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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-05-07 · Heft 19 (7.5.1861) · page 20

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 19 (7.5.1861)
Date
1861-05-07
Page
– (sequence 20)
Language
German
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satzeS selbst esn. Uebrigens stellt derselbe als Hauptarguprentasion die.Rücksicht auf die sechste Großmacht, auf die Memuyg deß Auslandes zu sehr in den VordergrWd, — Wie leicht könnte da, die Judenftage zum Börsenartikel werden und nach der Scala des politischen Wetterglases sich richten müssen. Wie sehr nahe liegt die Befürchtung, daß nach dem Aufheitern, des ungarischen politischen Himmels und. dem Entbehrlichwerden des Auslandes die frü- Hexn Zugeständnisse widerrufen, und als abgedrungen und abgetrotzt annullirt werden. Nur was man mit Liebe freiwillig und aus Ueberzeugung giebt, ist von Dauer. — Menn.: die politischen Wortführer in den Comitaten es mit der Judenfrage ehrlich meinen, so dürfen sie derselben nicht mit glatt diplomatischen Aeußerungen, die zu Nichts verpflichten, aus dem Wege gehen. Sie müssm vielmehr immer und immer bei jeder Gelegenheit und in .jedem-Meise es klar und rund aussprechen, daß unser Ausschluß vom Genüsse der politischen Rechte unrechtmäßig sei. — Sie müssen dieses in den verschiedensten Organen so oft und so eindringend wiederholen, bis die Ueberzeugung selbst in die letzte Dorfkneipe dringt: wie es beispiellos in der Geschichte sei, daß ein Volk das Morgenroth seiner wiedererlangten Freiheit mit dem Niedertreten einer andern berechtigten Volksclaffe verdunkeln und besudeln kann. Es wäre auch die Aufgabe der verschiedenen msgysritü Egylei’s und der andern durch Zweckessen und Verbrüderungsfeste eine Annäherung erstrebenden Vereine, durch Drucklegung populärer, nicht nur in der ungarischen, sondern auch in der siavischen und rumänischen Sprache geschriebener Broschüren auf die öffentliche Meinung des Publikums einzuwirken. Es dürften jedoch solche Flugschriften nicht auf dem Wege des Buchhandels erscheinen, sondern sie müßten, um den Zweck zu erreichen, auf geeignetem Wege, wie durch Gratisbeilagen zu den Zeitungen u. dgl., vercheilt werden. Die in Pesth versammelte Centralvertretung der israelitischen Gemeinden fände hierin das eigentliche Feld ihrer Wirksamkeit. Herr Oberrabiner Löw hat bereits eine gute Broschüre über die Judenfrage in Ungarn peyöffentlicht. Wer kennt jedoch dieselbe?Das christliche Publicum, für welches sie eigentlich berechnet ist, kaust solche nicht. Diese und ähnliche Broschüren jedoch auf Kosten der. Eentralvertretung in den verschiedenen Landessprachen in Lausenden von Eremplaren im Lande, verbreitet, müßten eine ungemeine Wirkung hervorbringen. Der magyaritü egylet in .Klausenburg Hat bereits den richtigen Weg eingeschlagen, indem er „Macaulay's Rede für die Gleichstellung^^ in Druck legen und verteilen ließ. Die Scenirüng des gegenwärtigen Landtages hat dadurch, daß er in Pesth und nicht, wie die früheren, in Preßburg abgehalten wird, viele für uns günstige Bedingungen. Licht und Sonne sind wie bei den Spartanerkämpfen dort gut für uns vertheilt. Während in Preßburg ein unbefangener Deputirter., der sich aus seiner nächsten Umgebung eine Kenntniß jüdischer Zustände verschaffen wollte, bloß aseetrsche Frömmler, ungeregelte unästhetische LvillL-Einrichtungen, überhaupt alles mögliche Jüdische erblickte, nur nicht dasjenige, „was dem Christen den Juden zum Christen macht" — treten ihm in Pesth nach allen Seiten hin Gemeinde-Institute entgegen, die mit den ersten Europü's den Vergleich aushalten können. Der Alterspräsident Palötzi und die andern Deputirten, welche der-am 8. dieses in dem prachtvollen israelitischen Tempel abgehaltenen Szechenhi-Todtenfeier beiwohnten, hätten dieses Genusses zu Preßburg keineswegs theilhaft werden. - können. Sie hätten aber auch dort von dem nach Anhören der Meisel'schen Gedächtnißrede zuThränen gerührten Publicum beim Verlassen des Tempels nicht den lebhaften Ruf öljen az egyesülös (es lebe die Verbrüderung) vernehmen können. Laut den Mittheilungen der öffentlichen Blätter würde am 8. April, dem Todestage Szechenyi's, fast in allen größer» Synagogen des Landes die Nationaltrauer mitgefeiett. Dank dem frischen Geiste, der jetzt durch die Gemeinden weht, find solche tactlose Vorstände, die im vorigen Jahre die Aufforderung zur Begehung der Szechenhi-Feier mit den Worten zurückwiescn: „Uns ist Niemand gestorben", nunmehr unmöglich geworden. Langsam, aber sicher bringt der Geist der Zeit die gestreuten Saaten zur Reife, '"-rrns D« '2 N22 «Vi Vrto fc6„ Simon Bacher. Knrck von I. B. Hirschfeld in Leipzig.

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