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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1859-05-30 · Heft 23 (30.5.1859) · p. Seite 330

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
23 (1859)
Issue
Heft 23 (30.5.1859)
Date
1859-05-30
Page
Seite 330 (sequence 4)
Language
German
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üoch nicht; Veer's Arbeit hat nicht den geringsten Werth- Trigland und Wolff waren seine einzigen-Quellen und diese benutzte er ohne kritischer Sinn. ' Seit 'jener-Zeit haben Jost, 'Rappoport, Geiger, Delitzsch- Steinschneider, Münk und Dukes die Kenntniß des Käraismüs bedeutend gefördert. Diese Vorarbeiten und besonders die Schriften der Karäer, welche nunmehrzugänglicher geworden find, setzten den Vers, in den Stand, die Bahn zu ebnen, die bis jetzt' mit so vielem Unkraut der Lüge überwuchert war. 'Der Geschichtsforscher kann jetzt unbeirrt weiterschreiten und die wenigen Lücken, auf die wir hindeuten werden, ausfüllen. Ueber' den Ursprung und die Entstehung des Karaismus haben wir keine unparteiischen Nachrichten; die Angabe der Käraim ist eine Mythe ohne Poesie, die Genealogie ihrer Häupter ein selbsterfundenes Lügengewebe. Aber auch die Angabe jüdischer Quellen, daß An an b. David sich vergeblich um die Stelle eines Resch-Glutha beworben Und dies ihn veranlaßt hättet mit seinem Anhang eine besondere Gemeinde zu bilden, welche fich gegen die rabb. Ueberlieferüng erklärte, oder daß er einige Zeit wirklich diese Würde bekleidet habe, äbep seiner ketzerischen Ansichten.wegen abgesetzt worden sei,' glaubt Jost berechtigt zu sein, für ein Märchen zu erklären, ohne jedoch einen Grund gegen diese selbst von Geiger nicht zurückgewiesene Ursache des Abfalls von Anan anzugeben. Dagegen hat Jost der zuerst von Geiger (Zeitschrift 2, 92.) ausgesprochenen und von Delitzsch und Steinschneider adoptirten Ansicht in der Hauptsache beigestimmt, daß nämlich die Spaltung, welche bald nach dem Erstehen des Islams in demselben hervorbrach, und die Parteien, die Sunniten, welche für die Tradition dieselbe Gültigkeit wie für den Koran beanspruchen/ und die Schiiten, welche solches verneinten, ins Leben rief, wiederum zu einer neuen Spaltung unter den Juden Veranlassung gegeben habe: Wie nun aber bei dem neu erstandenen Islam nur ein'politischer Grund diese Spaltungen hervörrief, so dünkt und,- daß die Vorgänge im Islam allein keinen solchen Einfluß ausgeübt hätten, ein Schisma gegen den in Fleisch und Blut des Jüdenthums übergegangenen Rabbinismus hervorzurufen, wenn nicht schon längst dieser Abfall im Geiste gelebt hätte. Es mag nun sein, daß fich sadducäische Grundsätze fortgeerbt haben/ oder — wie der Vers, in' einem andern Capitel (S. 424:)' sagt, aber sonderbarer Weise am passendsten Orte keinen Gebrauch davon macht — „der Abfall der Karäer dem Umstande zuzuschreiben/ daß die mit der Einheitsbestrebung der Geonim Unzüfrief denen (vgl:'lSchare-'JeschüVa'Mö/L'68.')/-"Mche-bon"HM' /Schulen unabhängig bleiben wollten, ihre einzige Zuflucht j darin fänden, - daß' sie Hen - Tälmüd^ verwarfen!unb'-ihre [ Lehre-äüs der heiligen -Schrift zogen:" Ütid in der Thät sehen wir aus einer Antwort von R. Scherirä*), daß! noch zu seiner- Zeit das Ansehen der Geonim nicht allseitig anerkannt wurde: Derselbe schrieb nämlich /mian anbairttf [■paa tD’Oi&WM tD,’pb‘>m-d,’,r'»bn -D^a - rtr'^ai'öhb Öfc der Gründcharakter des Karaismus rätioj nell oder nur oppositionell gewesen ssei, darin läusin/die j Ansichten weit auseinander. Sicher' ist eS aber, - daß der j Grundgedanke - der Karaim, dem Gesetze nur nach strengem Wortfinne Gehorsam zu leisten und die Auslegung jedem Gelehrten frei stehe , in der- Ausübung--und Anwendung vollständig den oppositionellen Charakter annahm. Es lie-' gen uns'aber aus der Zeit ihrer Entstehung nur Bruch-' stücke vor, woraus' nicht zu erkennenist/"in"wie weit der- Stifter der' Karaim seiner Aufgabe/die Schrift''nach dem > vernünftigen Wortsinne zu deuten, nächgekömmen sei, denn die rationellen Deutungen der Gesetze-von Tefilin, Mesusa,! die Ansetzung deö Wochenfestes, die Bestimmung der Monate nach dem Sichtbarwerden des Mondes, das Verbot, ein trächtiges Thier zu schlachten (was Philo und Josephus nur von den Opferthieren verstehen), und nöch manche - andere sind nachweislich keinem hebräischen Köpfe ensprun-n gen, was aber als ursprüngliche karaitische Deutung zu erkennen ist, ist nichts weniger als' rationellnur ist nicht immer zu ermitteln, in welchem Zeitalter die vorherrschende oppositionelle Ausartung so zum Durchbruch kam, wie sie uns Zunz in seinen Riten S. 156. in einfachen kurzen Beispielen vorführt, zu denen' wir noch folgende Gesetze, die offenbar ein oppositionelles Gepräge haben, beifügen: Die Spannäder ist auch bei Geflügel zu essen verboten (Jefeth hatte dies erlaubt). Man darf an Feiertagen Feuer nicht durch Stahl und Stein Hervorbringen, wohl aber durch Auffängen der Sonnenstrahlen in einer Wasserflasche (gegen H. Beza 33). Zu Reinigungswasser ist weder Regen noch stehendes Wasser tauglich- und' nach R. Joseph darf es nur süßes Wasser sein. Zerbrochenes irdenes Geschirr ist ebenfalls den Reinigungsgesetzen unterworfen. - Wie bei den Thiereü ein rituelles *) Dieses Schreiben befindet sich auf der Rückseite des Titels, von Schaare Zedek, in Schaare Jeschuba No. 187. ' und wird von Maskat No. 54. citirt und schein/ daher nicht verfälscht zu sein, wie Luzzatto (B. H-Ozar 'S. 55b) vermuthet und auch Zunz unter die rechnet, ,',hie keinen Anspruch auf Aechtheit haben". (Ritus S. 193!)

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