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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-01-22 · Heft 4 (22.1.1861) · p. Seite 49

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 4 (22.1.1861)
Date
1861-01-22
Page
Seite 49 (sequence 5)
Language
German
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Die. Bibel war gleich allen übrigen' religiösen Mrkun-z den Gemeingut des ganzen jüdischen Volkes, und war hierin dem Priester .keinerlei Prärogative vor dem-Laien; eingeräumt, wie überhaupt, zwischen Priester und Laien kein Unterschied vorhanden war, da dem'Judenthum; ein .Priesterstand im Sinne der Kirche eigentlich etwas vollständig Fremdes ist. Aber die Idee, auch dem Judenthume seinen Luther zu geben, war viel zu verfüh-! rerisch, als daß die kurzsichtigen Bewunderer Mendelssohns ihr hätten widerstehen können. Der Rabbinismus mußte dazu herhalten, und um Mendelssohn ein Piedestal zu errichten, welches er, Dank seiner eigensten aus sich selbst geschöpften Größe und Hoheit, ganz getrost entbehren konnte, wurde der Marotte einer jüdischen Hierarchie zu Liebe der Rabbinismus erniedrigt und zum Synonym von Pfaffenthum und Priesterherrschast gemacht.; Man vergaß, daß die Rabbinen als: Repräsentanten des Rabbjnismus nur so viel Macht, und Einstuß besaßen, als ihnen von ihren Gemeinden eingeräumt wurde,; und daß dieseiben sie ihnen nach Belieben wieder, entziehen konnten, da jenes vernunfthöhnende Verhäliniß väterlicher Autorität und blinden kindlichen Gehorsams zwischen Hirten und Hirtenglieder im Judenthume zu keiner Zeit bestanden. Man berücksichtigte nicht, daß die Rabbinen, obzwar - die; Träger des religiösen Bewußtseins, weit entfernt, sich dadurch zu. Uebergriffen verleiten zu lassen, oder sich eine verderbliche,- geistesverdumpsende Herrschaft anmaßen zu wollen, vielmehr ein entsagungsvolles, harmlos-bescheidenes, dem. Studium und der frommen Be-. schaulichkeit gewidmetes Leben führten, und sich wahrlich niemals .beikommen ließen, und dies mit gutem Grund, sich, als. übermüthige Besitzer einträglicher Si-. necuren und reicher, Pfründen zu geberden. - .. . Mendelssohn kannte das Judenthum und seine jedesmaligen Erscheinungsarten zu sehr, um nicht zu wissen, daß, so mangelhaft und einseitig dieselben nach ge- : wissen Dichtungen auch sein mochten, - gleichzeitig auch die reichsten Entwickelungskeime vorhanden wären, die nur der milden Ausstrahlungen der Freiheit und der Cultur bedürfen, .um lebensvoll heranzureifen. Er wußte, weshalb dev Spmozismus so wirkungslos für das Judenthum vorübergegangen war, und täuschte sich nicht, wxyn. er dachtedaß die Innigkeit des jüdischen Familien- und Gemeindelebens sich, um auf dieser streng religiösen Grundlage aufbauen konnte/ und daß das. religiöse Bewußtsein der einzige Boden war, auf welchem -eine Versöhnung ber Consticte mit dein Äußern Leben? ^möglich würde. /Er mußte , es/Wer bedenklich' finden,!dürchgewaltsames Rüttelns anFem Rrligionsgebäude 'wen Juden diesen. Bodem.zu entziehen, undihnen so -jede innere sittlich^. Stütze .zm'raüben. Sah-er ja Mt" Morgenröth^ieine^-Monenr Tages,; die ausgehende -Sonne einer^Hit/, sin/welcher unter enLsprechenden -äußern Cultm-uMd..Lebensbedingungen.das Juden-- thum.au<h.'sieine:Winbare^Erclüstvität-rveÄieren./> und mit jugendlicher Thatkrafteingreifen würde in die volle, gesunde bürgerliche, und nationale Entwickelung. - Und nach?dieser Seite hin für wie bürgerliche Re- »generirung der-Juden ist Mendelssohns Wirksamkeit? sion unermeßlicher Tragweite,- und 'hier tritter'mit wer > - Vollkraft seines Genius ein. - Ob der-eisige'Hauch von ‘ außen den Juden eine gewisse Starrheit angeweht hatte, -das galt ihm wenig. Ihm leuchtete das inwendig glühende Feuer durch jene. Hülle hindurch, und er wußte, daß es nur der richtigen Formel bedürfe, um diefts Feuer! läuternd und veredelnd durchbrechen >zu lassen. Mendelssohnkannte die Formel und sprach sie aüs. Es war die deutsche Sprache, die deutsche Nativnalli-i teratur. Hier wehete damals der jugendliche Geist des i deutschen Volkes, hier hörte man den gewaltigen Puls- - schlag deutschen' Cultmlebens. Auf diesem geweihten Boden ließ? er seine Brüder den edleu Kantpf um staatliche- Erlösung beginnend- Der : verachtete 'Jude wurde - an Mendelssohns Hand..zu den-Größten und Edelsten des Landes geführt, um.mit ihnen in einegeistige und sittliche Verbrüderung zu treten Die niedern Interest - sen, die den Juden §N der Scholle fesselten, .vergeistigten sich zu dem Begriff einer nationäterdZusammengehörigkeit, dem^er ein großes, sieies Väterland/ ein hohes /Cultürleben/ sein wahres -Menschenglück verdankt. - Wer;vermißt hiernoch den Reformator, 'nachdemer die ^Wirksamkeit des. W e i sen kennen gelernt?-!? w* So Zweit. Dr. Goldschmid't^ Wir können uns aber - nicht entbrechen, unser Bedauern auszudrückett, daß - er nicht das Bezeichnendste^zwischen demdeutschen Reformator und dem Wrschm>Meistn chrEtzehoben^der- Eine an den Klosterthürett zu' Wittenberg - seine neunzig Thesen anschlagend, der Andere die Bibel für seine eigenen Kinder, für den stillen Kreis seines Hauses übersetzend. .' Dergestalt waren die Ausgaügspunkteldiefer beiden Männer/ zwischen denen.man um jeden Preise eine-Analogre herausfinden: will. '; ivi mt h Wir glauben-! diese stüchtige Skizze wird' hinreichtchz

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