Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 38 (12.9.1859)
- Date
- 1859-09-12
- Page
- Seite 554 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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i - AuHerdM bezeugte vr^ Rösenblum seinen -Eifer für - ^die gute ^Sächeindem er ünäüfgefördertim Weisem j des Quaräntainearztes vr>Bertensohn und eines Pö-' - lizeibeamten die beider Thai ertappten undeingezo-' tzenM Griechen untersuchte und im Protokoll die-Blutj flecken an ihren Kleidern und Dolchen genau bezeich- . net/'-wäS ohne' seine Pvrsichtsmaßregel leicht! wegge-; schafft werden konnte v. $rK \ Alles Dies bezeugt zur Genüge, daß Dr. Rosenchlümsich von griechischen Silberlingen nicht verleiten -lief -tm- Gegentheil - er handelte vorsichtig, -gesetzmäßig und gewissenhaft, um seinen Aussagen volle Gültigkeit zu verschaffen. - . ■hl. Aber eben diese Bemühungen, sich'unparteiisch zu; zeigenwürden vöw manchen- ^Kurzsichtigenmißdeutet,: während er andererseits durch seine Aufrichtigkeit sich. den Unwillender Ortsbehörde zuzög, wodurch er um seine Stelle kam. U:; -- :;■ Die Untersuchüngscömmissiön, größtentheils Grie-. chen, war nämlich bemüht, diesem von den Reicheren! veranlaßten und von gemietheten Griechen mit Waffen geleiteten Ueberfall den Charakter eines zufälligen von den Juden durch Verspottung christlicher Ceremonien provöcirten Handgemenges zu geben, in dem besoffene Russen die größte Rolle gespielt haben sollen und im Zweikampf unterlag ein Jude, ohne den Mörder entdecken zu können. Zeugen, die der Zirkelmeister zur Bestätigung seines Rapports gestellt, wurden ohne Schwur verhört und durch verfängliche Fragen und Drohungen zum Wanken gebracht, während bei den von den Griechen gemietheten Rechtfertigungs- oder Anklagezeugen gegen Juden aller Schein von Gesetzlichkeit beobachtet war.' In diesem Sinne stellte man die ganze Begebenheit dem rechtsliebenden General- Gouverneur'vor. Und mußte es nicht willkommen seindiesen angestellten und von Vielen gekannten Aufstand als einen unbedeutenden Hader darstellen zu können? Nun aber mußte man die dagegensprechenden Dokumente kraftlos machen; man verleumdete also den Dr. RosenblUm als parteiisch für Juden bei der Obduktion gehandelt zu haben, und ohne weitere Untersuchung erhielt Dr.' Rösenblum seine Entlassung, und aüf sein Gesuch, ihm sein Vergehen mitzutheilen, erhielt er die Antwort, er habe bei der Attestirung der^ Leiche des ermordeten Juden einseitig gehandelt. Ueber den Verlust einer einträglichen, schwer errungenen - Stelle fand der Doetorj in dem Bewußtsein Trost, für feine Glaubensbrüder als Jude gelitten 'zü Haben. Wie schmerzlich aber müßke es ihn berührenin einem von der gebildeten Judenwelt vielgelesenen Blatte schändlich angeklagt zu sein. Wenn wir nun nicht im Stande sind, ihm Ersatz für den' durchuns verlorenen Posten zu geben, so verdient er wenigstens diese Genugthuung, im selben Blatte gerechtfertigt zu werden;'- ich befolge daher eine heilige Pflicht,- im Namen aller vo.rurtheilsfreien- Sachkundigen gegen diese falsche Anklage zu protestiren und den Dr. Rösenblum für seinüufopferssdes Betragen im Interesse der Wahrheit und seinerNätion öffentlichen Dank zu ertheilen. Wir zweifeln nicht, daß-der Anonymus dieser Anklage, der wahrscheinlich keine Persönlichkeiten gegen Dr. Rosenblum hattejetzt von seiner ircthümlichen Angabe überführt'/ -mit -größter Zufriedenheit diese Widerlegung aufnehmen wird. ' Schließlich kann ich nicht umhin^ den traürigeNAusgang des Processes mitzutheilen. In Folge der unter Einfluß der Griechen geleiteten Untersuchung wurden die sieben mit Dolchen bei der Thal vom Zirkelcommissär ertappten und von Blut triefenden Griechen aus Mangel an Beweisen entlassen, der Actenstoß der Untersuchungscommisston dem Kreisamte zur gerichtlichen Beurtheilung übergeben und den Juden befohlen, ihr unweit der griechischen Kirche seit 9 Jahren gemiethetes Bethaüs bis zur Beendigung der neuen Hauptsynagoge sofort zu schließen. Im Allgemeinen sind die Juden als die eigentlichen Veranlasser der Katastrophe beschuldigt. Niemand wagt es, den Generalgouverneur auf alle Machinationen der Griechen aufmerksam zu machen, noch weniger ziemt es, höhern Orts darüber Klage zu führen. - 1 r'+ Von Satisfaction kann nicht mehr die Rede sein/es sind im Gegentheil nur traurige Ercesse in der Folge zu befürchten, da die Griechen über den errungenen Sieg triumphiren und im Allgemeinen der Jude jetzt hier verachtet wird, was in Odessa nie der Fall war. Das Schlimmste dabei ist, der General-Gouverneur, der als hochgebildeter und gerechter Mann von den Juden eine gute Meinung hatte und durch seinen großen Einfluß oft sein Scherflein zur Verbesserung ihrer Lage beigetragen hat, halt jetzt in Folge der Einflüsterungen seine Gesinnungen geändert. Wir leben aber in einer Zeit, wo wir zu hoffen berechtigt sind, daß die Wahrheit bald doch durch alle Nebel hervorleuchten wird, und Wahrheitsliebende bald er-