Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 43 (18.10.1858)
- Date
- 1858-10-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Jahrgang. JW 43. Allgemeine Zeitung des Zudcnthmns. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps«»« in Magdeburg. Leipzig, den 18. Oktober 1858. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich gegen 80 Bogen und darüber in Quart iricl. des Titels, Siegrsters u. s. w. umfassen. In Gemäßheit deS Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. für sechs Monate — 22 Vr Ngr. für das Vierteljahr augesetzt worden. Alle Buchhartdlnngen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Ein Sieg der Humanität. — Die Angelegenheit in Bologna. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Baden, aus Bayern, Schnaitach. Preußen: Schwersenz, aus Schlesien. O e sterrei chisch er K a i s e r st a a t: Eisenstadt, Wien, Sanok, aus Galizien, Wien. Donaufürstenthümer: Bukarest. Frankreich: Hegenheim. Großbritannien: London. Nordamerika: Washington. Leitende Artikel. Magdeburg, 11. October. Ein Sieg der Humanität. Wir haben in No. 41. als einen Leitartikel eine Korrespondenz aus Odessa über ein einem hohen Staatsbeamten alldort gegebenes Festmahl mitgetheilt. Wir wünschen die Aufmerksamkeit unserer Leser noch einmal darauf hinzulenken, da in dieser Kundgebung ein höheres Moment liegt, als oberflächlich erscheinen mag. Wir sehen daselbst den gefeierten Staatsmann, Geheimrath von Pirogoff, einen Toast auf die „Vertreter der progressiven Ideen in der israelitischen Gesellschaft" ausbringen, und die Sentenz Hnmbolvt's, daß der Zweck des menschlichen Geschlechts in der Entwickelung seiner inneren Fähigkeiten bestehe und nicht anders als mit gemeinsamen Kräften ohne Rücksicht auf Volksstamm und Nation angestrebt werden müsse*), als eine allgemeine Wahrheit aussprechen; wir hören einen Professor der Geschichte am Lyceum geradezu darauf Hinweisen, daß jener Staatsmann die Idee des Fortschritts und der Toleranz vertrete und einen Toast ausbringen auf „die Fortschritte der Aufklärung unter Russen und Juden im gemeinsamen Vaterland"; wir lesen alsdann, daß die russische Zeitung zu Odessa dieses Festmahl als eine höchst bedeutsame Thatsache preist und die Bedeutsamkeit darin findet, „daß der jähe Abgrund im Verkehr zwischen Christen und Hebräern nicht mehr bestehe, daß Aufklärung und Humanität eine feste Brücke über ihn geworfen haben." Jedermann weiß, daß es keine Regierung der Welt giebt, unter welcher nicht auch bei deren entgegengesetztester Tendenz Männer lebten, welche in edelster und lauterster Weise Humanität, Menschenliebe, wahrhaft religiöse und sittliche Aufklärung in ihrem Herzen tragen und in ihrem Geiste pflegen; daß unter jedweder Regierung, selbst in den Reihen der Staatsmänner, solche erhabene und erleuchtete Genien anzutreffen find, wie wir fie eben gezeichnet. Aber ein Anderes ist es, wenn diese Männer ihre großherzigen Ideen und Gefühle im Schatten des Schweigens hegen und hegen müssen, oder wenn sie damit offen *) Daraus folgt aber auch, daß jedem Volksstamm, jeder Nation unbedingt die Erlaubniß und Möglichkeit gegeben werden muß, in jeder Weise an dieser geistigen Entwickelung des Menschengeschlechts mit allen ihren Kräften beizutragen.