Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 42 (10.10.1859)
- Date
- 1859-10-10
- Page
- Seite 605 (sequence 3)
- Language
- German
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die elsäsfischen Behörden, sondern auf diejenigen eines jeden Landes, welches' den Versuch gemacht hat, daß, je besser die Behandlung der Israeliten ist, desto mehr diejenige Classe derselben, .welche die -Schweiz belästigt hat, sich bessert. Restrictivgesetze und Proscription dagegen find nur geeignet, Demoralisation zu erzeugen und zu erhalten, und aus dem unwissenden Israeliten wird ein Wucherer nur dann, wenn ihm andere? gesetzliche Verdienstmittel' abgeschnitten sind. , In Frankreich, wo die Israeliten völlig gleiche Rechte genießen wie die-Christen, find sie in allen Carriören und Berufsarten, besonders Manufakturen, ehrenvoll vertreten. An der, Weltausstellung in Paris 1855 waren die mit Medaillen bedachten oder ehrenvoll gemeldeten israelitischen Fabrikanten im Verhältniß von 1 zu 14. Die Vertheidiger der Beschränkungen haben nicht nur vergessen, daß es eine Pflicht der Christen ist, die Israeliten zu verbessern zm suchen, sondern daß ihr Einfluß nur dann heilsam ist, wenn er durch lib erale Behandlung unterstützt wird." „Die Penkschrist saßt endlich die ganze Frage in folgende, wahrlich nicht blos rhetorische Apostrophe zusammen: „Gewiß ist, daß heutigen Tages der moralische Charakter der großen Mehrheit Solcher, die sich Christen nennen, die Ausschließung der Israeliten aus irgend welchem Lande nicht rechtfertigt. Warum sollte ein rechtschaffener Israelit nicht eben so gut Land besitzen dürfen, als ein rechtschaffener Christ? Und warum sollte ein unmoralischer Israelit nicht eben so gut Land besitzen dürfen, als ein unmoralischer Christ?' Warum soll man Tausende moralischer und rechtschaffener Israeliten ausschließen, wenn man die Niederlassung Allen und Jedem gewährt, die sich blös Christen nennen? In den restriktiven Cantonen kann Baron Rothschild, keinen Fuß breit Landes erwerben; jeder-Atheist hingegen kann kaufen, was ihm beliebt; und Leute unter. dem Namen von Christen, die jedoch öffentlich aller Religion spotten, dürfen haufenweis kommen und. kaufen und verkaufen, und Gott dienen, wo sie wollen, oder auch gar keinem Gott dienen. Es ist zwar nicht , jeder Jude ein Baron Rothschild, aber eben so wenig jeder Christ;, noch ist .jeder- Jude ein Glücksritter oder Wucherer...." „Der Schluß ist, daß die große Mehrheit von Personen aller Länder, die sich Christen nennen, es nicht in genügendem Maße find, die Ausschließung der Israeliten zu rechtfertigen, weil sie nicht Christen sind, und daß, wenn sie es wären, die Schrift, an welche sie glauben, ihnen'nicht erlaubt, dieses Volk auszuschließen undzu bedrücken, weil die Israeliten, dem Christenthum zufolge, obschon sie ihre geheimnißvolle Strafe in der Verbannung erleiden, dennoch das auserwählte Volk Gottes bleiben, und Unter den Nationeneinen - hervorragenden Rang einzunehmen bestimmt find. „Wenn: der Unterzeichnete betrachtet, wie in jedem Lande unter dem Namen von Christen Leute' jeden -Grades von Jmmoralität bürgerliche Rechte genießen Rationalisten, Pantheisten, Deisten, Atheisten, Ungläubige an jede Offenbarung — und welche aus verschiedene Arten den Buchstaben wie den Geist jüdischer wie christlicher Gebote verletzen — kann er die Befürchtungen wegen der Israeliten nicht als einen Beweisgrund annehmen. Cr sieht nirgends den Kleinhandel monopolifirt, die Bauern ruinirt, die christliche Bevölkerung ängesteckt und das Land von den Juden - in Besitz genommen. Er sieht das Gegentheil. - ■ ' ■ : „Nehmen wir z. B. die Vereinigten Staaten von Nordamerika, England, Frankreich und Preußen. In diesen Ländern finden sich Israeliten unter beinahe allen ehrbaren Classen der Gesellschaft. Sie bekleiden.hohe Aemter des öffentlichen Vertrauens. Unter den in Berlin gewählten Deputaten befand sich ein Israelit. Im Großherzogth.um-Sachsen - Weimar gestattet die protestantische Kirche Heirathen zwischen Israeliten und, Christen. In Amerika find mehrere Lehrstühle der Universität, wie auch hohe Posten in der Armee und der Marine von Israeliten besetzt. Der Künstler, der Handwerker, der Fabrikant, der Arzt, der Kaufmann, der Advocat, der Richter — sind sämmtlich gleichberechtigt wie die Christen, ohne mit ihnen verwechselt zu werden, und bieten keinen schimpflichen Conträst dar. Ein Erlaß des gegenwärtigen Königs von Preußen erklärt: ^,Der Aufenthalt in Preußen ist ohne Bedingung gestattet, nebst dem Cigenthumsrecht. Sie können als Richter, Schiedsrichter und -Mitglieder von Gemeindebehörden gewählt werden, um zu Recht zu fitzen, wo es sich um die Interessen ihrer Nation handelt." Der französische „Moniteur" proclamirte neulich vollständige Glaubensfreiheit, und ernannte mehrere Israeliten als Mitglieder des Generalraths von Algier. In dem Mäße, als ihre Verfolgung aufgehört, haben sie sich ohne nachtheilige Folgen freier und gleichmäßiger in die Angelegenheiten der menschlichen Gesellschaft gemischt. Die höchsten Gewerbe und Felder der Kunst haben durch ihr Genie Glanz empfangen;- und der 'Unterzeichnete kann sowohl aus Erfahrung als aus Beobachtung bezeugen, daß sie im gewöhnlichen Leben Beispiele von Treue und Ehr- 42*