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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1859-05-09 · Heft 20 (9.5.1859) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
23 (1859)
Issue
Heft 20 (9.5.1859)
Date
1859-05-09
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Außerordentliche Beilage zu Ro. 2V. der Ällgern. Zeit, des Zudenthums?) Isaas na» p'iL m «an wnsw inr® : Gine Mahnung an die Wächter Israels. - Als wir letzthin die beiden neugebauten israelitischen Tempel in Wien und Pesth besichtigten—zwei Kunstdenkmale neuerex Zeit, die jeden Menschen, der Auge und Sinn für Aesthetik hat, in eine hehre Stimmung versetzen — überfiel uns nach dem wohlthuenden Gefühl der ersten Ueberraschung eine gewisse Bangigkeit, von der wir uns nicht so leicht losmachen konnten. Wir frugen uns nämlich: Werden diese neuen prachtvollen Tempel auch eine neue Anziehungskraft besitzen, um unsere Heranwachsende Jugend, die nicht, wie die ehemalige, den kasuistischen Talmudstudien, sondern denHumanitäts- und Realwiffeyschaften, je nach ihrem Berufe, obliegt, auf die Dauer an sich zu fesseln? Wird der heutige Cultus, welcher trotz des kunstgemäßen Choralgesanges, noch immer nach einer veralteten Liturgie, in einer selbst der gebildeten Mehrzahl unverständlichen Sprache abgehalten wird, ein das religiöse Vedürfniß dieser Generation befriedigender sein? Nach längerem Nachdenken mußten wir uns diese Frage leider mit „Nein" beantworten. Reiche psychologische Erfahrungen haben es mehr als genügend dargethan, daß unsere Jugend, von der europäischen Civilisation des neunzehnten Jahrhunderts getragen, die Sitten, Gebräuche und Gewohnheiten der abendländischen Völker vollständig in sich ausgenommen. Diese Identität des Empfindens, des SchicklichkeitS - und Anstandsgefühls hat zwischen uns und unfern Mitbürgern die Zahl der unterschiedlichen äußern Merkmale bedeutend herabgemindert. Es ist sonach im Bereiche der Unmöglichkeit, daß die gebildete Jugend, in so lange sie zu orientalischer Sitte gezwungen, mit bedecktem Haupte und ausschließlich in einer todten, unverstandenen Sprache das Gebet verrichtet, im Gotteshause die Weihe und' die AB dacht finden könne, welche den Beter, der vor Gott steht, überkommen muß. Die Gründe dieses traurigen ThatbestandeS sind ganz einfach: Es widerstrebt der heutigen Jügend, die in ihren gesellschaftlichen Beziehungen so wie bei allen Vorkommnissen des Lebens nach europäischer Sitte und Norm lebt und empfindet, gerade im Gotteshaüse diese ihr theuem Errungenschaften höherer Gesittung opfern zu müffem >•' Ja, anstatt die bessern Angewohnheiten, gereift > unter dem milden Sonnenstrahl der Civilisation, auch auf das heilige Gebiet deS synagogalen LebenS zu verpflanzen, pfropfen wir der Jugend eine ftemdartige Sitte ein, die einen unbehaglichen Eindruck, ja schädlichen Einfluß auf sie selbst und auf den Zuschauer ausübt. Sprechen wir deutlicher: Die Entblöß üNg des . Hauptes ist als gewöhnliches Zeichen der Menschenachtung so sehr in unser Fleisch und Blut übergegangen, *) Alle „außerordentliche Beilagen" werden auf Kosten der Verfasser gedruckt, und tragen dein Publikum gegenüber dB Verfasser, nicht-aber die Redaktion, die Verantwortlichkeit. Die Reduktion,

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