Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 24 (1860)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1860)
- Date
- 1860-01-24
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
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haben, die Juden. als. Landeskinder myd Polen ä ejure das. Bürgerrecht erhalten, .nur lügenhafte Anschwärzungen. .haben die. faktische Benutzung dieses Rechtes verhindert, ja .Men sogar den Ankauf von Grund und Boden. verwehrt.. Das Gericht Mer, will, diesem.Th eile der. polnischen Bevölkerung sein durch die Zeit erlangtes Heimathsrecht nicht anerkennen, betrachtet sie vielmehr als Ankömmlinge von gestern her. In der letzten Zeit, vor etwa 30 Jahren, als man den Juden ,das Gebiet ihres Erwerbes bedeutend schmälerte, hörte ich von den Leitern ihres Geschickes: durch Elend und Hunger muß - man dieses. Volk; zur Aenderung seiner Lebensweise nöthigen. Man drängte sie, zum Ackerbau,: und inden Verordnungen des Statthalters haben. wir —7 von anderen ^Erschwerungen Abgesehen .—; auch die Vorschrift gelesen/ denen, die sich dem Ackerbau widmen wollten, nicht fruchtbaren, productiven, ^sondern nur sandigen und sumpfigen.'Boden anzuweisen.!-Sicherlich >war es: nicht die polnische Nation, die hier' im Wege stand,' nur ihre Führer. Dies war die Lockspeise, um.die Juden zum Ackerbau. zu bewegenzu dem ihnen durch, alle verflossenen Jahrhunderte-der Zutritt verwehrt war, es sei denn, sie hätten sich der Peitsche des Oekonomen oder des herrschaftlichen Aufsehers unterworfen-Isich zur Robot, vielen anderweitigen Lasten und zur Duldung jeder Gewaltthätigkeit verpflichtet, wie es bei den türkischen und persischen Kurden in Asien der Fall ist, welche den .Juden vym Pfluge wegreißen, um ihn wie ein .Thier zu verhandeln. Das Verharren bei ihren veralteten Maximensagt der Gerichtsact, machte die Verfolgungen (welche er nicht-läugnet) zum nöthigen Mittel zur Umgestaltung der Ankömmlinge in Landeskinder. —" - ^Däs -Eine macht der Verfasser den Juden, daß sie nicht in. polnischer; Sprache schreiben,. und.damit die polnische Nation über ihre Geschichte,, den Inhalt ihrer Religion, über -ihre. Wünsche und Bedürfnisse nicht aufklären. : Er verweist auf die Juden in Deutschland/ die durch ihre Schriften, in deutscher Sprache so viel Terrain bei ihren christlichen Mitbürgern gewonnen. Er schließt daher - mit den-Worten:! . - - ' „Einstweilen aber wiederhole ich den Kindern Israels: gebt euch, in der polnischen Sprache vollständig zu erkennen'. Dann werden die Uebertriebensten schamerfüllt schweigend Ihr werdet in die Reihen der Bürger ausgenommen werden. Die Macht der Zeit wird die Leidenschaft und das Vorurrheil brechen. Dann werdet ihr nicht mehr als Fremde, als Ankömmlinge betrachtet werden, dann wird jeder Eingeborene sich ohne Unterschied seines Bekenntnisses unter die Bürger reihen dürfen, und aller/jener bürgerlichen und politischen Rechte theilhaftig werden, deren heute noch der..polnische Bürger beraubt ist. —", : Daß wir uns dieser Broschüre, freuen, brauchen wir nicht auszusprechen. .Mit Vergnügen nehmen wir den Ausspruch Lelewels an, daß es nicht die polnische Nation sei' welche unsre Glaubensgenossen beschimpft und perfolgt, und mit Nachdruck legen wir seine Aufforderung, polnisch zu schreiben, den Israeliten jenes Landes an das Herz. Aus Ungarn, im December. Ate Wahl der Gemeinde - Vorstände. Wenn es jemals wünschenswerth war, daß jüdische Gemeinden durch Männer von Intelligenz, Gesinnungstüchtigkeit und Thatkraft vertreten werden sollen, so muß dies ganz besonders heutzutage im österreichischen Staate der Fall sein, wo wir uns allem Anscheine nach in einer erfreulichen Uebergangsepoche zur bürgerlichen Berechtigung befinden, deren thatsächliches baldiges Jnslebentreten, zum Theil mindestens, von unserm eigenen sittlich-geistigen Vorwärtsschreiten bedingt ist. Vorzüglich in größer» Gemeinden, deren Maßnahmen und Einrichtungen auf weitere Kreise von Einfluß find, ist die rechte Wahl des Vorstandes von großer Wichtigkeit. Es ist hier nicht genügend, daß derselbe blos in finanzieller und administrativer Beziehung kompetent sei, wozu allenfalls (so weit die Bedürfnisse einer Commune es erfordern) ein mäßiger Grad von geschäftlicher Routine ausreichend wäre, sondern soll er befähigt sein, -über gewisse Schul - und Cultusfragen, die seiner Entscheidung.unterliegen, ein sachkundiges, begründetes Urtheil abzugeben, und vor Allem durch würdige Vertretung nach außen dahin zu wirken, daß das: Ansehen des Judenthums in einem möglichst günstigen Lichte erscheine. — Die Lösung einer solchen Aufgabe, sollte man meinen, müsse ganz besondere Fähigkeiten und treffliche Eigenschaften von Seiten Derjenigen erfordern, die sich ihr zu unterziehen bestimmt sind. Und doch müssen wir leider an den namhaftesten und bedeutendsten Gemeinden Ungarns die sehr niederschlagende Erfahrung machen, daß zur Qualifikation eines Vorstandes außer auf seine hervorragenden Bermögensverhaltnisse als erste unerläßliche Bedingung, auf sonstige Befähigung nur. nebenbei gesehen wird; und...daß, wenn-je einmal auf Intelligenz und Cha- 4*