Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1859-07-18 · Heft 30 (18.7.1859) · p. Seite 428

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
23 (1859)
Issue
Heft 30 (18.7.1859)
Date
1859-07-18
Page
Seite 428 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3226147-3226178--17857-3246791
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

428' Journale gemacht, ohne jedoch den/ gewünschten Nachhall zu finden. Die beklagenSwerthe Ursache ist wohl der inzwischen ausgebrochene Krieg, der - für -alles Andere taub macht. Die hiesige Regierung, die europäischenWirrenwohl benutzend, wo die Blicke nach ändern Geschehnissen gerichtet sind, hat nicht bloß die Rädelsführer- und Gewältthä* ter unbestraft gelassen,' die vielen Mißhandelten nicht entschädigt — sie hat, um ihrer Gerechtigkeitsliebe die Krone aufzusetzen, seit April 12 Juden, meist Familienväter, eingekerkert, welche der Höbe! als „ Blutsopfer" bezeichnet. Sie manifestirt also, daß diese Beschuldigung des Gebrauches von Christenblut zum Pässähfeste ihren Grund habe, und sie ihn anerkenne. Alles Bitten und Flehen bei dem Fürsten, alle Vorstellungen an die ' Regierung um Freilassung der Verhafteten und eine prompte Justiz ist bis nun erfolglos geblieben, und wird es wohl so bleiben. . Wohl .tagt in Galatz eine-Untersuchungscommisston; sie hat alle Fäden der Judenverfolgung in Händen, sie kennt die Urheber und Theilnehmer, aber „der Jude wird doch verbrannt", ist zum Gesetze des neurömischen Rechts erhoben. In schwere Ketten geschmiedet, halbtodt-, ein Bild des größten Elends und Jammers,.werden die Unglücklichen vor das Verhörstribunal täglich geschleppt, wo ihrer keine Gerechtigkeit harret, denn alle Protokolle und Acten, welche zu ihren Gunsten lauten, werden weislich bei Seite geschoben. Wir sagen es im Voraus, daß zuletzt es diesen. gerechten . Richtern gelingen wird, Das zu beweisen, was das schwärzeste Mittelalter nicht vermochte. Einer roumänischen Justiz ist Alles möglich, und wer diese Länder kennt, weiß sehr Wohl, daß hier blos Aemter dazu eristirkn, um das Recht , mit Füßen zu.treten und das Unrecht zu beschützen. -7- Die Herren Beamten werden also schon dahin trachten zu manövriren, daß da eigentlich doch die Zy d 0 n s Christenblut gebrauchen, die, Katastrophe in Galatz nur eine gerechte war. So Etwas darf man von der hiesigen Justiz erwarten. Es wäre unmöglich, von den Insulten zu sprechen, denen wir hier stets ausgesetzt sind, und die von der Regierung mit einer Ausdauer und einem System fortgesetzt werden, die zu andern wünschenswerthern Zwecken ihr zur größten Ehre und dem Lande zum Heile und Segen gereicht hätten: ■ v..;,,, Die jung - roumänische Presse füllt ihre Spälten mit Artikeln, die neben dem Fanatismus , den sie predigensich nicht entblöden, die gröbsten Lügen und nebenbiiäüch ' dik ' Mßten AlbttnhMn gegen uns in die WÄt zu schleudern: —- "Es ist etwas EigeNthümliches, daß in der ganzen roumänischen Presse, diejetztstark verbreitet ist, blos ein Einziger gegen die Galatz-Affaire loszog: Es ist dieses ein Herr I: Heliade, der in dem Bukärester „Xationalulüi" einen Artikel, überschrieben: ,-Die Galatzer Mässacren^, erscheinen ließ. Dank"dem edlen ' Schreiber^ Dank der geehrten Redaction, die Sternen gleich in der Dunkelheit der roumänischen Presse leuchten. ' Einem JäVusgefichte sehen diese„Vereinigten Fürstenthünier" ähnlich, Bilder aus dem dunkelsten 'Mittelälter, nebenV olks fürstest, Repräsentativverfaffung, PosauNiren nach 11. f. w. ' , Wir Juden wissen ^jeHt, Europa wird, es mitder Zeit erfahren, welches Gesicht das ächte, welches nur eine.gleißnerische.Maske ist.. . , ... , 1; . Der Zweck nun dieser Zeilen ist, unseren Brüdern, die. inglücklichern Ländern leben? unddenen es gegönnt ist, unter -Menschen zu sein,, zuzurufen : „Gedenket des Leides und des Wehes, das Euern jüdischen.Brüdern ,an der unrern Donau geschieht.—Bedenket, daß. wir einer Religion sind und. Eure Pflicht es ist, .sie nicht, durch Barbaren schänden und durch lügnerisches Gewebe verleumden zu lassen. Gedenket Eurer. getödteten, gemarterten, verstümmelten, beraubten Brüder, in Galatz, gedenket der vielen verarmten Familien, gedenket der zwölf Eingekerkerten, die ihre Qualen nicht lange mehr ertragen werden. Unsere Bitte, die Bitte unseres ganzen Volkes , ist, daß ein Retter unseres Glaubens in unserer, Mitte erscheine, wie einst Montesiore in Damaskus erschien. Ver^ wendet Euch, Ihr, die Ihr Einfluß habt, bei den Regierungen Eurer -Länder,,, mögen diese.ihre starke. Stimme für das Recht und: die Wahrheit, erheben. , Wir erwarten mit Zuversicht einen.Apostel unserer Brüder, dessen Stimme hier nicht so verhallen dürfte wie unsere Bitten und unser Flehen bis nun erfolglos geblieben sind. Alsdann wird man wohl wissendaß Israel nicht verwaist dasteht, und Europa und unsere Glaubensgenossen nicht ruhig zusehen, wenn der Fanatismus sein Medusenhaupt gegen uns erhebt. v Wenn die Katastrophe Mortara die ganze Judenheit Europas entflammte, wo es sich nur um-ein jüdisches Haupt handelte, das doch einmal dem Schoße seiner Religion zurückgeführt werden kann, wollt Ihr thatenlos dastehen, wo es gilt, so vielem Jammer, so vielem Elend zu Hülfe zu kommen? Nochmals; wir vertrauen auf

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.