Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 48 (21.11.1859)
- Date
- 1859-11-21
- Page
- Seite 690 (sequence 2)
- Language
- German
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690 einmal zum Schluffe aussprechen/ daß der- Kaiserstaat die bürgerliche Gleichstellung unserer Glaubensgenossen eben so wenig/ )u7 bedauern' haben wird/7wie7dies 'in « irgend einem 'Lande der Emanripatiön bis jetzt geAhehewist- Es liegt uns nicht ob, in die anderweitigen Verhältnisse einen Blick zu werfen, aber nur das Eine wollen wir hervorheben, daß es den neuerdings wieder aufgetretenen Ansprüchen der Magyaren gegenüber' wohl von Wichtigkeit , sein möchte, eine Million treuer, ergebener Unterthanen mehr mit ihrem ganzen Herzen um das Habsburgische Banner zu schaaren. Mit Freuden.würden wir/,dem. österreichischen Kaiserstaate den Ruhm gönnen und zuerkennen, der erste Staat gewesen zu sein, welcher einer so großen Zahl Israeliten die bürgerliche Gleichstellung'ertheilt habe, wie fie kein anderer Staat der Emancipation bis jetzt absolut und verhältnißmaßig umfaßte. . Türkei. Konstantinopel, 2, November. / Die Mittheilungen, die Ihnen bisher von hier gemacht wurden, beschränkten sich blos auf die Zustände der spanischen Juden. Leider läßt sich von deren geistiger Entwickelung noch nicht viel Rühmliches sagen, und werden noch einige Decennien vergehen,, bis das Licht der Aufklärung, Gesittung und der wahren Erkenntnis Gottes über sie Hereinbrechen und die warmen Strahlen der Begeisterung für alles Schöne, Nützliche und Fromme sie erleuchten wird.. Die sogenannten deutschen Juden bestehen größtenteils aus Polen, Wallachen und Moldauern. Diese konnten sich bisher zu einer wirklichen Commune noch nicht einigen. Es fehlen daher auch alle die für eine Gemeinde nöthigen Institute, wie Spital, Lehrschule u. s. w. Ohne wahrhaft religiösen Sinn, ohne Herz und Gefühl, unempfindlich für alle besseren Regungen, geben sie ein trauriges Beispiel der verworfensten Zusiände. Sie würden mit Schaudern zurückbeben, wenn Sie in das Local, welches den Tempel der Gottesverehrung repräsentiren soll, treten, würden. Daß,da Samstage.vergehenwo kaum ein Minjan zusammenkommt, ist wahrlich kein Wunder, sitzen doch polnische Juden mit langen Bärten an den Feiertagen in. den Magazinen und verkaufen^Kleider oder treiben andere verruchte Geschäfte,, die ich hier nicht nennen will, weil der ehrbare Jude vor Scham erröthen muß, daß solche Kreaturen diesen Namen führen. Und doch zählen diese hei 200^ Familien, worunter es vieleZ Wohlhabende und Reicho giebt. Die ^eiffentlichen^deutschenJuden aus Preußen Än^DesterreiW stamrnelsv.,7 waren bishdr noch zu gering an Zahl, um Etwas wirken zu können. Wohl hätten fie durch die Cultur und besseren Sitten, die fie mitgebracht, wie auch durch die stets mehr wachsende Anzahl ihren unwissendeUGlaübensbrüderü schon ein schönes Vorbild zu geben Gelegenheit gehabt, wenn der Jndifferentismus unter ihnen nicht so tiefe Wurzel gefaßt hätte. EsZckümmert^fich/Niemand um Judenthum und religiöse Bedürfnisse, ein Jeder lebt isolirt, und lassen fie sich höchstens Neujahr und am Versöhnungstage im Bethause blicken. Es giebt wohl manchen Wohlhabenden und Reichen, der " sich durch ein gottgefälliges Werk ein schönes Monument im Herzen Vieler errichten könnte, allein man verehrt eher den Mammon, vergißt den lieben Gott, wie ' .auch daß. man einst Rechenschaft über "seine Thatefi' vor dem Throne des Allmächtigen abgeben müsse. Alle Anregungen -und Bestrebungen einzelner Vessergesinnten scheiterten bisher an der Willenlosigkeit und dem eisigen Jndifferentismus, bis es endlich einem für alles Gute und Edle erglühten Jüngling, Namens Eisner aus Preßburg, gelang, durch seine beredte-Ansprache und/unermüdlichen Eifer einen israelitisch-deutschen Unterstützungs- Verein zu Stande zu bringen. Mit rastloser Thätigkeit arbeitete derselbe an der Vollführung seiner Aufgabe, suchte alle Hindernisse, die sich ihm in den Weg stellten, zu beseitigen, und ermöglichte, daß der Verein ohne viele Geldopfer ins Leben treten konnte.. Er verfaßte allein den Statuten-Entwurf, und zählt der Verein bereits 45 Mitglieder. Ein Frauen- Verein , ebenfalls von ihm begründet, ist gerade in der Entwickelung begriffen. Mögen diese beiden eben so nützlichen wie wohlthäitigen Vereine den Grundstein zum ferneren Gebäude bilden), der bessere Geist,'welcher sich nun zu regen beginnt, und das Banner in Israel erhebt, möge nie erkalten und dahin, gewirkt werden, daß bald ein ordentliches Gotteshaus uyd eine Lehrschule, erbaut werden. . - ,, r.'/;- , . -7;,;;, Die von Ihnen, verehrter Herr, , gegründete Bibelgesellschaft findet im Herzen Vieler-den freundlichsten Anklang, und wird. Ihnen, hoffentlich--auch von uns recht bald eine kleine Geldsammlung zukommen, .Wenn irgendwo acht jüdische Bibeln noth thun, so ist es hier der Fall, wo die englische Mission frei und ungestört, ihr. Unwesen treibt und Jedem ihre Bibeln aufdringt. . Bei« der. Verschiedenheit der Nationalitäten müßten die Bibeln mit spa-