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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-11-15 · Heft 47 (15.11.1858) · p. Seite 642

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 47 (15.11.1858)
Date
1858-11-15
Page
Seite 642 (sequence 2)
Language
German
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642 Jndeß wäre hiermit noch wenig geholfen. Denn man siebt nicht ab, wie ein späteres Ministerium nicht alle diese Vergünstigungen wieder umstoßen könnte, so gut wie Herr v. Raumer den Bestimmungen des Herrn v. Lavenberg zuwidergehandelt hat. Alle diese Dinge muffen aus der Sphäre der ministeriellen Willkür in die fester Gesetzlichkeit gehoben werden. Aber es ist ein weiterer großer Schritt zu thun Warum, wir rufen nicht das Beispiel Frankreichs, Belgiens und Hollands an, warum, wenn Württemberg, Baden, Hannover und Sachsen Staatsbeiträge zu den Kosten des israelitischen Cultns gewähren, warum soll die Viertel Million Preußen jüdischen Glaubens keine Unterstützung erhalten? Warum ihr Schulwesen nicht vom Staate subventionirt werden? Die Juden in Konstantinopel. Wir empfangen so eben von der Nedaction der in Konstantinopel erscheinenden „Presse (l'Orient" ihre neueste Nummer vom 23. Oktober, in welcher folgender Artikel enthalten ist: „Wir lenken die Aufmerksamkeit der hohen Pforte, der auswärtigen Presse und die unsrer Leser auf sehr ernste Thatsachen, die in diesem Augenblicke die israelitische Gemeinde Konstantinopels in Aufregung setzen. Einige beschränkte Geister, durch eine Hanvvoll unwissender Fanatiker angeregt, bestürmen den Chacham-Baschi, um von ihm das ausdrückliche Verbot zu erlangen, Unterricht in der französischen Sprache in den israelitischen Schulen, die zu Haß-keul im Aufblühen sind, zu geben. Wir zweifeln nicht, daß die kaiserliche Regierung, wenn es sein muß, ihre Autorität geltend machen wird, um eine gefährliche Bewegung im Keime zu ersticken, die bevauernswürdige Unordnungen nach sich ziehen würde. Das Unterriwiswesen zu beschützen, ist eine heilige Pflicht) um so mehr, als dadurch Die civilisirenden Absichten des Sultans unterstützt werden. Wir erlauben uns daher diese Frage der Sorgfalt Des Conseils des öffentlichen Unterrichtes zu empfehlen." Diesem Artikel fügt die Redaction selbst ein Sendschreiben an den Chacham-Baschi, Großrabbinen von Konstantinopel und des oltomanischen Reiches, an, welches uns ein getreues Bild der in der jüdischen Gemeinde augenblicklich herrschenden Wirren bietet, und das wir daher zum größten Theile hier übertragen müssen. Wir ersehen aus demselben, daß der Geist der Uncultur und des Fanatismus, der durch ganz Europa weht, auch am Bosporus im Schooße der israelitischen Gemeinde seine traurige Wirksamkeit zu üben sucht. „In dem Quartier Haß-keul, im Grunde des Goldenen Hornes, mitten in einer zahlreichen, Ihrer väterlichen Leitung anvertrauten Bevölkerung, besteht eine Schule, die erste, die in Konstantinopel eröffnet, die erste, die den Kindern dieses Glaubens einen gründlichen Unterricht dargeboten. Wir wurden vor etwa sechs Monaten eingeladcn, dies Etablissement zu besuchen; Sie könnten, Herr Grosrabbiner, in dem uns vorgelegten Register den aufrichtigen Ausdruck unseres Erstaunens und unserer Bewunderung über die glänzenden Erfolge desselben lesen. Ein hervorragender Lehrer, der uns begleitete, ein für das Unterrichtswesen kompetenter Mann, verließ die Schule mit nicht geringerer Verwunderung über die Fortschritte, die wir bei den jungen Zöglingen angctroffen. „Heute erfahren wir, daß diese Schule unterdrückt werden wird, daß sie mit dem Banne bedroht werden, daß Sonntag vielleicht dies kostbare Etablissement, der einzige Unterrichtsmittelpunkt, den die israelitische Gemeinde besitzt-, aus Ihren Befehl geschlossen sein wird. „Diese Lage ist uns durch ehreuwerthe Männer bezeugt, und dennoch, Herr Großrabbiner, wollen wir denselben keinen Glauben schenken; wir ziehen vor, zu denken, daß sie sich die Folgen einiger vorübergehender Verlegenheiten übertreiben. Ew. Ehnvürden beschuldigen, der Ausdehnung des öffentlichen Unterrichts feindlich zu sein, feindlich dem Fortschritt der Aufklärung, der Unterweisung der Kinder — dies kostbare Brot der Seele — Ew. Ehrwürven beschuldigen, daß Sie ein Erziehuugssystem verurlheüen, welches Sie gebilligt haben, und welches überdies der sorgfältigen Ueberwachung eines Comitss aufgeklärter Männer untergeben ist; daß Sie einen intellektuellen Herd zu ersticken beabsichtigen, der die israelitische Gemeinde von Konstantinopel zu erheben bestimmt ist — Sie dessen beschuldigen, ist in unseren Augen, Herr Großrabbiner, eine Verleumdung! Ihr Charakter, Ihre Erfahrung, Ihre Vergangenheit protestiren gegen diese Anklagen. Dieselben bezwecken nichts Geringeres, als Sie als einen Feind der väterlichen Absichten Sr. Maj. des Sultans darzustellen, welcher in dem Hatti-Humcüuin von 1856 den Häuptern der nicht-muhamedanischen Gemeinden anbestehlt, die Reformen auszusühren, welche durch den Fortschritt der Bildung und der Zeit erfordert werdend „Dennoch sind die umlaufenden Gerüchte nicht ohne Begründung; die uns zugekommenen Nachrichten bezeugen eine Aufregung, die es klug ist zu beschwichtigen, sie möchte

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