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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1859-02-07 · Heft 7 (7.2.1859) · p. Seite 98

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
23 (1859)
Issue
Heft 7 (7.2.1859)
Date
1859-02-07
Page
Seite 98 (sequence 10)
Language
German
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es ' mir/gewiß nicht verargen,- wenn ich nach langer Unterbrechung den Faden meiner Correfpondenz wieder änknüpfe?, da alle Blicke-voll banger Erwartung auf die' Schwesterstaaten Moldau -und' Wallachei gerichtet sind.! 'Es ist daher an der Stelle/ Uns einen klaren Ueberblick - d'ergegenwärtigen' Situation zu bilden, um so mehr,- da hier jetzt'die Grenzscheide alles politischen undsozialen Lebens, so auch vom hiesigen Judenthume, zu sein scheint. Dem fleißigen B'eobächttr hiesiger Zustände bittet-sich aber leider noch immer ein trauriges - Bild einer tiefen Versunkenheit, niedrigen Fanatismus, selbst unter unfern Glaubensgenossen,- und der Demoralisation dar. 'Jeder höhere 'Trieb für Verbesserung' des-Eulms und JugendÜnterrichts ist beinahe' wie abgestorben/ Zwar giebt eö wohl Einige, die sich ' der öffentlichen Wöhlthätigkeit wärm annehmen, aber was vermag ein kleines Häuflein gegen allgemeine Verstocktheit? Und wo sind wieder/Diejenigen^ du auch für das geistige Wohl Sorge trägen sollten? O nein! es wird vielmehr gesorgt, jedes edlere Aüfstreben zu verkleinern und zu begraben. So müssen wir jetzt die traurige Erfahrung machen y um zu sehen, wie dem väterlichen und humanen Sinn der hiesigen Regierung, die Geist und Herz corrumpirenden „ Chedarim" .abzuschaffen und einen geregelten Schulunterricht anzuordnen, die heftigste Opposition und niedrige Jntrigue entgegengestellt wird. Ja, es wird auch nicht verschmäht, die größten Geldopfer zu machen, und auch den Einfluß der hiesigen jüdischen Größen anzuwenden, um es zu Hintertreiben. Aber, o Ihr Verblendeten, warum seht Ihr es nicht vielmehr 'ein^ daß- Ihr der gütigen Fürsorge der Regierung mit dankbarer Anerkennung entgegenkommen müsset? da ein solches Vorhaben'für uns bei der jetzigen Gestaltung der politischen Zustande beinahe eine Lebensfrage ist, denn wie kann sonst der §. 46. der Pariser Convention, ' der auch einige Winke über unsere Zukunft enthält/ je zur Geltung kommen, wenn Ihr nicht jeden finstern Aberglauben und Eigendünkel/abschüttelt, um sich so den freien Institutionen anschtniegett zu können? Ja, wenn Ihr: die vielen tausend Ducaten, die Ihr auf Eure Privat- Ambitionen üäd herumziehenden „ Ra b b i s " vergeudet, solche lieber auf das) Gemeindewohl, Cultus und Jugendunterricht verwenden deutschen' Blättern f z. B. dieser Zeitung, annoncirt werden?; 1-, r-- Redact. Wolltet, Ihr würdet siewiß eine heilige Pfli'cht^damit erfüllen. Was die Fokschaner Judenverfolgung-/betrifft, so ist deren-Dämpfung den Bemühungen wer fremden Consuläte, und insbesondere der Unermüdlichen Energie des Herrn vr. Weiner^ der allein mitten unterden aufregendsten'Leidenschaften sich Achtung zu verschaffenwüßte,' größtentheils'züjüschreiben.' ’ // Rußland: ... Odessa, 12/ Januar. (Privatmitth:) Endlich sieht man von unserer Regierung, daß sie nach -allen Seiten hin bemüht ist, den Israeliten zu ihrer freien Entwickelung ihr' bisheriges Schicksal nach und nach zu erleichtern und ihre Zukunft in bessere Aussicht zu stellen. ' / Nicht unerwähnt darf es hier bleiben, daß Ihre Winke,. Ihre Darstellung und Ihre Kämpfe, die Sie, geehrter Herr Redacteur, um die gute Sache, unserer hiesigen jüdischen Glaubensgenossen mit unermüdlicher Beharrlichkeit bestanden, sich jetzt allmählig verwirklichen. Wie oft sprachen Sie sich nicht in Ihrem geschätzten Blatte aus, daß man den Israeliten zu ihrer freien Entwickelung vor Allem den Raum erweitern müsse und sie nicht auf einen Haufen zufammendrängen dürfe\ und siehe! da traf dieser Tage eine telegraphische Depesche aus Petersburg hier ein, welche meldete, daß Se. Majestät, unser allergnädigster Kaiser so eben ein Rescript Unterzeichnete, wonach sich fortan die Israeliten in Sebastopol unp Nikolajew niederlaffen dürfen. ... Ein derartiger Erlaß soll, wie, man allgemein erwartet , auch über die freie Niederlassung der Israeliten in Kiew und in Moskau alsbald erfolgen, doch hat sich bis heute hierüber noch -nichts verlauten - lassen. Gewiß ist es, daß die Regierung jetzt Alles,' was die jüdischen Interessen betrifft, und namentlich was zur Förderung ihrer Fortbildung beitragen kann/ mit der größten Zuvorkommenheit unterstützt. So hat zum Beispiel dieser Tage Herr vr. Goldenblum "mit. Erlaubniß der hohen Regierung eine „Sabbath - Schule für israelitische Handwerks - und Handlungslehrlinge" eröffnet. ' - Diese von Herrn Vr. Goldettblüm selbst gegründete Sabbathschule ist die erste und einzige uü ganzen russischen Reiche, und sott dieselbe allen jüdischen

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