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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-08-09 · Heft 33 (9.8.1858) · p. Seite 444

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 33 (9.8.1858)
Date
1858-08-09
Page
Seite 444 (sequence 2)
Language
German
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444 wegischen Konsul zu ertheilen." Herr I. Efrußi ist Sohn des Chefs des achtbaren und bekannten jüdischen Banquierhauses Efrußi u. Comp. hier. Solche T Hatsachen sprechen beredt genug für die heilsame Umwandlung, die in unfern Zuständen hier vorgegangen ist. Und mit freudigen Blicken sehen unsere Glaubensgenossen in die Zukunft hinüber; daß sie dabei nicht die Hände in den Schoß legen, sondern auch ihrerseits Mitwirken werden, sich der Gnade der allerhöchsten Regierung würdig zu machen, ist alle Aussicht vorhanden. Gewähren Sie mir bei dieser Gelegenheit, Herr Redacteur, in Bezug eines unter der Ueberschrift „Rußland" in No. 45. v. I. in diesen Blättern berichteten fanatischen Synagogenüberfaües, im Interesse der Wahrheit einige Bemerkungen anzureihen. Die Russen sind ohnehin das meist verleumdete Volk, hüten wir uns daher, ihnen in einem Punkte wehe zu thun, in welchem sie als Muster vielen auf ihre fortgeschrittene Civilisation sich brüstenden Nachbarn dienen könnten. Der . Russe ist fromm, wenn Sie wollen, selbst bigott, aber ohne Ostentation, dabei human und sehr tolerant, und S.teinwürfe oder ganze Angriffe auf eine Synagoge sind, so weit meine Erfahrung reicht, seinem ganzen Wesen fremd; und in der That, obwohl obige Korrespondenz aus „Rußland" lautet, liegt der Ort Turek in Polen und die That ging, wie dort berichtet, von aus Deutschland eingewanderten Fabrikarbeitern aus, inde suum cuique. Ich prakticire nahe 'ein Vierteljahrhundert hier zu Lande, wovon den größten Theil im Innern, bald als Landarzt in der Ukraine, bald als Hausarzt eines Gouverneurs — in einer Gouvernementsstadt selbst, wo den Juden der Aufenthalt nicht gestattet ist — habe mithin mit allen Schichten der russischen Bevölkerung verkehrt, und ich kann nur mit innerer Achtung und Dankbarkeit von ihrer toleranten Haltung im Ganzen sprechen. Ich muß dies um so mehr betonen, als auch mir Gelegenheit, die Bitterkeiten religiöser Intoleranz durchzukosten, nicht fehlte, aber dies in der Regel von den andern Nationalitäten — nomina sunt odiosa — die unter und zwischen ihnen wohnen. Diese meine Beobachtungen stehen nicht vereinzelt und beruhen nicht auf individuellen Ansichten, sondern ich gebe sie Ihnen als Resultat öfterer mit in gleicher Lage sich befindenden College» und Freunden gepflogenen Besprechungen; und es liegt am Ende in meiner Stellung gar nichts vor, weshalb ich den Russen irgend eine Tugend vindiciren oder andichten wollte. Der Russe ist aber gleichfalls der treuergebenste Unterthan und Staatsbürger, mit kindlicher Pietät hängt er an seinem Herrscherhaus, mit beneidenswerthem patriarchalischen Sinne betrachtet er alle höhern Orts emanirten Anordnungen als heilige Satzungen. Wäre der Gegenstand nicht so delicater Natur, ich könnte Ihnen dies Alles durch eine Masse specieller Belege erhärten. Allenfalls können Sie aus diesen kurzen Andeutungen ersehen, wie günstig sich die Prognose für die freie Ucbersiedelung der jüdischen Bevölkerung in die übrigen Gouvernements — der Sie eifrig das Wort reden, und mit Recht in No. 46. v. I. als die Grundlage ihrer Hebung und Besserung anerkennen — gestalten müßte. Bei solchen guten Dispositionen von Seiten der russischen Bevölkerung bedürfte es nur eines leichten Impulses von oben, um ben Juden den Aufenthalt nicht nur ungefährdet, sondern recht heimisch und wohnlich zu machen. Was für ein versöhnlicher Geist in der russischen Presse jetzt wohnt, will ich Ihnen durch ein Beispiel beweisen. Herr Joseph Rabinowitz — ein geachteter Notar und Anwalt dahier, jüdischer Confession, der sich in der belletristisch-russischen Literatur sehr vortheilhast hervorgethan hat — schrieb in letzter Zeit in hiesiger Zeitung einen mit vielem Humor gehaltenen Aufsatz über jüdische Namen, worin er mit vieler Satyre die hiesigen Juden geißelt, daß sie sich bei ihren Deminutivis Moschka (für Moses), Joska (für Joseph) u. s. w. nennen lassen, wobei freilich die empfindlichsten Streiche nicht gerade auf die jüdischen Schultern fallen. Der Redacteur des in St. Petersburg erscheinenden „Russischen Invaliden" (officielle Militärzeitung), Oberst Lebedew, indem er einen Theil des gedachten Aufsatzes im Feuilleton des Invaliden reproducirt, leitet ihn mit folgenden Worten ein: „Ehre und Ruhm diesem würdigen Vertreter hebräischer Nation, wir drücken ihm hiermit freundschaftlich die Hand und weihen ihm unsere volle Sympathie für seine edlen Bestrebungen... Stünde es einem Militär wohl an, die Hebräer zu vergessen oder Worte des Tadels gegen sie auszusprechen, wenn in den Reihen der russischen Armee ein Zehntausend Hebräer ehrenhaft und treu ihre Pflicht gegen Kaiser und Vaterland erfüllen, und wenn die Wälle des unglücklichen Sebastopol mit dem Blute hebräischer Soldaten — gleichwie mit dem russischen — gefärbt sind, die hier noch oft gegen ihre eigenen Religionsgenossen fochten! Bleiben wir doch unserm Jahrhundert würdig, entsagen wir der schrecklichen Gewohnheit, die Hebräer in unserer Literatur zum Ziele des Spottes und der Verhöhnung zu machen; vergegenwärtigen wir uns lieber die Ursachen, die sie in solchen Zustand brachten. Vergessen

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