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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1860-01-24 · Heft 4 (24.1.1860) · p. Seite 50

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
24 (1860)
Issue
Heft 4 (24.1.1860)
Date
1860-01-24
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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find die Deklamationen dieser Individuen, welche sich ale Repräsentanten des menschlichen Geistes oder bürgerlichen Interesses geberden,' und Angesichts der Welt den PÄni--' Men. Namen verunglimpfen." - \ Gleich beim Beginne redet er den Herrn MerMä^ an welchen er die Broschüre richtet, folgender Weise an: „Beruhigen Sie fich, die Dinge find im Grunde so schrecklich nicht, als sie uns zuweilen die Erregtheit des Momentes ' darstellt. Nur keine Furcht, GeduIdldieZeit lindert, heilt die Schmerzen; Bosheit und Leidenschaft um-, zieht sie mit Schande, bedeckt sie mit der Maske des Abscheus. „Schon in meiner Jugend lernte ich durch die mir anvertraute Correctur des Werkes von Ezacki über die: Juden in Polen, dann aber durch eigene Beobachtung, durch selbstständige Erwägung seiner Schicksale, wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte gestalteten, die Tugenden und Verdienste des israelitischen Volksstamms schätzen'und würdigen, nicht minder die Vorzüge und Gebrechen seines Naturells. Es mangelte mir zur Erwägung weder an Gelegenheit, noch an den Gegenstand näher beleuchtenden Werken, auch nicht an Neigung, mich in die Einzelnheiten zu versenken." v Aus der Mitte des Schriftchens heben., wir folgende Stelle hervor: : , „Das Gericht nimmt Anstoß daran, daß die Juden seit acht Jahrhunderten von den Früchten des polnischen Bodens zehren. Wohl nähren sie sich von den Früchten der allgemeinen Ernährerin des Menschengeschlechtes, aber wen beeinträchtigen sie dadurch? Sie leben doch nur von : den Früchten, die sie sich für ihren sauer erworbenen Groschen anschaffen. Sie erhielten sich stets durch ihre eigene Arbeit; fie verfertigten dem Adel seine Kleidungsstücke, sie schmückten denselben-mit ihren Juwelierarbeiten, fie gravirten ihm seine Wappen auf seine Siegelringe, und leisteten ihm auch in der Oekonomie zahlreiche Dienste; „wenn das Unheil naht, such' beim Juden Rath." (kiedy Lids, lo do zyda.) „Die Juden gingen nicht mit den Kirchendienern betteln, und nicht mit den Bettelmönchen sammeln. Sie selbst waren sich genug.' Dürftig war ihre Nahrung; sie tranken nicht, sie trieben keinen Luxus; in ihren Sitten streng und moralisch, arteten sie nicht aus; sie kleideten fich selbst je nach ihrem Vermögen, in Fetzen oder in feines Tuch; der Arme unter ihnen fand stets ein Almosen. / Sie selbst erbauten sich ihre Synagogen, ihre Spitäler, und/sorgten für die allgemeine Ausbildung ihres Stammes. Und diese ihre Tugend der gegenseitigen Unterstützung wurde von LesznowSki verhöhnt, vom Gerichte als Lastenühergriff verpöntDas,Gericht: erdachte ssch^irgend-eiNe-de^Qekonont|ni|; selbst unbekannte Me'orke zöo»8! Polks^ids^sift, und war um die keilten Mutzen bringenden Capitalien bekümmert, die im Sekel der Reichen verfaulen. Möge es seine Sorge fahren lassen; die Capitalisten schauen nicht .auf ihre Kapitalien: wie die Schildkröte, auf ihre Eier; 'die Capitalien"bringen ihnest imd" dM^LÄnde Proeente und Nutzen. „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Ochsen, Esel, noch Alles was sein ist." Die Debatte'des Gerichtes mit dein Vertheidiger zeigte dessen Abneigung gegen den Stamm, zu dem die vor ihm stehenden^ Angeklagten gehören, welche es selbst als Repräsentanten dieses Stammes betrachtet. Einst erwachte, eine ächte Neigung, die Juden zu reformiren.Im Jahre 1775 versprach man denen, die sich dem Ackerbau zuwenden würden, Erlassung der Kopfsteuer, und schon hatte ich 1789 die Freude, sagt Czacki, daß viele Familien zur Zeit meiner Verwendung in der Finanzcommisfion davon Gebrauch machten. Als im Jahre 1794 die Verzweiflung die:Haüptstadt zum Ergreifest der Waffen^ drängte, scheuten die Juden den Tod nicht, und kämpften mit dem Volke, und dem Heere vereint.1 Damals wie später.bewiesen sie,- daß Gefahr fie nicht schrecke und die Sache des Vaterlandes -ihnen - theuer sei. So drückt -sich das damalige amtliche Blatt aus. Eine solche kaum irgendwo sonst mamfestirte Gesinnung bewährte das jüdische Volk in Polen zur Zeit, als die französische Revolution es ergriff sind es gewaltsam in den Strudel der socialen Verhältnisse hineinschleuderte. Aber der Gerichtsact erblickt blosIndividuen, und behauptet, daß der Stamm als solcher nicht ein Fünkchen Zuneigung zum heimathlichen Boden besitze »W sich ' mit den Landeskindern nicht vereinigen wolle; ,,6ei; seinen alten Grundsätzen verharrend, styße er die. Civilisation des Westens zurück, und man könne nicht annehmen, daß hier der .Sinn, der christlichen Bevölkerung iur Wege-stehe." Die Juden find vor 800 Jahren in Polen angekommen, aber hie lange Dauer ihres Aufenthaltes hat sie nicht zu Landeskindern gestempelt. Ankömmlinge find aus der Arche Noahs die Masuren wie die Polen; Ankömmlinge find ferner die lachischen Edelleute aus Sachsen, d.em Kaukasus , und Schwepen; Ankömmlinge, sind endlich!, die zahlreichen Bewohner der, Städte, namentlich, aus Deutschland ,- diese Alle find Landeskinder, obgleich sie weit, später ankamen. Die Letzteren saßen auf ihren Rechten und Privilegien, wie einst die Juden auf den ihrigen. Im Jahre 1807

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