Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 51 (13.12.1858)
- Date
- 1858-12-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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22. Jahrgang. Allgemeine 51 Zkitung des Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfo» in Magdeburg. Leipzig, den 13. December 1858. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich gegen 80 Bogen und darüber in Quart juck. des Titels Registers n. f. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für Den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. für sechs Monate — 22'/2 Ngr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Bnchbaiidlungen, Postämter und Zeierings-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Harlptspedmon für beide Letztere hat sich die König!. Sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Ein Lehrsatz der israelitischen Religion. — Die Juden in Konstantinopel. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Eschwege, Worms,. Worms. Preußen: Paderborn, Berlin, Rakel. Oesterreich i sch e r K a i s e r st a a t: Wien, Wien. Italien: Magdeburg. Frankreich: Paris, Paris. Rußland: Aus Polen, Odessa, Warschau. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Die Lehre vom Bosen und Guten nach dem Talmud und den Midraschim, von Dr. I. Hamburger, Rabbins*. (Forts.) Leitende Artikel. Magdeburg, 7. December. Ein Lehrsatz der israelitischen Religion.!N2N ''b N1WO2N p Siehe, alle Seelen sind mein! (spricht der Ewige.) Jecheskel 18, 4. Dieser Ausspruch des Propheten war eine der Grundlehren der Religion Israels von ihrem Beginn bis zu dem heutigen Tage. Alle Seelen sind Gottes, alle Seelen haben den gleichen Anrheil und Anspruch an Gott und die Seligkeit des jenseitigen Lebens. Israel wird von der Schrift als das von Gott auserkorme Volk bezeichnet; d. h. aber nichts Anderes, als das Volk, welches die Offenbarung empfangen und die Lehre des Einig-Einzigen Gottes tragen und bezeugen sollte sür alle Welt und alle Zeit bis zu dem Tage, wo „wie der Ewige einzig ist, sein Name einzig sein wird auf der ganzen Erde". Niemals aber wurde darum den Söhnen Israels gegenüber den anderen Menschen der Vorzug des Seelenheils und der ewigen Seligkeit zugesprochen; niemals wurden die übrigen Menschen darum, weil sie nicht zu Israel gehören, von der Gnade Gottes sür ausgeschlossen erklärt; niemals den Israeliten es daher zur Pflicht gemacht, Proftlyten zu sammeln und festzuhalten, oder irgend Mittel anzuwenden, zum Uebertritt zu ihrer Religion zu überreden oder zu zwingen. Vielmehr lehrten schon die Propheten ausdrücklich, daß die Völker nach und nach durch das Zeugniß Israels, die Entwickelung des Geistes und die Erfahrungen der Geschichte zur Crkenntniß und Anbetung des Einig-Einzigen Gottes kommen werden. Nirgends aber wird gelehrt, daß die übrigen Menschen, wenn nicht um frevelhafter Thaten willen, um ihres Nichtglaubens an den einzigen Gott verdammt würden; niemals wird gelehrt, daß die Israeliten schon um ihres Glaubens willen selig würden. Diese Lehre ist auch vom Judenthume treu festgehalten worden. Wenn ihm überhaupt die Lehre der Schrift, daß alle Menschen von einem Paare abstammen, auf die Brüderlichkeit und Gleichberechtigung aller Menschen vor Gott so sehr hinwies, daß ein Weiser behauptete, der Vers 1 Mos. 5, 1.: „Dies ist das Buch der Geschlechtsfolge Adams" der wichtigste der Schrift sei; wenn der Ällge-