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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1859-10-10 · Heft 42 (10.10.1859) · p. Seite 608

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
23 (1859)
Issue
Heft 42 (10.10.1859)
Date
1859-10-10
Page
Seite 608 (sequence 6)
Language
German
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6108 Bibliographico Porluguez“ enthält neben vielen anderen werthvoüen Angaben über die ältere und neuere Literatur Portugals eine interessante Notiz über den Dichter Antonio JosL da Silva, dessen dramatische Werke ihm den Namen des portugiesischen Plautus erworben haben. Zwei kurze Lebensbeschreibungen dieses Dichters finden fich schon in Barbosa Machado's „Libliotbeea bovtova^, die eine in dem ersten Bande, welcher 1741 herauskam, die andere in dem vierten, welcher 1759 veröffentlicht wurde. Es heißt darin, daß er aus Rio de Janeiro gebürtig war, in Coimbra studirte, in Lissabon als Rechtsgelehrter lebte; daß er „ein Talent für die komische Poesie besaß, welches er durch verschiedene Werke an den Tag legte, die von dem Publikum mit Beifall ausgenommen wurden", und endlich, daß er „am 19. October 1739 starb"; aber es fehlt jede Andeutung über die Art seines Todes -- daß er nämlich bei einem Autodafe lebendig verbrannt wurde. Zwanzig Jahre nach dieser Katastrophe wagte Machado noch nicht, mit einem einzigen Worte darauf anzuspielen. Die Schriften des von einem so tragischen Schicksal Betroffenen wurden zu wiederholten Malen unter dem Titel „l'eatro Comico Portuguez“ aufgelegt, aber der Name des Verfassers stets unterdrückt*) und fie waren den Theaterliebhabern nur als die „Werke des Juden" bekannt; denn daS rodeswürdige Verbrechen Antonio Josä's bestand darin, daß er — ein Jude war. Unter dem Schutze der ketzerischen Holländer, welche im siebzehnten Jahrhundert unter der Anführung des tapferen Moritz von Nassau den größten Theil von Brasilien eroberten, hatten fich mehrere jüdische Familien dort niedergelassen. Nachdem die rechtgläubigen Portugiesen wieder Herren des Landes geworden, was fie hauptsächlich der Eifersucht des protestantischen Englands auf die maritimen und commerciellen Erfolge der Holländer verdankten, hörte natürlich diese dem Judenthum erwiesene Toleranz auf, und die Anhänger desselben mußten sich, wenigstens zum Schein, in den Schoß der römisch-katholischen Kirche aufnehmen lassen , welche die Neubekehrten einer scharfen Controle unterwarf. Aus einer solchen Familie wurde Antonio Josö im Mai 1705 zu Rio de Ja-- neiro geboren. 3m Jahre 1712 machte seine Mutter sich des Rückfalls zum Judaismus verdächtig, und man schickte sie mit ihrem Gatten und ihren Kindern nach Lissabon, *) Der Herausgeber des vieoionario Bibliographie« hat jedoch entdeckt, daß die Anfangsbuchstaben eines der Sammlung vorgedruckten Gedichts das Anagramm: Antonio Jos6 de Silva bilden. um sich' dort vdr der Inquisition zu rechtfertigten. Böi einem im Jahre 1713 gehaltenen Aütödafä schwor sie' ihre Jrrthümer ab und versöhnte sich öffentlich mit der Kirche, worauf man die Familie eine Zeit lang in Ruhe ließ. Der Sohn bezog, wie schon, erwähnt, fvie Universität Coimbra und unterstützte nachher seinen Vater in der Praris eines Advocaten. Ein zweiter Stürm brach im Jahre 1726 gegen sie lös , wo Antonio Jos6 selbst der Hinneigung zum Judenthum beschuldigt wurde, und als Bestätigung dieser Anklage diente der Umstand,' daß er unter der Folter den Namen Gottes statt den der heiligen Jungfrau anrief! Doch kam er mit einer öffentlichen Abjuration davon, zu der auch seine Mutter sich zum zweiten Male^ verstehen mußte. Es war nach diesem Vorgeschmack des ihm harrenden Schicksals, als' er als Lustspieldichter auftrat und schnell die Gunst des Publikums erwarb, das er durch seinen derben Humor entzückte. In einem Drama über das oft behandelte Sujet des Amphytrion legte er jedoch einer seiner Personen, einem unschuldig zum Kerker Verurtheilten, einige Verse in den Mund, die auf seine eigene Lage Bezug hatten und den Zorn der Inquisition erregten. Im Jahre 1737 würde er mit seiner Frau und seiner Mutter zum dritten Mal verhaftet; fein achtzigjähriger Vater war glücklicher Weise schon vorher gestorben. Das Loos der drei Angeklagten findet sich verzeichnet in der officiellen „Liste der Personen, die in dem öffentlichen Autodafö verdammt würden, gefeiert in der Klosterkirche von St.-Domingo zu Lissabon am TS. October 1739, unter dem General-Inquisitor Cardinal Nuno da Cünha." Die Frau und die Mutter Antonio Jos6's wurden zu lebenslänglichem Gefängniß begnadigt, er selbst aber, obwohl der König sich persönlich für ihn verwendet haben soll, zum Scheiterhaufen verurtheilt. '• 5 - Es ist tröstlich, zu erfahren, daß das Jnquifitions- Gefängniß in Lissabon jetzt niedergerissen ist, Und än seiner Stelle ein Privat-Theater steht; wo auch die'Lustspiele des „portugiesischen Plautus" nicht selten gegeben werden. Sein Schicksal selbst^ ist vön einem brasilianischen Autor, Senhor MägalhaeNs, zum Gegenstände -eines Dramas unter dem Titel: „Der Dichter und-die Jnqüifition" genommen worden. Ein zweiter Brasilianer, von deutscher Abkunft, Senhor Varnhagen, hat eine Biographie von ihm geschrieben, aus welcher einige der obigen Angaben entlehnt sind. In Sismondi's Literaturgeschichte wird bemerkt, daß der unglückliche Dichter in dem letzten Autodafö, das überhaupt in Portugal stattfand, verbrannt

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