Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 36 (30.8.1858)
- Date
- 1858-08-30
- Page
- Seite 488 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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488 beiden (Beiten angebracht worden waren. Sie faßte in ein leicht überschauliches Bild und in einen abschließenden Rahmen die mannigfaltigen und zerstreuten Einzelnheiten der früheren bewegten Verhandlungen. Die Opposition hatte der Anzahl nach das Uebergewicht der Sprecher. Mit einem richtigen Tacte und im Geiste achter Toleranz vergönnten es die Liberalen, die des praktischen Erfolges nun sicher waren, ihren Gegnern, noch einmal entschieden ihre Gesinnung auszusprechen und gleichsam zu Protokoll zu geben. War es diesen zu verargen, wenn sie zum letzten Mal^, aber „mehr in Kummer als in Aerger", den Fall des „zwölfhundertjährigen britischen Christenthums" betrauerten, und ihren Protest gegen einen Schritt einlegten, der nach ihrer redlichen Ueberzeugung Unheil über den Staat bringen müsse? Aber kein Wort der Herabsetzung gegen die Juden ließen sie fallen; ja sie wetteiferten förmlich in Lobreden über ihre geistigen und moralischen Eigenschaften; sie sprachen mit Begeisterung von „dem interessanten Stamme", dem die Welt so Großes verdanke, und vvr Allem verweilten sie mit fast heftigem Nachdrucke auf den Tugenden des Mannes, dessen Zulassung das Haus so lange beschäftigt hatte. Sie wollten sich auf jede Weise von dem Vorwurf persönlicher Antipathien rein erhalten; sie wollten ihren Widerstand auf ihre Ueberzeugungen und Grundsätze allein zurückgeführt sehen. Damit aber auch die freisinnige Meinung einen Ausdruck fände, nahm der greise For, der berühmte unitarische Prediger, das Wort, und erklärte in wenigen kernigen Sätzen sein Entzücken darüber, daß er den glücklichen Augenblick erlebt habe, einen neuen Triumph der Aufklärung zu sehen, und rief unter lebhaftem Beifall des Hauses aus: es sei unmöglich, gegen die völlige Gleichstellung der Juden vom Standpunkte der Religionsgeschichte etwas einzuwenden, denn die Moral des Neuen Testaments sei aus der Moral des Alten entlehnt. — Die Abstimmung erfolgte. Von Lord John Nussell und John A. Smith eingeführt, nahte sich Baron Rothschild dem Tische des Hauses; er sprach die gewöhnliche Eidesformel mit Ausnahme der Schlußworte, küßte die hebräische Bibel mit bedecktem Haupte, und nach der üblichen Reverenz vor dem Sprecher des Hauses, der ihm herzlich die Hand drückte, nahm er seinen Sitz neben Lord John Russell und Roebuck auf der liberalen Seite der Kammer. Und damit er gleich Anfangs seine Unabhängigkeit wie seine Gesinnung bewähre, gab er bei der ersten Abstimmung sein Votum gegen den Antrag, der es Parlaments-Kandidaten gestattet, Wagen für die Wähler zu btzahlen. — Eines Studiums Werth war während dieser Scene das bleiche Antlitz Disraeli's, das seine Abstammung deutlich genug verräth. Stolz auf die Rare, der er entsprossen ist, und überzeugt von der großen Zukunft, die ihr noch bevorsteht, durfte er sich des Bewußtseins freuen, zu einem neuen Siege derselben beigetragen zu haben. Wonaufürstenthüiner. Bukarest, 9. August. Ich habe Ihnen heute über eine Broschüre zu berichten, die in der hiesigen Metropolitan-Buchdruckerei auf Befehl des Metropoliten gedruckt, die kirchliche Censur ohne Anstand passtrt und voll der schwärzesten Verleumdungen gegen die Juden ist. Doch Verleumdungen drücken schlecht diese Infamien aus, von denen dieses Büchlein wimmelt und dessen härteste Stellen ich Ihnen hiermit notire. „Ein christlicher Patient soll nie einen jüdischen Doc- „tor zu Hülfe rufen, denn diese vergiften die Christen." Bei Gelegenheit sei gesagt, daß mehr als ein Dritttheil der Aerzte in den Douaufürstenthümern Juden sind. „Die Juden (unter dem schändlichen Namen Sidov) „benöthigen zu ihrem Osterfeste Christeublut, worin viel „hohe Geistliche übereinstimmen." Hören Sie weiter. „Derjenige Christ, der einen Juden tödtet, ist sicher, „daß ihm alle seine Sünden vergeben werden und daß „ihm der Himmel nach dem Tode offen steht." Sie glauben es vielleicht nicht — ich würde Ihnen das Büchlein mittheilen, wenn es nicht in wallachischer Sprache abgefaßt wäre. Bei jedem gebildeteren, civilisirteren Volke als den Wallachen würde man über diese Lügen, über diese elenden Anfeindungen lachen. Hier aber, wo man den Metropoliten als heilig betrachtet, wo ein von ihm bestätigtes Werk als unumstößliche Wahrheit gilt, hier erregt diese Broschüre Haß und Abneigung gegen die sonst nicht verfolgten Juden. Was diese betrifft, sahen sie auch nicht müsfig zu. Sie beklagten sich bei ihren Consulaten, die ihre Verachtung gegen diese Schmähschrift ansdrückten und sogleich ihre Noten darüber dem Fürsten einsandten. Dieser, ein edeldenkender Mensch, erließ sogleich Folgendes: Der Metropolit wird zur Verantwortung gezogen, die kirchliche Censur abgesetzt, die Bücher confiscirt und öffentlich verbrannt. Damit that