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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-11-22 · Heft 48 (22.11.1858) · p. Seite 665

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 48 (22.11.1858)
Date
1858-11-22
Page
Seite 665 (sequence 11)
Language
German
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0665 das Stint» hinauStraten, schlugen sie den entgegengesetzten Weg ein,-obschon der Knabe -auf die Stelle zueilen wollte, wo sein Bater siand, und daran verchiudert werden mußte, sich in dessen Arme zu.stürzen. Wer Bater kehrte nunmehr nach dem Häuft zurück, -wo . er sein Weib gelassen,' und wartete dort'-zwei Stunden lang vergeblich auf die Rückkehr deS RectocS mit:dem Knaben. Während er am Fenster stand, bemerkte er, daß zwei GenSdarmcn die Straße auf rund ab patvouillirtni; in der Ueberzeugung, daß sie «S -auf ihn abgesehen, ging er mit feiner Frau hinab, «m zu fragen, waS sic von ihm wollten.' Er erhielt -keineAntwort/doch folgten.ihm die GeaSdarmm auf Schritt und Tritt, so daß sich um die beiden Ehelrute datd-Gruppen büdeten, - die: unter drohenden Worten «ckt Fingern auf sie,wiesen,, -ibjS.fie.zulebtninne'wurde«, daß sich -DaS Gerücht vttbreitet/'Ht -ftieugekommen, um ihr Kind zu -ermorden, r:«. tu' A)a sie-^ch solcher Grstatt gefährdet fühlen,^ziehen siesich'Nn «in WirthShauS zurück, «ö alsbald «in GenSdarmerielieutmaut und ein iPolizeiinfpector sie aussuchen, nach ihren Pässe» fragen, ihnen dieselben «bnrhmen und ihnen gleichzeitig befthlen,.mit zum Gouverneur - zu kommen. Dieser erklärt ..ihnen, er wisse recht «ohk, weShalb sie nach Alatri -gereist ftim; eck-fei aber Alles umsonst, da der Bischof davon benachrichtigt'sei, daß der /Papst ihnen keine writrre Erlavbntß ihr Kind zu sehen zugrstanden'habe. Deshalb könne er nicht dulden,-daß sie ihren Zweck weiter verfolgten,' und befehle ihnen, Alatri. binnen zwei Stunden zu verlassen.' Die Mortärack kehrten Nach Mom zurück, wo eö ihnen endlich glückte, - sich geneigteres Gehör zu »erschaffen: Der Staatssekretär versprach der Mutter, -ihren Sohn nach Rom -zu rufen, wo sic ihn dann solle sehen können. „Möge Gott mir diese Gnade bald gewähren'."riefdie Unglückselige Frau. Wirklich gestattete-man ihr, am 22. October ihr Kind in ihre Arme -zu drücken — und Folgendes ist der Beri cht, den sie über dies Zusammentreffen tiner Freundin in Bologna abstattet: ' ,-Hküt« Morgen -haben ich undrneinMann unö zu den Katechumenen begeben, wo jener Rector mit meinem theuren Kinde so eben auSAlatrbeingetroffen war. Wft eilten die Stiege hinauf <und alöbalb lag unser geliebter Edgard in unseren Armen.-'-Aufgelöst in Thränen, küßte ich ihn wieder und wieder,.nväh-- rend er meine Küsse und Umarmungen mit innigster Hingebung erwiderte.'- 'Zn fieberhafter Aufregung, -tief bewegt und-wrineod schwankte/«: zwischen der, Furcht .vor seinem gegrowärtigen Gebieter :und der unveränderten '.kindlich« Zuneigung.'. Jndeß trug die letztere den Sieg davon »und tnit lauter Stimme erklärte er -zu wiederholten-Malen, «er wolle nach Hause zu seinen Eltern und Geschwistern zurückkehren. Ich sagte ihm, er-sei als Israelit geboren und müsse eö -auch, gleich uns, immer -bleiben.' Seiüe Antwort war: Ja, meine beste Mutter; ich verfehle keinm Tag, -den S er - mau (das mosaische GkaubenSbekenntniß) zu beten. Ich erzählte ihm weiter, wir-wären «ach Rom gekommen, um ihn wiedSzu holen buw würden-nicht ohne ihn adreifenavvrüber »r «die größleu Freude.-und Genugchüung 'kunltzab.^ BÄ idera 'Men twaren immer der Rector/ ft/ w ie deffeuMruder «ad Ejwei Schwestern /zugegen, die nicht wußten, wie sie pch benehmen sollten!" ES wurde vor Kurzem hfriSHf/daS TurinerCabinet habe sich in dieser Angelegenheit an Se. Heiligkeit: -gewendet z.nach > «eueren.Meldungen. chatsichIagegen dasselbe jeher Bermittelung enthalten- 5—aaSBeforgniß, rS könnte sonst, der Sache nur fchitden: Dagegen brachte-die „Armouia" -vorgestern-einen chLftige« Artikel gegendie fräyz ösische.Regierung wegen ih- «ck.diplomatischen-! Einschreitens, .irr^teftr -Frager,.-- -i- Die7Zcit.^.läßt^fich - aus Ro m schreiben: Der Papst soll dem Herzog, von Gramms ut-wie «rideül Personen-seines BertraumS.geäußert chaben/er wünschte, die Geschichte mil dem Jsraelitenknaben Mortara wäre bald zu- Ende, -noch Lieber , wäre eS ihm, Hätte man eö damit gar .-nicht, ft weit kommeu laffen. / Baron 'Adolf ». Rothschild ist seit fünf Tagen hier, um durch einflußreiche Personen den ^Knaben a«S den Händen der Priester herauszubekommen: Aber man ist hftr öei solchen Gelegenheiten unerschütterlich:. Immerhin wird der AuSgang dieser.Sache.ein -höchst lehrreicher werden für die religiöse Kulturgeschichte beS IN Jahr- Hunderts. — ES ist strrdie Zage-der Juden in Rom gewiß vielbezeichnend, daß sie in der'Sache Mortara'S dem Papste keine Bitte,-kein Gesuch unterzubreiten gewagt haben.-CS war wohl anfänglich darauf abgesehen, unterblieb aber, weil sich die Rabbiner an eine neuliche Antwort deS Papstes erinnern zudrussen tzkaub« ten, -welche 'allerdings wenig dazu aufmunterte:»-Hart an der Brücke, welche die Tiberinftl mit dein linken Flußufer verbindet/ liegt nämlich eine katholische Kirche, in welcher jeder hier wohnende Zude' die Bekehrung-- 48-

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