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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-04-30 · Heft 18 (30.4.1861) · p. Seite 254

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 18 (30.4.1861)
Date
1861-04-30
Page
Seite 254 (sequence 10)
Language
German
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Schawlan machten- War -eS; auf' du Gefahr hm, falls die! damals kaum ausgebrocheny: Beschuldigung der schaw- - lanischen Juden >keine?weikeren Folgen'Häbenssollte, der j UeLerMMg.-Ed'.PrsrBÄDtzeS>gegch:M.OeffenÜichkei't, .. nicht ohneMechtl gezeiht zu werden.'^. Leiderräber! sind! wir . jetzt: hinsichtlichidieser Befürchtung schon allzusehr i beruhig t.n > Die - Beschuldigung der!JudeN^ zu Schawlan ' hat einensolcheÄnoNströfeWendung - genommen, daß sie; alle Erwartung übertraf. ' Wir wollen den Fortgang! derlSacheßmitMhiger Haltung: hier! ^erzählm.?"!???'/// - / Als', man-das am: :25. rJarmar. ckmnDvrsv-'Dürwvnischky verloren gegangene Bauermädchen, Namens Dorothea. Gelaschis, am; 20.-Februüv-sintere dem aufgethauten Schnee todt gefunden hat/ anstatt daßdie gegen die Juden;, ausgefprengte Anklage'- alsdann in; Nichts zerfallen ^solltewürde sie im Gegentheil noch mehr aufgeschürt-und Verstärkt. Der Pfarrer zu Schawlan, ein fanatischer Geistlicher -Namens Statköwsky/ließ das todte Kindern # Kapelle; tmgenÄnd' hiett/ bei einem großen Volkszusammenlauf aus den umliegenden Dörfern, eine, heftige'Rede gegen die Judendie er mit dem doppelsinnigen Namen „Blutsauger" belegte, wodurch der Fanatismus der Bauern dermaßen gesteigert wurde, daß sie die.feindseligsten Demonstrationen gegen die Juden an den Tag legten. Auch die Leute des Gutsherrn,' worunter - auch sein Cömmissar und Arzt, Männer adliger Herkunft und mit Ansprüchen auf Bildung, traten entschieden als Antagonisten der Juden auf und suchten, die Beschuldigung derselben auf jede Erdenkliche Werfe zu unterstützen. So gelang es ilsiren auch einen feilen, unsittlichen Judenburschen, der unlängst erst aus dem Gefängnisi entlassen worden, wo; er eine Zeit lang des Diebstahls wegen gesessen, auf. ihre Seite zu bringen, der sich auf versprochene Belohnung erbötig fand, nach ihrer Eingebung /.gegen seine; Brüdern zu zeugen. Er sagte!: demnach aus: er habe; mit eignen Augen gesehen, daß man das Mädchen getödtet, ihm das Blut abgezapst und sowohl unter einander vertheilt/ als auch nach andern. Städten züm Verkauf befördert habe. Er machte dabei viele Juden namhaftdie sämmtlich zur Untersuchung! gezogen wurden. Sein.Aussagungenwurden officiell von Instanz zu Instanz rapportirt. Eine.Commission wurde, von der Kreisbehörde zur- Untersuchung der Sache bestimmt. Sie bestand aus'mehreren judenfeindlichen polnischen Beamten, lauter Männer, die auf den, schwarzen Täfeln. der; pöbelhaftesten Unduldsamkeit neben den'Namen der Hamann Apione, Eisenmenger und Genossenschaft keinen unwürdigen Platz einnehmen können. Mit stchtbarlicher Feindseligkeit schritt die Untersuchüngscomtnission ans Werk und verfuhr Mit unerbittlichster Strenge gegen die schuldlos gequälten schawlanischen Juden. Sie Hielt sich die ganze Zeit hindurch im Hofe des Gutsherrn auf und quälte die armen Juden sammt Frau und Kindernsowohl an Wochenals Feiertagen täglich durch mehrstündiges Verhören. Zur Secirung und; Untersuchung der Leiche, lud sie den'oben erwähnten, .'bei dem Gutsherrn präkticirenven Arzt/■der auch bescheinigte: das Mädchen sei wirklich getödtet, habe 7 Wunden, von denen 3 am Leben und-'4 nach dem Tode beigebracht sind, wenngleich ihm kein Düäm tum Blut im Körper fehle. Am 14. März, dem ersten Ostertage, würde das Mädchen unter großem Zulauf der Bauern aus 'allen benachbarten Dörfern mit mehr denn >200' Lampen und sonstigem;ceremoniellen Firlefanz - zu Grabe - getragen, wobeif der' gedachte Geistliche das gestorbene Bäüermädchen. als Märtyrerin bezeichnete, und die von demselben aufs Neue fanatisirten Bauern drohten öffentlich die Juden anzufallen Und ihre Synagoge in- Brand zu stecken. Auch würden sie gewiß ihre Drohungen zu bewerkstelligen keinen Anstand genommen haben, wäre nicht die Landespolizei früher darauf aufmerksam gemacht worden und hinderlich eingeschritten. Jedoch ging der einmal aufgeweckte Bauernfanatismus nicht ganz ohne Beute schlafen. Sobald sich? ein Jude, von seinem Gewerbe getrieben, ins Dorf hinauswagte, wurde er mit Schlägen und Steinwürfen verfolgt. Mehrere mußten in Folge solchen gastfreundlichen Empfanges manchen Tag /ihr Lager Hüten-; Einer aber fiel ganz als Opfer' der Volkswuth. Es war ein greiser siebzigjähriger, aber noch ganz rüstiger Jude aus Schawlan, Namens1 a^ri p a*>b; nwa. :Dieser fuhr; am Sonntag vor Ostern (den' -12. März)' eine Tonne Bier aus dem Gute Dictvrifchki; da fielen unterwegs über ihn her drei Bauern aus dem' Dorfe Na t a n i sch k i und - zerschlugen ihn so sehr, daß er, nach Hause zürückgekehrt, sogleich Blut ausspie, bettlägerig wurde und nach neun Tagen (bw arr r.OD) in Folge der; erhaltenen Schläge starbwelches nun auch der Kreisarzt officiell bescheinigt hatte. Unterdessen waren die schawlanischen Juden am 10. März; bei' dem Gouverneur zu Kowno und/ dem General-Gouverneur zu Wilno, und der Vorstand der Judengemeinde zu Schaulen beim Letztem mit Bitt-

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