Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 24 (1860)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1860)
- Date
- 1860-04-17
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zu Nr. 1k. der Mg. Zeitg. des Judenth. Ein Wort über die beabsichtigte Stereotyp-Prbelausgabe mit Mebersetzung.H Zum Unterrichte in der jüdischen Religion ist die Bibel nöthig. — Diesen Satz wird wohl jeder Israelit, er mag einer Richtung angehören, welcher er wolle, unterschreiben. Kein Religionsunterricht in der Schule, kein Selbstunterricht zu eigener Erbauung, keine echt jüdische Erziehung der Kinder ist möglich ohne Bibel. ■—:Ohne hebräische Bibel wird Jeder, dem es mit dem Judenthume nur einigermaßen Ernst ist, ergänzend hinzufügen, und das ist auch meine aufrichtige Herzensmeinung. Allein da einmal das Hebräische nichtmehr Muttersprache der Juden ist, schon seit zwei Jahrtausenden nicht mehr ist-, so kann die Bibel weder beim Unterrichte, noch zur Erbauung, noch bei der häuslichen Erziehung anders benützt werden als in einer Uebersetzung — für Juden in Deutschland in deutscher Uebersetzung. — Die Bibel in hebräischer und deutscher Sprache ist also ein ohne Widerspruch von allen deutschen Juden anerkanntes Bedürfniß. Ein Unternehmen, welches die Befriedigung dieses Bedürfnisses möglichst schnell und leicht und wohlfeil macht, hat also gewiß auf die Anerkennung und den Dank aller derer zu rechnen, die es fühlen.' Soweit hat auch die Aufforderung des Herrn Di*. Philipp so n in Magdeburg zur Beschaffung der Mittel zu einer stereochpirten Bibelausgabe sich des' 'allgemeinen Beifalls zu erfreuen, wie dies die bereitszu einer ansehnlichen' Summe herangewachsenen Beiträge beweisein : Aber nun werden auch Stimmen laut, welche rufen: Nicht blos möglichst'schnell und leicht und wohlfeil, auch möglichst gut soll dem Bedürfnisse abgeholfen werden! Gewiß ein wohl berechtigter, beachtenswerther Mahnruf. Machen wir uns aber vor Allem klar, welche Anforderungen kann man stellen an eine gute Ausgabe der Bibel. Wir glauben vom religiösen Standpunkte aus— beif rein wissenschaftlichen lassen wir hier bei Seite —'nur folgende zwei: für die hebräische einen correcten masorethischen Tert, für die deutsche eine richtige sinngetreue Übertragung. — Was den ersteren betrifft, so stößt der keine Befürchtung ein, denn der Bibeltert ist hinlänglich gesichert, wohl aber kann in Betreff der letzteren dem religiösen Gemüthe große Besorgniß entstehen. Die Bibel soll Gemeingut sein, soll gebraucht werden von Lehrern in der Volksschule, die nicht immer Zeit und Fähigkeit genug haben, zu prüfen, ob der in der Ursprache enthaltene Sinn auch in der Uebersetzung treulich wiedergxgeben ist; soll benutzt werden vom schlichten Privatmann, der die Wahrheiten, Lehren und Lebensregeln der Religion sich in dem Gewände einprägen wird, in welches die Muttersprache sie eingekleidet hat: es ist leicht einzusehen, daß eine absichtlich gefälschte oder auch nur eine unabsichtlich, falsche Uebersetzung von den verderblichsten' Folgen sein kann. Daher hat Jeder, der in der Bibel ein göttliches Heiligthum verehrt, das Recht, ja die Pflicht wohl vorzusehen, daß durch eine weit verbreitete Uebersetzung die Religion nicht Schäden leide. Doch worauf kann und soll diese Vorsicht sich er- *) Wir wexden uns über diesen Gegenstand in einer der nächsten Nummern'ebenfalls äußern. D. Red.