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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-04-23 · Heft 17 (23.4.1861) · p. Seite 232

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 17 (23.4.1861)
Date
1861-04-23
Page
Seite 232 (sequence 2)
Language
German
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Ä . 'i :i t m ich Ihnen dieses Studium empfehle, so setzt mein'Rath voraus, daß Ihre wesentliche Beschäftigung .die Schriften und Meschichte^dex.' jKdischenWteratur.. und TheolDgie^be-, - faßtH ^snd^ich ^vill stur, Äss^bet. diese' die Mufm,erksäinfeit auf das' klassische Älterthum nicht ganz verloren gM?' Ich will nicht, daß jener dunkle, in der Gegenwart gemachte Geist wieder herrschend werde, der vor einiger Zeit durch ^ew^H^nd^ eines-, verkehrten,.MMnes, dzr sich eine kleine "SaÄte^ ^OÄ^odorie^ünK/^p^üch/^dcis^Städium der lateinischen und griechischen Sprache sei für denf jüdischen Theologen nützlich, weil er dadurch einige talmudische Wörter besser verstehen' lerne/- Sollte'Aies^ der Fall sein, so wäre jenes Studium'sehr überflüssig; denn es hat früher ohne dasselbe unstreitig viel gxößepeAHlmudisten gegeben, als die Neuzeit aufzuweisen hat. Nein! lassen wir, dieses heuchlerische Gebahren, häL sich selbst richtet/ bei Seite: Wer genauer nachsieht,, weiß, daß sich nichts wehr diametral gegenübersteht, als der tälmudischrabbinische Geist und der classische Genius. Ich spreche hiermit kein MtKeil, auF.,^ rdenn es; sind . eben zwei ganz verschiedene Richtüngess/'die Uss Ptz^t stebeü' ^manbe'r"1be^- ständen, "unddie' sich nicht zu' bekämpfen brauchen, wohl' aber einänder corrigiren könnest, Ich'seheim Augenblicke von dem Inhalt' Erzeugnisse der beiden Genien ab; so finde ich die'Mmstdisch-räbbinischeHeistesrichtung auch' aüf änderen und zwar berwändten Gebieten Wieder, -ich Meine' 'vorzugsweise"auf 'dem juridisch ^.legislativen Felde: Von den Institutionen und Pandekten an weisen alle Rechts- und Gesetzbücher der mittelalterlichen und modernen Völker und Staaten dieselbe Richtung auf," die im Talmud.: und bei. den. .Rahhinrn zu.. eineu so eclatanten Entwickelung Md Ausbildung gekommen: so, wie' denn HyrakteriHsch,,per. .Kal'mud Md seine, Nachfolger nicht blys das,.Recht behandeln.,, sondernd ,ganz^..Heligion,zu.,eitlem „Rechts gemacht haben.,. Es . ist die Richtung der Kasuistischen; Mräffesung^ der Konsequenz, machenden Folgerungen. uyd..VerfolgMg. bis ins äußerste Det.yjl.nach. gewissen Methoden und Schematen . aus Gegebenem Heraus. Gynz. eptgM^ die, classische Geistesrichtung, welche.überall y.us. emzelnenr Stpff ein Ganzes, Abgeschlossenes,,'für sich Bestehendes.schaffen uy.d. gestalten will, das Einzelne als..ein in; sich Peruhendesuyd. .Lebendiges erfaßt und yls eine selbstständige.Erscheinung hinstellt. Hieraus . 'ergiebt - es..sich...vM.selbst,. daß jene exstere Richtung ^qch^^r...^orur.^njchts^ .frä^gt,.'vielmehr da ihr djemethodische^-^ölgerung.Mes ist,.ins formlose.sich.verliert,. währep!v.. die Ayssische' Richtung,hauptsächlich, die' Form heHch-. fichtigt, "nichts ohne eine bestimmte Gestaltung läßt, so daß in ihrer Ent^tung der Inhalt über die ^Form verloren gin^mck^l^re dar^.er ehenfallS.^uMchD>.pMdHHiernaGwerdenÄie, liebex F., Mch versiHnHweM M s^ge, diese beiden großen Gemen müssen sich gegenseittgMin Correctiv werden. Der Geist, der sich mit beiden beschäftigt und beide in sich aufnimmt, wird um so mehr vor , den Schwächen, und Ausschreitung^, heideu geschützt sein. ° Wenn 4)üsi talmüdische Eädststm börzügsto^iff 'den Scharf» sinn^wyckt und wetzt, so führt es sehr leicht zur Spitzfindigkeit, läßt in der Verfolgung des Einzelnen den Zui'santMenhäng mit^dem^ Gänzen verlieren, verkehrt die gesunde Logik und verbildet den Geschmack. Im Gegentheil . vermag das. classische Studium leicht zur Ueberschätzung des Formalen, zu einem kleinlichen Erfassen Mr äußerlichen Gestaltung zu verführen. Wir brauchen,^ um dies zu erweisen, nur auf Solche hinzudeuten, welche in beiden Studien über das rechte Maß hinausgekommen. Das classische Studium führt uns seine Pedanten, seine schulmeisterlichen Kritikaster des. und che, ftine enthusiastischen Antiquare "auf,welche für einen antiken Scherben, eine Welt hingeben Und vergessen. Das gerade Gegentheil ist der Pilpulist, dem die gezwungenste Ausdeutung eines alten. Ausspruches Alles ist,'1 undJ veu' geraden einfachen, Sinn abhörresciren wird. Für beide Ertreme ist die Zeit Gott sei Dank vorüber. Aber daß sie auf unserm Gebiete nicht ''wiederkehre, gerade darum nicht wiederkehre, weil das Studium des Talmuds sich jetzt aus dem großen Häufen auf die kleine Zahl der jüdischen Theologen zurückgezogen, die durch einen gemachten Geist leicht wieder auf die verlassene Bahn zurückgeworfen werden könnte, muß unsre Sorge ' sei.y, und, wir permögen esdadurch am. besten, daß, wir den'jüngeren,.jüdischen Theologen dasclassische!Studium > zur Pflicht machen. Gesunde Logik, feiner Geschmack unv rechte Würdigung der Form werden dädüM allem-geivön» nen und gefördert.; " V . . .. Jndeß ist dies nur die formative Seite, und es wäre nur eine sehr einseitige Empfehlung, wenn ich mich dar-! auf beschränken wollte. Die Sache hat. noch einen tieferen Boden, auf den Sie sich, lieber F., mit mir versetzen i müssen. Sie wissen, daß! schon zwei Mal in der Geschichte :des Judenthums, nicht.in Opposition und zur:geradezu-igen : Bekämpfung der talmudischen Richtung, aber im Innern! doch derselben gegenüber ein Eingehen Seitens der Juden in das allgemeine Kulturleben, und zwar mit: deur. bewuß-! ten Streben, Me Ausgleichung und Versöhnung zwischen \ deur nytional-religiösen Leben Israels Md dem allgemei-

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