Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 30 (18.7.1859)
- Date
- 1859-07-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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23, Jahrgang. SlllgClUCtUC 30. unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. . Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg, Leipzig, den 18. Juli 1859. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal,' Montags, und wird jährlich gegen 80 Bogen und darüber in Quart incl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. -In Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr^ für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. für sechs Monate,— 22'/r Ngr. für das Vierteljahr angesctzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspevition für beide Letztere hat sich die König!. Sächsische - :- t . Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. . . /, . I N h ll l 1. Leitende Artikel: Was ist von dem „Kosmopolitismus der Juden" zu halten? — Aus den vereinigten Donaufürstenthümern: Ruf um Hülfe! — Die israelitische Bibel-Änstalt. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Fulda. Preußen: Belgard, aus Schlesien, Danzig,-Brandenburg. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Prag, aus Galizien. Großbritannien: London. Die Schweiz: Ober- Undingen. Schweden: Stockholm. Leitende Artikel. Magdeburg, 10. Juli. Was ist von dem „Kosmopotitismus der Juden" zu hatten? Der letzte Einwand und Vyrwurf, welchen eine gewisse Partei gegen die Juden erhebt, eine Partei, die die Principien des Rechts und der Duldung öffentlich nicht läugnet, aber, insgeheim deren Verwirklichung mit aller Macht zu hintertreiben sucht, eine Partei, welche mit we-, henden Fahnen und , klingendem Spiel durch das große Thor der Gerechtigkeit einzieht, aber nur-, mit dem Vorbehalt, sich Hinterpförtchen genug offen^ zu halten, um bequem wieder hinausschlüpfen zu können, der letzte Einwand und, Vorwurf, den z. B. die „Augsburger Allgemeine Zeitung" . niemals unterläßt, gegen, uns geltend zu machen, ist: die Juden hätten keine nationale Gesinnung, ■ sondern durchweg eine kosmopolitische Anschauung und > Tendenz. Nun mögen die Juden ihren ' Patriotismus, ihre Nationale Energie -noch so sehr durch Thaten erweisen, es finden sich immer noch selbstische Motive, genug, die man ihnen in jedem besonderen Falle unterschieben kann , um den'Allgemeinsatz immer noch mit einigem Scheine aufrecht zu erhalten. , Wir hingegen haben, niemals, im Sinne, den Behauptungen unserer Gegner ein bloßes Nein gegenüberzustellen. Wir nehmen vielmehr an, daß jede öfter und von mehreren Seiten ausgestellte Behauptung irgend etwas Richtiges zu Grunde hat, was jenen den Schein der Wahrheit ertheilt, und daß es daher vielmehr darauf ankommt, diesen Schein zu widerlegen und seine Unwahrheit nachzuweisen.; Fragen wir: was heißt Kosmopolitismus? Er ist die Anschauung und die Tendenz, die ganze Menschheit als, ein einheitliches Ganzes zu betrachten, in allen Bestrebungen nur die Förderung und das Heil dieses Ganzen, im Auge , zu haben und alle Ereignisse und Thaten aus, diesem Gesichtspunkte zu beurtheilen. . Nach dieser einfachen . Erklärung kann man leicht absehen,v daß es einen Kosmopolitismus gehen kann, welcher der nationalen Gesinnung feindlich entgegentritt, aber auch einen solchen, der mit dieser letzteren in,vö lligem Einklang steht. — Jeder Mensch kann sich gewissermaßen als den Mittelpunkt concentrischer Kreise ansehen. Er ist Individuum, und, Weiher. dies an Geist und an Leib ist, hat seine Individualität-Hin unläugbares Recht. Kann er ja auch