde durch Acclamation der Beschluß gefaßt, daß für ewige Zeiten Israeliten in dem städtischen Ausschüsse sitzen müssen und bei den Wahlen zum Landtage Israeliten stimmberechtigt seien. In Folge dieses Beschlusses wurden 4 Israeliten, unter ihnen der sehr geachtete Sarnueli, zu MagistratsrätheN ernannt und haben sich auch an 50 israelitische Bürger an den Landtagswahlen betheiligt. Leider haben sich fast sämmtliche magyarische Blätter die Aufgabe gestillt, bis heute in Angelegenheit der Juden rin tiefes Schweigen zu beobachten, und hatten wir es nur einem Zufall zu verdanken, wenn unser Stammesgenoffe Mar Falk, einer der geistreichsten Publicisten der Magyaren, es an der Zeit hielt, unlängst im kesti Naplö mit Energie für die Rechte der Juden das Wort zu ergreifen und der Octroyirung nur dieserhalb feindlich entgegen zu treten, indem jeder Gnadenact eben so leicht zurückgenommen werden könne, wahrend ein Gesetzbeim Landtage berathen, bleibende Kraft habe. Von den Curatoren der Käftenbaum'schen Masse wurde in einer ihrer letzten Sitzung der Beschluß gefaßt, das Andenken des durch seine großartigen Stiftungen so verdienten Raphael Kästenbaum durchein schönes Monument zu ehren Und die-KasteNbaüm'sche Schule, dieseit 1852 mit der Gemeindeschule Und in der Neuzeit mit der Musterschüle zu S A. Ujhely vereinigt war, als selbstständige Anstalt wiederherzustellen. Wenn sich ln diesem Augenblicke ein großer Theil jener Schulen üuflösen, welche in den letzten 10 Jahren gegründet wurden, so ist größtentheils der Haß des Volkes gegen das Wort „öffentliche Schule" die Veranlassung dieser traurigen Thätsache. Es ist ein ttauriges Factum,-daß viele große Gemeinden in Oberungarn ihre Lehrer im buchstäblichen Sinne des Wortes hungern lassen und ihnen den Gehalt vorenthalten. So lange es in den von Chaffidim und Halbchassidim bewohnten Gemeinden Ungarns verpönt sein wird) in der Synagoge ein Wort in magyarischer Sprachezu reden, so lange von intelligenten Männern jener Gemeinden die winzige Anzahl von deutschen Lehrern, die doch größtentheils von den Gemeinden selbst aus Deutschland bemfen: wurden, mit scheelsüchtigen Blicken angesehen werden, so lange von unseren Rabbinen der Schule in den Synagogen nicht ernstlich das Wort-geredet wird, solange wird es im Magyarenlande für den Lehrerstand nicht besser werden und die Schule in den Augen des Volkes rin antijüdisches aufgedrungenes Institut bleiben. I. I. Rosenmeyer, Oberlehrer. Rußland. Aus Polen, im April. In Raw a, einem polnischen Städtchen mit-circa 4000 Einwohnern, brach am ersten Osterfeiertage, resp. am letzten der jüdischen Mittelfeiertage, im jüdischen Badehause Feuer aus und verzehrte in einigen Stunden -die ganze Judenstadt, so daß 450 Familien (an 2000 Personen) obdachlos geworden sind.. Wenn auch die Bauart dem Feuer Vorschub leistete und die alten aus Lehm und verfaultem Holz bestehenden Hüttendenn das sind'die Häuserwie Zunder brannten, so trifft den größten Theil der Schuld doch die dortige Polizeibehörde. Weil am Feiertage, konnte man zum Spritzengebäude keinen Schlüssel finden, und wenn vielleicht rechtzeitige Hülfe dem Unglück hätte steuern können, so mußte doch einige Stunden auf den' Schlüssel - gewartet werden; die Schlosser waren in der Kirche, und als schön die Spritze nach der Brandstätte fuhr, war sie in einem Zustande, '• daß auf der Straße eine Are brachsoNit eine neue Verzögerung entstand. Der Bürgermeister 20