Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1861)
- Date
- 1861-04-23
- Page
- Seite 233 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3226256-3226274--19390-3248402- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
rrerr Cülturlebech zwischen' Religion ünv Wiffettschast, / MschenEultüsund-Bildung zü erwirken, stattgefünde'nchat) beide Male mit einem glanzenden,l-über -doch nutz zeitweisen-Erfolge. Ich meine die griechisch-jüdische und/ die' arabisch-jüdisch eEpo che. Die Erfolge waren glänzend,' denn noch heute besitzen wir die Apokryphen, die Werke-Philo's und Josephus', noch glänzender das zweite Mal, denn von Saadia bis- Abärbanel schätzen wir jetzt die Erzeugnisse dieser arabisch-spanisch-jüdischen Literatur als einen Ruhm und Glanz derselben; beide .Male -aber schritt die Zeit darüber hinweg, und die talmudisch-rabbinische Richtung trat in um so unbeschränktere Alleinherrschaft. Nichts natürlicher, denn das erste. Mal, griffen unsre Vorfahren nach der hellenischen' Cultur) als dieselbe schon völlig im Absierben begriffen war und überhaupt dem Untergange zuging; das zweite Mal war die Theilnahme an jener Bildung doch'mur eine locale, zuerst'in Asien, dann in Spanien; es erfolgte eine gewaltsame Störung durch die Vertreibung' der.Juden^raus Spanienwährend zu gleicher Zeit-die arabische Culturselbst in Verfall gerieth, mit eU nem Worte: die allgemeine Welt war selbst noch mitten im Mittelalter, und mußte sich erst noch durch Jahrhunderte"lange Kämpfe der Fesseln der Uncultur entledigen/ In der Neuzeit trat nun das bezeichnest Streben zum dritten Male im Schoße des Judenthums auf. Diesmal aber mit ganz anderen Chancen. Von der einen Seite ist es eine allgemeine, bereits über einen großen Th eil des gesammten Erdballs sich erstreckende noch in ihrem vollen Vigorsich entfaltende Cultur,; welche an 's das Judenthum herantritt; von der anderen Seite ist es nicht mehr eine locale, von 'der Laune "eines Herrschers und des Pöbels abhängige Duldung, welche uns gestattet, ein geordnetes bürgerliches Leben zu führen und an den allgemeinen Interessen Theil zu nehmen, so daß über den augenblicklichen Sonnenscheinin jeder Minute der Schattender dunkelsten Wetterwolke fahren könnte, sondern der auf den Grundsätzen der Gewissensfreiheit/und Gleichberechtigung-sich aufbauende neuere Staat, welcher die Juden als integrirende Glieder in sich.aufnimmt, und dafür seine Forderungen der unmittelbaren Theilnahme an seinem geistigen und materiellen Leben stellt. Nicht mehr lauert auf eine partielle und momentane Geistesbildung der Kampf der Römer gegen die Juden, der Fall Jerusalems, die Zerstreuung und MißhMdlung Derselben,^.oder das Verbannungsdecret:Ferdinand's ‘ und die/ Brandfackel der Inquisition — sonderndie ganze Welt mit - dem immer mehr erstarkenden Rechts-- staate gewährt auch den Bekennern des -JudeuthumS/ eine^ bkeibWh'-'MMche'^-iUtätte'Z"-Nicht'' ei üerlNation odet tkn e's Stammtzs,- nach "welcher die -jüdischen Geister-ihteGände'ausstrecken> 'sonders eine Weltcultur, die eigentliche, menschengeschstchtliche- Bi'ldüng'." ES wäre daher ein' großes-Mißverständüiß/ oder man'müßte absichtlich blind sein wollen — wie dies freilich der Fall genug ist — wenn' man das Eingehen lder-Juden in -die allgemeine Cultur in unserer Zeit mit jenen beiden früheren Versuchen gleichstellen-und es ebenfalls nur äls hin pattielles und vorübergehendes ansehen wollte. ' Aber, - wohl zu bemerken , auch diesmal ist' es die Ausgleichung und Versöhnung" des JudenthüMs mit der allgemeinen'Cultur der Völker, was' als Ziel erstrebt wird; auch ^diesmal * ist eS nicht eine geradezUige Opposition, ein Bekämpfen''des talmudisch-rabbinischen Judenthums, auch diesmal ist'es kein Schisma, keine Spaltung, die beabsichtigt -Und 'be-i wirkt wird) vielmehr -ringt sich die neue Richtung allmählich aus dem Schoße der Orthodoxie heraus) undüberwindet sogardie feindselige Stimmung, welche sich Anfangs bei den modernisirten Juden gegen den Talmud gezeigt hatte. Soll ich Ihnen den Kern der ganzen Entwickelung kurz bezeichnen? Nicht, eine Ausgleichung mit dem Christenthume, nicht eine Ausgleichung mit den modernen Philosophemen ist das wirklichv Ziel, fondeMdaS Jüdenthum burch die menschengeschlechtliche- Cultur zu klären und ihm aus seinen geschichtlichen Phasen unmittelbar heraus eine-Entwickelung dem allgemeinen Geiste gemäß zu geben. Gerade darum ist es nicht die neuere Wissenschaft an sich-) - sind es^nicht die Modernen ^Literaturen/ durch welche'das Judenthum-das bezeichnete- Ziel erreichen will und kann, sondern-durchbas Studium-Dessen, was die Basis der modernen Bildung und Wissenschaft bst und bleibtdes classischen Alterthums/ Wer steht nicht ein, daß gerade dieses vermöge'seines vollständigen Gegensatzes zum Judenthume deneigentlichen Inhalt des' letzteren nicht zu alteriren, hingegen das -Leben und die' , äußere Construction zureguliren , zu erfrischen und verjüngen vermag? Es war daher Mendelssohn, der diese Durchdringung des Judenihums mit' classtschem Geiste be-- gann, indem er die Thora in rein deutscher Spräche-wie--/ vergab und im „Jerusalem" auf die Grundbegriffe des Judenthums) i ganz äbsehend >von dessen ForM/wieder einzugehenversucht^ Mit dem' Beginneiner wissenschaftli-? - chen Bearbeitung des Judenthums/ d/h.rvorzugsweise das Judenthum und seine-Entwickelung geschichtlich kennen zu / lernen- und begreifen,- würde ein zweiter/großer Schritt' | gethan;^ und) ich --will es- Ihnen micht verberget, -daß tze-'