Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 24 (1860)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1860)
- Date
- 1860-12-11
- Page
- Seite 730 (sequence 2)
- Language
- German
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730 aller Orten sich dem Volksstamme anschließen, unter dem ausgesprochenen Wunsche durch allerhöchste Verordnung sie Dohnen, dem sie also vaterländisch angehören, -aber ruM^ gemäßigtohne' alle Agitation und Propaganda, chnXjMhexeK Ergebniß'für die Zukunft anbahnend, nicht aber ein schwankendes, augenblickliches erstürmend. Völker leben und bilden sich nicht in Einem Jahre, wie schon der Prophet Jesajas ausruft. — Man zeihe uns nicht der' Wiederholung^ Hi^Kache^ist ipichtitz ^ndMängend: \ Wir» wissen, daß^ wE'^ißrÄ^en aä^wMen^ä^ uno erhPen 4 Geistern zum Aergerniß sind, daß man uns schelten-und-, zurückweisen wird. Dies darf uns aber nicht hindern, . in^ dem lebhaften Interesse, welHeä" Wir an 'denr^Gckng^ der^ Ereignisse, an dem Geschicke eben sowohl großer und begabter Nationalitäten, als auch unserer. Glaubensgenossen. Mhmm,^MB .was, wir..für das allein Richtige halten.: — Wir geben hier -eine uns jüngstens zugekommene Correspondenz. ' ' Aus Südungarn, den 30. November^ Ihre an -die ungarischen Glaubensbrüder gerichteten Worte in No. waren-gewiß wohlmeinendundzeitgemäß'Keine Einj -seijigkeiten, ..keinUeberstürzen, kein sich völliges Aufgeben! : ist die. Parole// die jeder ruhigdenkende Israelit in UngarnjNichr genug, sich wiederholen kann.: Der Schreier .und ^enragirten Magyaren, der Renegaten und Parteigänigern ,gikbt':es MNug,j die -jetzt lein weites Terrain haben und--gern Alles im Sturme.mitreißend wollen. Aber Rabchiner>;Lehrer.-und. Vorstände, denen das Wohl ihrer-Gemeinde und des Judenthüms am Herzen liegt, mögen behutsamer., zu Werke gehen-und die heiligsten Institutionen Mr Judenth.uure:, Schule und Synagoge,.-nicht zum Spiel- \ chasi der .Politik und des - Nationalitätenkampfes machen. Wie Hierüber-der Pesther Vorstand denkt., darüber wird-: was-.folgende Schreiben an alle V orstände in U n g-ar n , und der. Wojowodfchaff , gerichtet, den Testen Aufschluß geben : „Die allgemein bekannte neue Wendung der politischen Ereign.isse in unserem Vaterlande macht.es möglich,:. die lange unterbrochen gewesenen Mittheilungen, der Gultusgemeinden untereinander wieder freündschaftlichst anzuknüpfen.*) . . . „Wir eröffnen diese neue Aera mit der Bekanntmachung Dessen, , was w i r vo r d e r H a n d. (?) für nöthig .erachteten, u n m it t elb a r in unsere Gemeinde einzuführen.!, > Nachdem in Uebereinfiimmung mitdem allgemein - v-iS*)i Diese Mittheilungen datiren sich von der Aufhebung h,ep.Toleranzsteuxr re. - .>. Correspn-. die vater s Lndische ungarische;Speache innMtnzen LarDMr AmtsuiEHnHHiM^raöhe Hth^KchDol^den ist,M§ist^esMöthig^WleH 8>rD^ren, DauU ^^ßAnsere Jugend diese Spräche gründlich erlerne, und dieselbe auch in allen israelitischen Kreisen Verbreitung finde. „Wir haben demnach s) die Verfügung getroffen, daß M uMMGratzEMÄ-AMMSchul-n •» Unterrichtssprache *) eingefuhrt werde; o) daß diejenigen -Gebete- (welche bisher in unserem Tempel in anderer als . in her Hebräischen Sp,rahe, vorgetragen worden sind, nunmehr ungarisch abgeh alten werden; e) daß ungarische Zeitschriften: Pesti Naplö, Hirnük u. a. m., in den meisten israelitischen'Familien pränumerirt und gehalten werden sollen.**) . .— - „Wir zweifeln nicht, daß auch Sie in Ihrer Mitte ähnliche Maßregeln getroffen haben werden, -und erachten es blos als freundschaftliche Pflicht) Sie von unseren Anordnungen in Kenntniß zu setzen, mit der Bitte, uns auch gefälligst mittheilen zu wollen, was Sie etwa noch im. allgemeinen JnteresseunsererGlmlben'sgenössen^ingeführföder einzuführen für nöthig erachten.v . „Mit aller Hochachtung und.Freundschaft:-: „Pesth, am 12. November 1860. „Der Vorstand der Pesther israelitischen Cultus-Gemeinde." Dies sind also „vor der Hand" die Maßregeln des Pesther Vorstandes! Die Schule wird über Nacht metamorphosirt! In der Synagoge hebräisch gebetet, deutsch gepredigt und ungarisch gesungen —und.wer weiß was noch kommen wird! Ist es recht, solche wichtige Umgestaltungen in hastiger Eile vorzunehmen? Darf Vas Gotteshaus zu einem babylonischen Thurme gemacht werden? Was werden die. andern Nationen (Slaven- - Serben, -Romanen und Deutsche) sagen, die doch zusammen numerisch den Magyaren weit überlegen sind? Haben diese auch so eilig in Kirche und Schule die vaterländisch ungarische Sprache eingeführt? Was sollen die Briefe des Pesther Vorstandes in deck großen Comitaten mit slavischer Zunge und in der ganzen Wojowodschaft und-dem Banate, wo die Serben vorherrschend sind, bewirken Werden derlei Maßregeln hier nicht den bereits'aüfgeregten Na- *) D. h. also d ie Sprache, in welcher der Unterricht ertheilt^wird^-i'- -^ --' *"s) Kann dies vonden Vorstäs^en befohlen werden?