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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1859-09-12 · Heft 38 (12.9.1859) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
23 (1859)
Issue
Heft 38 (12.9.1859)
Date
1859-09-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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23 Jahrgang. 5( M g C.ttl C t N C b8. ■; ■ ■ : Ein ■ ■ : ' : unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von . . Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. Leipzig, den 12. September 1859. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich gegen 80 Bogen und darüber in Quart incl. deS Titels, RegisterS u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. für sechs Monate — 22>/r Ngr. für' daS-Biettestahp:angesetzt. worden.-•':Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sächsische ' ' ' Zeitungs- Expedition allhier unterzogen. 3 nhalt. Leitende Artikel: Die Anforderungen an den Rabbiner oder jüdischen Prediger. —^Die israelitische Bibel-Anstalt. Zeitungsnachrichten r D e u t sch l a n d: Fürth, aus dem Großherzogth. Hessen. Preußen: Berlin, Berlin. Oesterreichischer K a i s e r st a a t: Wien, Gr. Becökerek, Donaufürstenthümer: Bukarest. Rußland: Odessa. Leitende Artikel. "■* ' -- Magdeburg, 2, September. Wie Anforderungen an den Rabbiner oder jüdischen Prediger. Man hat schon öfter, und zwar in satyrischer Weise die übermäßigen Anforderungen belächelt, welche die Gemeinden in ihren Concursauöschreiben an das Wissen und die Fähigkeiten der Eandidaten stellen. Jene mögen allerdings oft übertrieben sein, und namentlich in keinem Verhältniß zu 'den dargebotenen Gehältern stehen. Allein verkennen läßt es sich nicht, daß es in den ZeitverhLltniffen selbst' liegt, wenn große Anforderungen aufgestellt werden, daß vielmehr die Wirklichkeit selbst diese Anforderungen dictirt. Denn pnt Recht soll gegenwärtig der jüdische geistliche Beamte eine genaue Bekanntschaft mit dem Talmud und der ganzen rabbinischen Literatur wie seine Vorgänger befitzen, und es wird ihm zum Nachtheil gerechnet, und dient zur Beschädigung seines Ansehens, wenn er fie nicht besitzt, ja er soll diese Literatur auch nach ihrer geschichtlichen Entwickelung kennen und sie vom literärhistorischen Standpunkte durchforscht haben, was nur bei sehr wenigen seiner Vorgänger der Fäll war. Andererseits soll aber derselbe Mann eine philologische Bildung besitzen, die klassischen Sprachen und Literaturen, womöglich auch einige orientalische tüchtig studirt haben. Drittens muß er einige moderne Sprachen kennen und die allgemeine Literatur in umfassender Weise durchstudirt haben. Daß außerdem er sowohl in den eracten als in den historischen Wissenschaften bewandert sein müsse, daß namentlich eine naturwissenschaftliche Bildung ihm wunschenswerth sei, ist selbstverständlich? Nun überblicke man alle diese Anforderungen, denen der neuere Rabbiner zu genügen hat, deren meisten für ihn gar nicht aüszuweichen ist, und man wird zugestehen, daß fie weit über das Maß jedes anderen Fachstudiums hinausgehen, und daß sie eine Opferwilligkeit der Jugend und einen inneren Drang voraussetzen, welche ihre Hingebung zu oft mit der leiblichen Gesundheit bezahlen müssen. Je größer aber die Anforderungen an die Studien eines Rabbinen find, desto geringer stellen sich bis jetzt immer noch die Ansprüche an' seine' amtliche'Tätigkeit, und wenn wir jene im vollen Maße zu würdigen und ihre Schwierigkeiten änzuerkennen geneigt sind: so können wir andererseits nicht verhehlen, daß nach unserer Ueberzeugung im Allgemeinen die modernen Rabbinen in ihrer Wirksamkeit den Erwartungen nicht ensprochen haben'.

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