Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 52 (20.12.1858)
- Date
- 1858-12-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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22. Jahrgang. Jl#8 52. Allgemeine Zeitung des Zu-ent-ums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegcben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsoll in Magdeburg. Leipzig, den 20. December 1858. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich gegen 80 Bogen und darüber in Quart inel. de- Titels Ne. gisterS u. s. w. umfassen. In Gemäßheit deS Zwecke-, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst nie. drig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang: — 1 Thlr. 15 Ngr. - für sechs Monate — 22J/a Ngr. für da- Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung-.Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sachs. Zeitung-»Expedition avhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Der Chassidismus. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus dem Großherzogthum Baden, aus dem Badischen, Kassel. Preußen: AuS dem Belgard-Schievelbein-NeuAettin-Dramburger Wahlkreise, Breslau, aus Schlesien. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Wien. Rußland: Aus Rußland. Italien: Magdeburg. Frankreich: Paris, Paris. Großbritannien: London. Marokko: Tetuan. Leitende Artikel. Magdeburg, 13. December. Der Chassidismus. AuS Rußland und Galizien ertönen die Klagen immer lauter über das WachSthum des Chassidismus. Bereits hat er das nordöstliche Ungarn sich unterworfen, und selbst die Grenzen Preußens überschritten und in Oberschlefien zahlreichen Anhang gefunden. Es kann dies auch nicht auffallen; denn wir halten uns überzeugt, daß, wenn morgen zufällig einige Schößlinge des ChassidiSmuS nach Berlin versetzt würden, er auch hier üppig wuchern würde — jedoch nur auf eine kurze Zeit, so lange er sich ln Mode erhielte. Anders ist es aber in den weiten Landstrichen, die wir oben bezeichnet haben, und in den unteren Schichten der dortigen jüdischen Bevölkerung, wo er die dauerndsten Wurzeln geschlagen zu haben scheint. Um so weniger darf er, wie es biö jetzt geschehen ist, von den Juden des westlichen Europas übersehen werden. Nichts leistet der anwachsenden Macht deS Aberglaubens mehr Vorschub, als der Hochmuth und die Selbstüberschätzung der Civilisation. Durch diesen Hochmuth und diese Selbstüberschätzung ist die Civilisation des AlterthumS gefallen, und Griechen und Römer sanken in den Staub vor den Horden jener Barbaren, die fie so lange verachtet hatten. Die Redaction d. Bl. braucht sich dieser Schuld nicht zu zeihen. Schon vor 15 Jahren ließen wir durch den trefflichen Griffel, des Professors Julius Barasch den Chasfidismus ausführlich in dieser Zeitung beschreiben und charakteristren; schon damals gaben wir genaue Berichte über sein Fortschreiten, und suchten ihn unsererseits zu bekämpfen. Wir könnten dem Publikum eine ganz nette Auswahl von Droh-, Brand - und Bannbriefe» vorlegen, mit denen wir von Zeit zu Zeit von chasfidischer Hand beehrt wurden. Am meisten aber ist dem ChasfldiSmuS gegenüber mit Blindheit geschlagen das sogenannte orthodore Jubenthum. Es kann nicht fraglich sein, daß dieses daS erste und nächste ist, welches vom ChassidiSmuS verschlungen wird. Dem fortschreitenden Judmthume des westlichen Europas kann der ChassidiSmuS hier und da einigen Abbruch thun, indem Einzelne in ihren Bedrängnissen zur Wunderthätigkeit der chasstvischen Rebbes ihre Zustucht nehmen; aber eigentliche Chasstvim, Anhänger, welche sich in daS ganze Leben, in die Sitten und Bräuche des ChassidiSmuS begeben, werden sie nicht werden. DaS orthodore Juden-