Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 34 (16.8.1858)
- Date
- 1858-08-16
- Page
- Seite 458 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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458 über, wenigstens dem Deismus des Judenthums, wie dieser aus der israelitischen Bibel hervorgegangen und sich auf fie gründet. Der Theismus giebt also zu, daß Gott auch noch außerhalb der Welt eristirt, daß a mit den Grenzen der Welt nicht zu Ende ist. Denn sonst könnte er dem Pantheismus nicht jenen Vorwurf machen, Gott innerhalb der Welt zu beschränken. Er giebt aber auch dadurch schon zu, daß Gott mit der Welt nicht identisch ist, eben so wie dadurch, daß er Gott, selbst wie er die Welt durchdringt, fich von dieser durch Selbstbewußtsein und Selbstbestimmung unterscheiden läßt. In diesen beiden Fundamentalsätzen ist er also nichts als ein Abklatsch des Deismus. Er will sich aber von diesem darin unterscheiden, daß der Deismus Gott ganz außerhalb der Welt sein laste, einen ,,außerweltlichen Gott" lehre, während er, der Theismus, Gott auch die Welt durchdringen lasse. In dieser Voraussetzung, dem eigentlichen Angelpunkte des Theismus, ist er aber ganz falsch beschlagen, und geht völlig willkürlich, wenigstens dem biblischen Deismus gegenüber, zu Werke. Wir haben schon in unsren „Vorlesungen über die Entwickelung der religiösen Idee" den Ausdruck „außerweltlich" zurückgewiesen, und dafür lieber „überweltlich" gesagt, indem durch diesen Ausdruck nicht angegeben sein soll, daß Gott gleichsam örtlich, außerhalb der Welt, sondern nur daß sein Wesen von der Welt verschieden sei. Haben die Lehrer des Theismus niemals gehört, daß der biblische Deismus an unzähligen Stellen in den zahlreichsten Wendungen und Ausdrücken die A l l g e g e n w a r t Gottes lehrt? Und was verstünde man denn unter Allgegenwart, wenn Gott nicht in der Welt, nicht in allen Wesen gegenwärtig sei? Wenn Gott nicht „die ganze Welt durchdränge"? Jesajas sagt: „Heilig, heilig, heilig ist der Ewige Zebaoth, seine Herrlichkeit füllet die ganze Erde." Jeremias sagt: „Bin ich es nicht, der Himmel und Erde erfüllet? spricht der Allerheiligste." Der Talmudismus erkannte dieses so sehr an, daß er sogar bisweilen Gott mit dem Namen öipwn „der Raum", d. i. der alle Räume füllet, bezeichnet. In einer Erklärung der Gottebenbildlichkeit deS menschlichen Geistes in Berachot heißt es: „Wie Gott die ganze Welt erfüllet, so erfüllet die menschliche Seele den Körper." Diese wenigen Anführungen genügen schon/ zu erweisen, daß der Theismus rein ins Blaue schlägt, wenn er, wir reden hier immer vom israelitisch biblischen Deismus, diesen beschuldigt, Gott ganz außerhalb der Welt sein zu lassen und ihn dadurch in seiner Unendlichkeit zu beschränken, daß der Theismus von einer ganz willkürlichen und falschen Annahme ausgeht, wenn er den Deismus Gott nicht gegenwärtig in der Welt lehren läßt. Vielmehr lehrt auch die heilige Schrift, daß Gott die ganze Welt durchdringe. Sie sagt, Gott macht Feuer und Wind zu seinen Boten; will der Theismus uns glauben machen, die Schrift meine, daß Gott Feuer und Wind haranguirt, oder ihnen schriftliche Befehle zukommen lasse? oder daß auch sie nur damit ansdrücken will, das Selbstbewußtsein und die Selbstbestimmung deS göttlichen Wesens sei auch im Feuer und Winde gegenwärtig, daß sie vollsühren, wozu Gott sie geschaffen und bestimmt har? Die Schwierigkeit liegt hier in der Erklärung: wie der allgegenwärtige Gott in den Dingen und Wesen sei, ohne diese selbst zu sein? Aber diese Frage besteht für den Deismus eben so gut, wie für den Theismus. Dieser hat diese Frage eben so gut zu beantworten, wenn er sagt, daß Gott die ganze Welt durchdringe, unterscheide sich aber von ihr durch Selbstbewußtsein und Selbstbe- Mrnmung, als der Deismus, wenn er sagt, Gott ist allgegenwärtig und erfüllt die Welt und die Dinge. Wir lösen, so weit sie gelöst werden kann, diese Frage auf dem Boden des Deismus, indem wir sagen: der Gedanke und der Wille Gottes sind in allen Dingen, durch sie wurden sie, bestehen sie, und vergehen sie. Wenn ein menschlicher Künstler irgend ein Werk vollbringt, so hat er es zwar nach seinem Gedanken gemacht, aber wir können nicht sagen, daß sein Gedanke und Wille in dem Werke find, weil er zu seinem Kunstwerke sich nur Stoffe aus der göttlichen Schöpfung bedienen und sie nach den Gesetzen behandeln kann, welche Gott in sie hineingelegt, d. h. nach dem Gedanken und Willen Gottes, die in ihnen sind. Der menschliche Künstler bleibt also stets außerhalb seines Werkes, weil er den Dingen nur eine gewisse Form und Zusammensetzung zur Erreichung seines Zweckes zu geben vermag. In keinerlei Weise aber ihr Wesen, ihre Existenz, ihr ganzes Dasein irgendwie antasten und modificiren kann. Anders ist es aber mit dem göttlichen Schöpfer, dessen Gedanke und Wille unmittelbar in den Dingen und Wesen sein müssen, wenn diese überhaupt werden und bestehen sollen. Dieser Gedanke und Wille Gottes in den Dingen sind, wie leicht einsichtlich, nicht die Dinge selbst, sie find das Selbstbewußtsein und die Selbstbestimmung Gottes, sie sind das Gesetz der Dinge, nicht aber das todte, unbedingte, man weiß nicht woher gekommene Gese.tz des Pantheismus, sondern das lebendige, göttliche des Deismus: sie find auch die Ordnung der ganzen Welt, welche dem Pantheismus unerklärlich bleibt; fie find aber auch