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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-08-23 · Heft 35 (23.8.1858) · p. Seite 482

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 35 (23.8.1858)
Date
1858-08-23
Page
Seite 482 (sequence 12)
Language
German
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182 Großbritannien. London. Unterhaus. Sitzung vom 19. Juli. Die Metropolis Local Management Act Amendement Bill (Themse-Reinigungs-Bill) wird nach längerer Debatte zum zweiten Mal verlesen. Mit 144 gegen 14 Stimmen ward hierauf beschlossen, die Judenbill im Comite zu berathen. Es ereignete sich hierbei, daß Spooner, einer der heftigsten Gegner der Bill, offenbar aus Versehen, mit der Majorität stimmte. Die verschiedenen Artikel der Bill werden hierauf ohne Amendement angenommen. Sitzung vom 21. Juli. Auf der Tagesordnung steht die dritte Lesung der Judenbill. Warren (der Novellist) bekämpft die Bill. Er gehöre, sagt er, einer Partei an, die sich conservativ nenne, und wenn das Princip geopfert würde, für welches diese Partei Jahr für Jahr gekämpft habe, so bliebe kaum irgend Etwas übrig, um das zu kämpfen sich der Mühe verlohne (Heiterkeit). Er beantragt, die dritte Lesung bis über drei Monate zu verschieben. Roebuck findet, daß das Oberhaus bei Behandlung der Judenfrage die tollsten Bockssprünge gemacht habe. Es habe versucht, seine Würde zu wahren, und habe sich dabei mit Schmutz bespritzt (Heiterkeit). Er gratulire dem Hause der Lords zu seiner Leistung und dem Lande dazu, daß es ein Recht erlangt habe; wenn auch nur durch die Thorheit der Lords (Heiterkeit). Spooner motivirt in einer uns unverständlichen Rede sein neulich in der Judenfrage abgegebenes Votum. (Er hatte mit der Majorität dafür gestimmt, daß die Bill zur Comiteberathung zugelassen werde.) Er habe, bemerkt er, kcinesweges aus Versehen mit der Majorität gestimmt. Auch habe es sich bei der Abstimmung gar nicht um den Werth oder Unwerth der Bill gehandelt. Die Bill selbst bezeichnet er als die verkehrteste Maßregel, die sich denken lasse. T. Duncombe glaubt, die Bill werde ihren Zweck nicht verfehlen, und sie werde sich als eine gar nicht verächtliche Maßregel Herausstellen, wenn sie gleich von den Lords an das Unterhaus gelangt sei. Newdegate spricht eifrig gegen die Bill. Die dritte Lesung wird hierauf mit 129 gegen 55 Stimmen, also mit einer Majorität von 74'Stimmen beschlossen, worauf die Bill zum dritten Male verlesen wird, und unter lauten Beifallsbezeugungen durchgeht. Der Tagesordnung gemäß sollen nun die Motive , durch welche die Lords ihr Festhalten an den Amendements zu Lord I. Russell's Eideöbill (Judmbill) zu begründen suchen, zur Sprache kommen. Folgende zwei Resolutionen Lord I. Russell's werden angenommen: „1) Das Haus hält es nicht für nöthig, die Gründe zu prüfen, um derentwillen die Lords auf Ausschließung der Juden aus dem Parlamente bestehen, da Ihre Herrlichkeiten durch eine Bill der gegenwärtigen Session für die Zulassung (auf Vorschlag Sir I. Graham's in folgender Weise amendirt: für die Mittel zur Zulassung) von Personen des jüdische» Bekenntnisses zu Sitzen in der Legislatur Sorge getragen haben." „2) Das Haus giebt seiner von der Ansicht der Lords in Bezug auf ihre Amendements zu der besagten Bill abweichenden Meinung keine weitere Folge." —. Die Augsb. Ztg. läßt sich schreiben: „Unter diesen glücklichen Aspecten wird nun auch der Londoner Alderman Salomons, welcher früher für Greenwich gewählt war, wieder daselbst als Candidat auftreten, da eines der jetzigen beiden Mitglieder für jenen Wahlflecken, Herr Townsend, bankerott ist, und seine Stellung kaum behaupten kann. So werden möglicher Weise in nächster Session zwei Israeliten auf einmal eintreten. Die protestantischen Dissenter, welche im vereinigten Königreich einige Millionen zählen, und einen ansehnlichen Bruchtheil des wohlhabenden höhern Gewerbsstandes in den Fabrikgegenden bilden, dürften im jetzigen Haus kaum durch ein Dutzend Mitglieder vertreten sein. (Es ist auffallend, daß in einem Lande, wo man sich so viel mit Statistik beschäftigt, und wo zugleich das Confessionswesen so stark accentuirt ist, wie in England, bis jetzt bei den Volkszählungen noch keine Eintheilung nach der Religion gemacht wurde, und eben so wenig nach der Sprache. S. H. Meidinger: „das britische Reich in Europa", S. 4. Indessen stellte sich im Jahre 1847 nach den amtlichen Registrirungen das Verhältniß der Trauungen in England und Wales also: in der bischöflichen Kirche 120,876, bei den Dissentern 11,741; bei den Quäkern 83; bei den Juden 184. Die Gesammtzahl der Letztem, welche weist in London wohnen, dürfte 30,000 Seelen kaum übersteigen.)" (Der Corresp. der A. A. Z. vergißt, daß in England Niemand das Recht hat, Jemanden nach seiner Religion zu fragen! Redaction der A. Z. d. I.) Türkei. Kovsiantinopel, im Juni. Vom 27. Mai bis 10. Juni dauerten die Vermählungsfeierlichkeiten zur

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