Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 7 (7.2.1859)
- Date
- 1859-02-07
- Page
- Seite 99 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Lehrlingen ohne Unterschied ihres Handwerkes, sowie allen Handlungslehrlingen Gelegenheit bieten, Sfcefo gion,- Russisch, Deutsch rc. zu lernen, um auch den Anforderungen der Jetztzeit zu genügen. Der Unterricht . .istunentgeltlich und durch Aufmunterung deS Herrn vr.. Goldenblum haben einige hiesige bekannte Wohlthäter,7 wir dürfen hier, nur nennen die Herren 8* Ephrußi, B. Trachtenberg, A. Brocki, B. Weinstein, L^ Geduld und mehrere Andere, durch ihre milden .Spenden ermöglicht, daß den Schülern dieser Sabhathschule, die durchwegs arm sind, das Wort Gottes, eine Bibel, ein Gebetbuch u. s. w.. in die Hand gegeben werden kann. Sy wohlthätig eine solche Schule ist, und auch von den hiesigen Christen als solche anerkannt, und; so über die Nützlichkeit derselben Nichts einzuwenden ist, haben die Gebildetseinwollenden und die Jndiffe- ' renten, die• leider in den jüdischen Gemeinden schon' .viel Unheil angestiftet, doch immer ihr Wörtchen darein zu sprechen, und können diese eS nicht über ihr Herz bringen, warum keine Commission oder Gabaim darüber gesetzt find; da diese Leute gar nicht begreifen, daß diese Schule weder eine Gemeindeschule ist, noch von Gemeindemitteln erhalten wird. Die Schule ist für die Gemeinde und die wenigen Auslagen, die dieselbe erheischt, find', wie schon oben bemerkt, von einzelnen Wohlthätern freiwillig gegeben worden. Im Uebrigen bleibt diese Schule Eigenthum deS Herrn vr. Goldenblum. — Am 10. d. M. versuchten hier einige gebildete Jünglinge und Jungfrauen mosaischen Glaubens zu Gunsten einiger armen jüdischen Familien eine theatralische Vorstellung zu geben, welche auch zur vollkommenen Zufriedenheit auSfiel. Pei dieser Vorstellung war auch die christliche Aristokratie, darunter der hiesige Generalgouverneur Graf Strogänöff, vertreten. B. ' Türkei. Äonffantinöpel, im Januar. Der in Brüssel und KMäntittopel erscheinende „vsvant" enthält in Nummer 317. die Erzählung eines FactumS, welches wohl im Äande ist, den europäischen Stolz ein wenig zu beschränken und abermals zu erweisen, daß die Toleranz und Menschenliebe denn doch auch bei anderen Nationen und Herrschern gefunden werden. Als Mahomed n. dm 29. Mai 1453 Konstantinopel mit Sturm genommen, erklärte sich der Sultan zum „Beschützer der Christen" und beschäftigte sich schon am 1. Juni desselben Jah.reS mit der Investitur eines neuengriechischen Patriarchen. Georg ScholariuS wurde hierzu erwählt, und nach allen Gebräuchen des byzantischen Reiches geweiht; der Sultan selbst, auf einem Throne sitzend, wohnte der ganzen Ceremonie bei und lud darauf den Patriarchen zu einem großen Bankett ein. Er beschenkte denselben mit großen Kleinodien, gab ihm einen großen Palast zur Wohnung und sicherte in einem Diplom den Griechen folgende drei Privilegien zu : „Ihre Kirchen können nicht in Moscheen verwandelt werden; ihre Heirathen, Begräbnisse und alle anderen Gebräuche werden nach den Grundsätzen und Riten der griechischen Kirche abgehalten; das Osterfest wird fortgesetzt gefeiert, und hierzu bleiben die Thore der Griechenstadt drei Nächte offen.L Dieö geschah im Rausche des Sieges und im Malter der Ferdinande, Isabelle, Philipp II. und III) Paris, im Januar. Herr Albert Cohn richtete unter dem 21. December v. I. ein Schreiben an die Redaction der Arch. isr. de Fr. über den Zustand der israelitischen Schulen in der Türkei. Ueber Konstantinopel bringt dieser Bericht nichts Neues, da er über den letzten Vorfall, der so viel Redens von sich gemacht, noch nicht hinausgeht. Interessant hingegen ist, was er aus Salonichi mittheilt, und geben wir dies in wörtlicher Ueberfetzung: „Ein Bericht, der mir von Salonichi im Laufe des Monats September zugekommen und durch eine Correspondenz vom Monat December vervollständigt ist, läßt den vortrefflichen Stand der Schule erkennen. Die französische Schule ist so im Fortschreiren begriffen, daß alle Welt darüber erstaunt ist. Die erste Claffe, aus 50 Schülern bestehend, bildet schon eine höhere Abtheilung. Dictate, ohne orthographische Fehler, grammatikalische Analysen, Satzlehren in allen Theilen, leichte Aufsätze, dies find die Arbeiten der ersten Claffe. Die beiden anderen Claffen arbeiten nicht minder gut. Die Curft in Religion und biblischer Geschichte sind so weit gediehen, daß an jedem Freitag, wo dieser Cursuö gehalten wird, immer viele Fremde in der Schule dem Unterrichte beiwohnen. Eben so Haben die Schüler bei dem letzten Gramen so geantwortet, daß der Großrabbiner öffentlich gesagt hat, daß, so lange er, 7**