Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 44 (25.10.1858)
- Date
- 1858-10-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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- Emden 1× ep/1044505
- Minsk 1× ep/1000754
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22. Jahrgang JW 44. Allgemeine Zritung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Heraus gegeben von Rabbiner Vr Ludwig Philipps»!» in Magdeburg. .Leipzig, den 25. Oktober 1858. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montag-, uav wird jährlich gegen 80 Bogen und darüber in Quart incl. des Titels, Re« gisters u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zn geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. für sechs Monate — 22*/2 Ngr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hanptspeditiou für beide Letztere hat sich die König!. Sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Unsre Situation in Preußen. — Die Angelegenheit in Bologna. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg, von der Unterweser, Worms, Emden. Preußen: Berlin, aus Schlesien. Oesterreichischer Kaiserstaat: Lemberg, Lemberg, Prag. Rußland: Minsk. Dänemark: Kopenhagen. Leitende Artikel. Magdeburg, 17. Oktober. Unsre Situation in Preußen. Einen so wichtigen Moment, wie wir ihn in Preußen so eben durchleben, können wir nicht vorübergehen lassen, ohne einige Betrachtungen anzustellen. Nicht als vb wir der Meinung wären, daß sich Neues und Großes daraus entwickeln werde, denn dazu ist die Zeit nicht angethan; doch aber, weil möglicher Weise ein Wendepunkt eingetreten ist, der in der Cousequenz nicht unbedeutende Folgen haben könnte. An die Stelle des erkrankten Königs ist nach einer einjährigen Stellvertretung ein Regent mit freiem Ermessen getreten, dem es also überlassen worden, nach seinen Ansichten zu regieren, nach dem System, welches er sich gebildet, die Staatsgeschäfte zu leiten. Was haben wir zu erwarten? was haben wir zu hoffen? — Die Entlassung des Ministers des Innern, Herrn von Westfalen, ist bekanntlich vor der Uebernahme der Regentschaft geschehen, eine Folge des Verhaltens dieses Ministers zu der Regentschaftsfrage, also kein Augurium der Zukunft. Wir Israeliten haben uns über den abgetretenen Minister im Besonderen nicht zu beklagen. Die Constituirung der Gemeinden durch bestätigte Statuten hat unter seiner Verwaltung Fortschritte gemacht und von willkürlichen Eingriffen in das Gemeindeleben ist außer Berlin nichts bekannt geworden, ja auch da hat sich der Conssict noch zu guter Letzt ausgeglichen. Vielmehr sind es die Minister des Cultus und Unterrichts, der Justiz und des Handels und der Gewerbe, denen beschränkende Bestimmungen hinsichtlich der Juden nachzuweisen sind, und erst eine etwaige Veränderung dieser Ministerien könnte uns einen bestimmten Anhalt gewähren. Das Wichtigste, ja das Einzige, was uns ein Kriterium für den Moment gewährt, ist die Freiheit der bevorstehenden Wahlen, welche der Prinz Regent schon vor einiger Zeit als seinen entschiedenen Willen bezeichnete. Hiermit hat Derselbe unzweideutig bewiesen, daß er eben so die reactionäre feudalistische Partei, als die Partei der ministeriellen Willkürherrschast von sich weise, und vielmehr ein aufrichtiges verfassungsmäßiges Leben für Preußen einzugehen beabsichtige. Hiermit wäre ein großer Wendepunkt eingetreten. Das eben zu Ende gehende letzte Jahrzehend war eine Zeit der unbedingten Herrschaft der Reaction. Die liberale Partei lag völlig zu Boden. Zuerst 1848 von der revolutionären Partei zurückgedrängt, war sie seitdem von der reactionären Partei völlig darniedergehalten.