Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 36 (29.8.1859)
- Date
- 1859-08-29
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
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Grste Beilage p Ro. 36 d.Allg. Ztg. d Iudeutb. Seit langer Zeit vermeiden wir jede Besprechung der Verhäktniffö'zü Jerusalem.? Wir haben - unsere Meinung/ wie/wir sie uns aus vielfältigen Beobachtungen ohne'persönliche Wahrnehmung — gebildet haben, ausgesprochen und überlassen' es Jedem, sie zu theilen öder nicht. / Folgenden Artikel Men^ wir /deshalb , da dessen Ahdrück verlangt/wärd/ ist einer^Beilage."; '? r:''V "iUU '>•''!;:Lf Die Redaction. : Jerusalem, dm 5. 'August 1859. Ein jüdisches Pilgechiurs. , |; Mß ich' im Monate Mai d. I. Wien verließ, um wissenschaftlicher Zwecke halber nach Palästina zu gehen, Würde ich Vön vielen Seiten auf^efordert, eine nüchterne j Schilderung jüdischer Zustände in Jerusalem geben,; dW sowohl' die örthodöpeüls auch mchtörthodore Partei/- HM-MFMkl's;,Nach Jerusalem"in außerordentliche Mwegüng gebracht. Ich' aber richtete Lei 'meiner Ankunft in' Jerusalem auf ganz andere Gegenstände mein Augenmerk, nämlich äüf däs' jüdische'Höspitz, 'welches in jüngster Zeit so viel Spektakel Und Lärm erregte; denn was die eigentlichen Zustände der Juden betrifft, so will ich durchaus :fcttte traditionelle Schilderung, wie es vr. Frankl machen mußte, hergebcn. ' : tn&b ner-i'' •'S, wenn der! Mensch aber auch nicht einmal mit eignen Augen gesehen hat, was muß da für eine Ansicht herauskommen; übri- : gens soll' es vr. Frankl vorläufig zur Beruhigung dienen, daß , wenn er Muße gehabt hatte, wie ich, so würde er viel mehr geschrieben, jedoch aber auch mehreres weggclassen haben. Wir wollen uns nun auf keine Recenfion einlassen, vielleicht später einmal in einer besonderen Abhandlung:' Ich habe es nur gern erwähnt, weil ich auf den uneigennützigen Deputirten Jerusalem's für das jüdische- Höspitz, Herrn Selig Hausdörf, K. K. Dragoman ünd/'-Direetör' des Bär. Rothschild'schen Handwerkervereins, wie er sich schreibt, zur Rede kommen'werde, und welcher sich deMüthigst herbeiläßt vr. FraNkl anzugreifen: -— So unlieb es mir ist, überhaupt über Jerusalem, d. h. über das,'' was die Juden betrifft/zu schreiben, so kann "ich doch nicht zu dem Treiben einiger hiesiger' Personen, den K?"R/^DrägoiüaÄ-mübWifföN,-und" die ich in die'Scene setzen muß; schweigen: T;] r>-? " tZuou8<ju6 pätiehtia nosträ abütere! Wie lange werden die Europäer noch die Einbildung habest','- daß jeder, der äus Palästina undbesonders' aus Jerusalem kommt - ein i Heiliger und MlehrM sein muß! Glaubt man wirklich in EurW^ Uiitef allen Fktzen (röche Mützen) einen Otien- - Men zu' finden , wenn 'Mn auch' die polnischen Peoth hervorschimmern sieht? Fasset nun, ich meine z. B.^ H^ vr.; Hildesheim und CöNsorten - eueren DepUtirten für' düs J Hospitz ists Auge?//,Es "ist" eiN' Mann, M K. K: Dra-: gomän^stch^ schreib^ weil er das Polnisch-russische ins: Polnisch-deutsche im Consulate übersetzt, auch hie und da kleine Einkäufe, wie Erdäpfel / Gurken re. aus dem Bazar für das Consulat besorgt, und endlich manchen Juden eine Vorladung bringt, und alle jüdischen Briefe von der österreichischen Post besorgt; das ist die Function des K. K. Dragoman's, des Deputirten Jerusalem's. Es wird also Vesser sein, wenn wir ihn Juden-Kavaß *) nennen, und in der That ist sein Schreibtisch, welchen er nicht sehr abzunutzen weiß, im Zimmer der Kavasse ausgestellt. Ferner.hat der Director des Handwerker-Vereins keine 'andere' Function, als bei den Ministern nachzuseheN, ob die Lehrjungen jeden Tag eintreffen- und wofür er eine Besoldung von 20 Frc: "monatlich erhält; Direktor der Anstalt ist H. vr. B. Neumann,, der zugleich Director des Spitals ist. Der Juden-Kavaß hat die Keckheit sich Deputirter 'des Comits's in Jerusalem' zu schreiben, wo doch 'kein CoMits eristirt, da keine der Gemeinden ein Hospitz begutachtete, -Und der'Vorsteher der deutschen - Gemeinde; itt deren Namen der > K. K: -Dragoman reist, hat selben in der Allgemeinen Augsburger Zeitung gegen das Unternehmen geschrieben und vor Spekulationen einzelner Leute gewarnt. Ich meine nämlich den.'berühmten Forscher H. Rabb. Josef Schwarz, der bewiesen hat, daß auf dem Platz unmöglich gebaut werden könne, ohne daß dies mit ungeheueren Kosten verbunden sei. Wir werden übrigens darauf zurückkommen. Das CoMits besteht also aus 5 Personen, unter welchen sich, nicht einmal ein Chacham befindet, sondern crps aber wie der Midrasch meint 12 uy bSN *>s y« Leute, deren Zungen Schlangen sind und deren Speichel vergiftet, und welche hauptsächlich alles Unheil, das über Jerusalem kommt, anrichten, ich will die Namen nicht nennen, nomma sunt odiösa, und diese sind gar häßlich, und deren Depütirtet Herr Selig Hausdorf ist. Wahrlich, es thut mir leid , so nusarten zu müssen gegen einen Menschen, den ich nicht einmal persönlich kenne, aber mein Herz blutet mir, wenn wieder später man die Nichtigkeit des Planes , dieser Müßiggänger und Jndustriespeculanten gewahr werden wird, und man daNn wieder über alle palästinensischen' Juden herfallen sollte; ich denke daher, es ist besser, man amputirt ein Glied, bevor' es dahin kommt, daß der ganze Körper angesteckt ist. ' Noch aber hatte ich geschwiegen , denn ich dachte es auswendig, daß Frankreich uttd England wenig dafür thun werden , da in Paris H. vr.? Alb: Kohn Jerusalem im Auge hat und 'von einem 'solchen' Manne. eigentlich der Äufrüf -ergehen sollte; aber -mein Herz empörte sich, als ich die' Arroganz dieses Juden-Kavaffön las,' sich Deputirtör "zu"schreiben', ferner in der letzten Rümmer des .lexvs drolliöle Frankreich - und' England Vorwürfe macht, zu wenig für Jerusülem gethan 'zu haben; ist vielleicht sein BettÄsackzu wenig gefüllt worden? EinMann, der nur aüb ' d^sw'^reist, schickt Geschenke aus Paris; läßt sich in der , *). Kavaß ist so viel wie Polizist.