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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1860-06-26 · Heft 26 (26.6.1860) · p. Seite 391

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
24 (1860)
Issue
Heft 26 (26.6.1860)
Date
1860-06-26
Page
Seite 391 (sequence 9)
Language
German
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391 die hyperorthodore Partei. einer-, auch der Jndifferentismus. andererseits stets am Terrain. - Beide die ärgsten Feinde, wahren Judenthums. In Regens.burg ist man eben auch daran, die durch den Todvr. Schlenkers erledigte Stelle zu besetzen. Da Herr Bamberger . gerade erst in B. einen Sprößling placirt hat, ein anderer aber, vor der Hand noch nicht reif ist, so hilft hier Herr - Weißkopf mit noch einigen Bewerbern von dieser Seite aus. In R. wäre ein Sieg dieser Clique doppelt bedauernswerth; da am Sitze einer Regierung derartige Subjecte an -Gefährlichkeit zunehmen. Möge deshalbx die Gemeinde nicht gleichgültig zu Werke gehen und sich durch Parteispaltungen überrumpeln lassen. — Inmitten dieser Vorkommnisse, die ganz dazu geeignet sind, den Blick in die Zukunft zu umdüstern, begrüßen wir mit besonderem Vergnügen die Erwählung Dr. Werners zum Rabbiner in Reckendorf. Wir gratuliren der Gemeinde zu dieser Acquisttion. vr. W. hätte schon längst einen größeren und ausgebreiteteren Wirkungskreis verdient. In Oberfranken haben die Würzburger überhaupt noch wenig festen Fuß fassen können. Außer Rabbiner Gutmann in Redwitz ist auch vr. Fürst in Bayreuth nicht der Mann, der sich durch diese Leute beirren läßt, und sind Beide mit Erfolg bestrebt, das Judenthum in zeitgemäßer Fortbildung zu befestigen. Gutem Vernehmen nach beabsichtigt man in Bayreuth sogar bei der sehr nothwendigen Renovirung der Synagoge, die diesen Sommer vorgenommen werden soll, die Anbringung einer Orgel. Es wäre dies ein Anfang, der allseitig in Bayern mit Freude begrüßt würde. — Recht .angenehm haben bei einer jüngsten Anwesenheit uns auch die geordneten, wahrhaft musterhaften Gemeindezustände in Sulzbach berührt. Was zunächst den Gottesdienst betrifft , so wird er in einer Weise begangen, die unbedingt erbauen muß, und wie dies hier zu Lande nur selten vorkommt. Der Synagogenchor, obwohl schwach besetzt, ist gut geleitet und leistet, was man von so geringen Kräften nur erwarten kann. Nur bleibt es auffallend, daß man noch die ganze Ueberfüllung aller alten und veralteten Gebetstücke beibehalten hat, an Festtagen sogar sämmtliche. Piutim, und könnte in diesem Sinne eine Regeneration nicht schaden. Außerdem besitzt die Gemeinde sehr lobenswerthe und zweckmäßige Wöhlthätigkeits-Vereine und Stiftungen, die sie in den Stand setzen, im Ueberfluß für Bedürftige in einer Weise zu sorgen, wie es selten vorkommt, aber überall sein sollte. Man wartet nämlich mit der Unterstützung nicht erst bis die Leute völlig vom ' Almosen leben müssen, sondern "macht es ihnen durch Gewährung reichlicher Geldmittel möglich, sich durch eigene Kraft wieder emporzuarbeiten, und sieht sich durch gänzlichen Mangel notorischer Armer reichlich belohnt. Alles dieses und noch vielmehr verdankt die Gemeinde ihrem wackern Vorstande Arnold S. Arnstein. Er widmet sich mit einer Uneigennützigkeit und selbst mit Aufopferung eigener Mittel den Gemeindeangelegenheiten, die ihres Gleichen in Bayern nicht mehr, oder doch nur in wenigen Fällen haben dürfte. Seine Gemeinde weiß dies auch zu würdigen und ehrt ihn durch unbedingtes Zutrauen. Seinen besondern Schutz, widmet er auch der dortigen trefflichen Schule, die unter der vorzüglichen Leitung des wackern Lehrers Ober- -mayer steht. Er ehrt die Schule, indem er dem Lehrer die gebührende Anerkennung in Wort und That gewährt, und wahrt so wahrhaft die Interessen seiner Gemeinde, indem er das Heil derselben nicht wie die meisten unserer Parnaßim in möglichster Knickerei erblickt, sondern ihm da, wo es zum allgemeinen -Besten und namentlich für die Schule geschieht, fünfzig Gulden nicht ans Herz gewachsen sind. Wohl der Gemeinde, die ihre Interessen in solchen Händen weiß, sie mag stolz auf ihn sein. Ehre aber auch diesem Biedermanne; möge es ihm noch recht lange vergönnt sein, in gleicher Weise fortzuwirken. In politischer Beziehung ist es bei uns ganz windstill. Beim Oberappellationsgericht kommt demnächst eine Nichtigkeitsbeschwerde zur Entscheidung, bei welcher es sich darum handelt, daß ein Synagogenausschuß in der Pfalz sich weigert, zur Ableistung eines Eides von Seite eines Israeliten ihre Synagoge öffnen zu lassen. — In ähnlicher Sache hat das Oberappellationsgericht bereits entschieden, daß ein solcher Eid bei Gericht unter gewöhnlichen Feierlichkeiten zu schwören sei. Der Umstand, hieß es, daß der Schwörende ein Jude ist, rechtfertige noch keineswegs den Verdacht des Meineids. Man steht der Entscheidung jetzt mit um so größerer Spannung entgegen, als Rabbiner Stein in Frankfurt wegen Beleidigung des Appellationsgerichts der Pfalz in Folge einer scharfen Kritik des zweitinstanzlichen Erkenntnisses dieses Betreffs vor die Assiffen verwiesen ist. Zum Schluffe noch einen Zug christlicher Pietät. Pfarrer Schmitt in Rödelmaier (Unterfranken) setzte in seinem Testamente für die Armen, der Gemeinde eine 26

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