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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-10-04 · Heft 41 (4.10.1858) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 41 (4.10.1858)
Date
1858-10-04
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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sich hier ansässig machte, und mit aller Gewalt sich zum Vorsteher aufgeworfen hatte, führt zwar den Namen Doctor (der Chirurgie), da aber die gebildete Welt heut zu Tage auf bloßen Titel sehr wenig Gewicht legt, und die spanische Gemeinde, zu der er bis nun gehörte, ihn ebenfalls nicht bevorzugte, suchte er, gleich dem Rabbiner, die Gunst des gemeinen Pöbels und der Chassidim fich zu erwerben, indem er mit aller Gewalt gegen die Civilisation und gegen den Fortschritt der Zeit kämpfte. — Dadurch wird Unfug, Zwietracht und Zerfallenheit in der Gemeinde mit jedem Tage vermehrt. Gerade jetzt, wo die Reorganisation der Fürstentümer vorgenommen, und somit auch über das Schicksal unserer hiesigen Glaubensgenossen entschieden werden soll (wie bereits im Beginn des vergangenen Jahres zur Verbesserung ihrer äußern Verhältnisse durch Herrn Armand Löwy aus Paris Schritte gethan wurden), gerade jetzt sollte eigentlich ein Repräsentant in der Person eines tüchtigen Rabbiners eristiren, der hauptsächlich die innern Verhältnisse der Juden und des Judenthums zuerst verbesserte, damit das civilisirte Betragen unserer Glaubensgenossen mit den toleranten Ansichten der Romänen, und der zu erwartenden liberalen Staatsverfassung in Einklang gebracht werden könnte. — Aber Herrn Malbin kümmern dergleichen Dinge sehr wenig; selbst während die schändlichste Schmähschrift hier gegen die Juden erschien, beschäftigte er sich eiftigst, Bräute unter der Chupa zü moralifiren, das Kopfhaar nach der Hochzeit um Gottes Willen zu bedecken. — Aber Dank sei unserer huldvollen Regierung, welche allen ihren Untertanen ohne Unterschied der Confession ihren Schutz angedeihen läßt, und auch bei dieser Gelegenheit die gehörigen Maßregeln traf, unsere bedrohte Ruhe und Ehre zu sichern. — Ebenso haben wir das Vergnügen, unsern vielgeliebten und geehrten christlichen Mitbrüdern, Herrn Böresku, Redacteur der romanischen Zeitschrift „Nationalul" und dermalen Director des öffentlichen Unterrichtes, so wie Herrn C. A. Rosetty, Redacteur des „Romunul", für ihre geschätzten Artikel, die sie in ihren inhaltsreichen Blättern gegen obbenannte Flugschrift zu schreiben die Güte hatten, unsern herzlichsten Dank auszusprechen. Herr Böresku beweist in einem geistreichen und eorreeten Sttle mit philosophischen und schlagenden Motiven: daß die Gewissensfreiheit eine unbedingte sein müsse, und daß dieselbe das wesentliche Princip aller Institutionen sei. Die den Fortschritt erstrebenden Israeliten zu Bukarest. Druck von I. B. Hirsch selb in Leipzig.

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