Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 39 (19.9.1859)
- Date
- 1859-09-19
- Page
- Seite 560 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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560 neuen Aufschwung zu bereiten, den religiösen G^ vielsultat der Entwickelung ist. Es ist dies eine große Lehre für Staatsmänner: wo Vertrauen ist zu AbsiHt und ^wech^ da d'phngt man nicht/ und das kleinste^ersp^ch^rst yylle BKrtzschaßt Or^diz.Per^klHuGHresAWeHAdKM^ sanglichsten; wo Mißtrauen vorhanden, da genügen"die" hochklingendsten Zusicherungen nicht, und ehe man nicht. das volle und ganze Werk in Händen hat, glaubt man nicht daray(: -! DE MDM' dch^WMhgß iiMklsßland ' große Fortschritte gemacht, noch mehr ihre Selbstständigkeit, da dieselbe, wenn sie sich innerhalb der Grenzen der Mäßigung hält, völlig ihren eigenen .Weg, ohH hysiuW - von oben, gehen kann. Jedermann weiß aber, was dies in unserer Zeit zu bedeuten hat, und daß, wie uns das jetzige Frankreich lehrt, alle constitutionellen Formen, allgemeines Stimmrecht u: f.' w., wenn die Presse geknebelt ist, nur übertünchter Despotismus sind. Mit einer solchen freien Bewegung der. Presse ist mehr Bürgschaft einer schönen gesetzlichen Entwickelung gegeben, als durch hundert Gesetze, die auf dem Papiere stehen. Innerhalb des russischen Juhenthums stehen sich drei Richtungen schroff gegenüber: dje Orthodoxie, der Chassidismus und das moderne Judenthum. Die. erstere steht unbeweglich auf dem Bodelr. pes Talmuds und der rabbinischen DÜrcharbestung desselben der Chyssidismus verdrängt und beseitigt den Talmud, unterwirft sich der Autorität jedes einzelnen Rebbes, so daß selbst an jedem einzelnen,Orte die verschiedenartigsten chassidischen Gemeinschaften sind, je nachdem die Individuen sich zu den Anhängern des einen oder des andern der nach ihren Wohn-? sitzen genannten Rebbes zuzählen; sie versinken immer mehr in den. abenteuerlichsten Wunderglauben und in Rohheit der Sitten, während ihre Rebbes in dem unerhörtesten Lurüs, gleich Fürsten mit Hofstaat,. Marstall, Musikbande u. dgl. leben , was sie. durch den.Zufluß reicher Opfergaben und Geschenke, durch die Steuern, die sie Dem auflegen, der vor ihr Antlitz treten will, .ermöglichen. Mancher dieser Rebbes besitzt Pferde,^ von denen jedes 3000 Silberrubel kostet, und seine Musiker hqben sämmtlich silberne Instrumente. .Dies ist die Macht des Aberglaubens, die nicht allein den menschlichen Verstand an sich beschämt, sondern auch in der Treib kraft, die er ausübt. Das moderne Judenthum in Rußland spielt, -wir bekennen es offen und unumwunden, eine klägliche Rolle. Nicht als ob seine Anhänger gering an Zahl wären, da sehr Viele aus Verhältnissen heraus äußerlich der Orthodoxie angehören, während ihr Geist seine Nahrung, anders woher geschöpft hat —■ sondern weil es, statt ein neues Leben zu wecken, einen mehp^gänzlichMfgiebt und dem Judenthumtz Schadewund VerW» Es ^blick, wie eiAndschreckAlDn^hdDlA o§f. .De Hrthodoxie macht, daß die meisten^uden in Rußland, welche neuere Bildung in sich aufnehmen, welche theils die klassischen, theils die modernen Sprachen und Literaturen kennen lernest, M;HMaH vKitzKn^ ZHseikMchcAUßfernen./ alle seine Satzungen unbeachtet lassen, kein Interesse mehr für dasselbe, selbst in seiner Neubildung haben, und so den MMgMMsen , Menu nicht noch Schlimmer»!, zugezählt werden müssen. Daß hierdurch nicht bloß der religiösen, sondern der Cultur überhaupt große Schwierigkeiten geschaffen werden, ist einsichtlich, da Diejenigen, welche ihre .' Religion lieben; Personen und Sache "nicht'immer unterscheiden' können, und/diesen geistigen Abfall von der .Religion der Väter, welchem^ auch leicht der wirkliche folgt, als das Unvermeidliche Resultat der Bildüng aNsehen?' Es findet diese Erkaltung für die Religion in Rußland bei den Juden noch viel mehr statt als in Deutschland und dem westlichen Europa, zuerst,, weil Rußland? überhaupt das Land der Extremes ist.; '''denen/^ie/.VexMtMy^ / .hex Mittelstand, fehlt, dann, weil die Perhindung. mit Deutschland bezüglich der literarischen Erzeugnisse sehr schwierig ist, für die Juden noch fast gar nicht vorhanden , indem der russische Buchhandel noch auf Kindesbeinen steht, der christliche Buchhändsex jüdische IrzeuAnisie,. nicht auf Lager hält, uürl "ki^j'üdiMn ^S'üDhäüÄe^' Tdch zu unbedeutend sind, um nach Deutschland hinüber zu reichen, weshalb denn die Produkte'der deutsch -jüdischen Literatur noch sehr geringen. Eingang in Rußland haben, und z. B. von unserem Bibelwerke, vom „Saron" u. s. w. einzelne Bände von Gemeinde zu Gemeinde.gehen, und, man kann sich denken, in welchem Zustande, immer weiter . und weiter geliehen werden. Es .fehlen' daher jene weckenden Stimmen, welche auch in den Herzen der neuerer Bildung zugeneigten Juden, ..in den ,Herzen der heranreifenden Jugend die Liebe zur Religion.wachrufew und Bildung und Erkenntniß zu regeln vermögen. ^Hierzu kommt nun allerdings, daß das Judenthum in seiner äußeren Erscheinung in Formen., austritt, welche, dem Geiste, der Geschmack und feinere Bjldung in sich .aufgenommen,, durchaus widersprechen, und daß die Mehrzahl der jüdischen Lehrer Autodidakten sind, welche gerade den Religionsunterricht nur kümmerlich zu geben vermögen, so. d,aß die Jugend, welche tiefer zu schauen , nicht im Stande, ist, aus beiden Motiven der Religion abstirbl. ,.