Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 31 (26.7.1858)
- Date
- 1858-07-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Jahrgang. JVf 31. Allgemeine Zeitung des Zudcnthumg. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. H e r a u s g e g e b e n v o n Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. Leipzig, den 26. Juli 1858. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich gegen 80 Bogen und darüber in Quart incl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes, derselben die a l! g e m e i li ste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. für sechs Monate — 22 '/a Ngr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sachs. Zeitungs-Expedition allhi^r unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Magdeburg. — Einige Gedanken auf der Reise. II. — Das englische Parlament. — Verschiedenheit der Urthcile und Ansichten. — Skizzen über Atheismus, Pantheismus, Deismus, Theismus und Dogmatismus. If. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Worms, Hannover. Großbritannien: London, London. Dänemark: Rauders. Tunis: Tunis. Donaufürstenthümer: Bucharest. Neapel: Neapel. Kap der guten Hoffnung: Kap der guten Hoffnung. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Rabbi Jonathan E i b e nsch ü tz. Eine biographische Skizze von R. Gutmann. (Forts.) Leitende Artikel. Magdeburg, 15. Juli. Se. Majestät der Kaiser von Rußland haben geruht, dem Dr. Ludwig Philippson Allergnävigst aufzugeben, ein Eremplar der neuen Austage seines Bibelwerkcs Allerhöchstdemselben vorzulegen. Einige Gedanken auf der Reife. II. Als ich jüngst auf den Bahnhof trat, um eine weitere Tour zu unternehmen, fiel mir ein junger, stattlicher Mann auf, der an seinem Arme ein altes, zusammengeschrumpstes Mütterchen führte. Er löste zwei Billets zur zweiten Claffe und stieg in denselben nach amerikanischer Weise eingerichteten Wagen wie ich. Nichts glich der Sorgfalt, mit welcher der Riese das Mütterchen behandelte, wie er sie geleitete, ihr den besten Platz aussuchte, Alles zurecht ordnete, und dann und wann aus seiner Reisetasche Erfrischungen für sie herausholte. Meine Reisegefährtin stieß mich an, und meinte, das müsse ein Jude sein, denn nur bei diesen sei eine solche Zärtlichkeit für eine Mutter gewöhnlich. Sie hatte Recht. Denn bald wandte sich der junge Mann um, und sein nicht unschönes Gesicht trug den orientalischen Charakter in unverkennbarer Weise. Diese Waggons nach amerikanischer Einrichtung, die auch in Süddeutschland gebräuchlich sind, bestehen ihrer ganzen Länge nach nur aus einem Raume, und lassen in der Mitte einen Durchgang frei, wahrend sich rechts und links die kleinen Divans befinden. Man überschaut daher den ganzen Raum. In demselben Waggon befand sich ein langer, hagerer Mann, der sich einen Ecksitz ausgewählt hatte. Er bekümmerte sich um Nichts, was um ihn her vorging; betrachtete die rasch wechselnden Landschaften nicht, durch die wir flogen und sprach mit Niemandem; vielmehr hatte er während der ganzen Reise ein großes Zeitungsblatt vor sich, welches er von Anfang bis zu Ende durchlas. Beim Vorübergehen bemerkte ich, daß es die Times sei, und daß der Leser eben auf der dritten Blattseite der Annoncen hielt. Ich brauche nicht hinzuzusügen, daß der lange, hagere Mann ein Engländer war. Wie ganz anders benahm sich ein Dritter, ein feiner, eleganter Mann, die Beweglichkeit und Lebhaftigkeit selbst. Bald war er an