Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 28 (5.7.1858)
- Date
- 1858-07-05
- Page
- Seite 381 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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381 schienen, obschon das Letztere gewiß ein schwieriger Proceß war —- brachten in mir die Frage hervor: wie so kommt es, daß man den deutschen Juden so oft des Kosmopolitismus beschuldigt? Zn vieler Beziehung ist diese Behauptung falsch, denn ich kenne sehr viele Juden, welche von der innigsten Liebe zum deutschen Vaterland erfüllt sind, und wenn morgen ein äußerer Feind Deutschland anzugreifen wagen würde, sicher würden die deutschen Juden mit größter Begeisterung den Fahnen ihrer deutschen Fürsten folgen und ihre Pflicht als Deutsche mit ihrem Blute besiegeln. Dennoch ist jene Beschuldigung nicht ganz falsch — aber eben nur darum, weil sie ganz Deutsche geworden. Die Deutschen sind Kosmopoliten wie keine andere europäische Nation. Aber was heißt dies? Eigentlich nichts weiter, als daß sie in ihre Nationalität nicht so versenkt, von ihr nicht so erfüllt sind, wie die übrigen Nationen von der ihrigen, und daß aus diesem Mangel eine andere Anschauung hervorgeht, als sie bei anderen Nationen gesunden wird. Diese Erscheinung ergiebt sich aber aus der ganzen deutschen Geschichte und deren Resultaten. Die deutsche Nationalität als solche ist ein höheres Moment, ist idealischer Natur, während das reale die 38 deutschen Vaterländer bilden. Der Deutsche fühlt stch als Sachse, Bayer, Hildburghauser und Reußer, der Deutsche ist ihm nur eine Idee, nnd Prtncipienmenschen giebt es wenige. Zeigen stch also bei den deutschen Juden kosmopolitische Spuren, so rheilt er dies mit allen Deutschen, und man macht ihm nur gern daraus eine Beschuldigung , weil man überhaupt liebt, die Juden zu beschuldigen. Vom Institute ^irr Förderung der israelitischen Literatur. Wir haben das Vergnügen, anzuzeigen, daß wir für sämmtliche Abonnenten das Recht erlangt haben, das treffliche Werk des llr. Zunz: „Die synagogale Poefie des Mittelalters" von dem Verleger desselben, Herrn Julius Springer in Berlin (20 Breite Straße), zu einem ermäßigten Preise zu beziehen. Dasselbe kostet Ladenpreis 3 Thlr. 5 Ngr., jedem Abonnenten des Instituts wird es aber für 1 Thlr. 20 Ngr. (also fast um die Hälfte) abgegeben. Wir können dem theilnehmenden Publikum schon jetzt mittheilen, daß wir von allen Seiten die Befriedigung über die Leistungen des Instituts in seinem dritten Jahre ausgesprochen erhalten und daß auch für das vierte Jahr sich eine immer noch wachsende Theilnahme schon jetzt kund thut, trotz den üblen Zeitläufen und den vielen Gegnern, die theils heimlich, theils offen das Institut zu nntergraben suchen. Vielmehr dringt bei allen Verständigen immer mehr die Ueberzeugung durch, daß sich wesentlich an dieses Institut die Hoffnungen und Aussichten der jüdischen Literatur in unsrer Zeit knüpfen, so daß mit dem Verfall desselben eine Trostlosigkeit eintreten würde, welche auf lange hin alle Thatkrast auf diesem Gebiete lähmen und alle Erfolge verhindern würde. Man denke nur daran, wie so äußerst wenigen Schriften der jüdischen Literatur es gelang, auch nur einen kleinen Kreis von Abnehmern zu finden und wie sie, selbst bei bedeutendem Werthe, zu Ladenhütern in den Niederlagen der Verlagöhändler wurden, während es hingegen dem Institute, außer den von ihm subventionirten Büchern, gelang, in seinem dreijährigen Bestände bereits über 70,000 Bände in die Hand des Publikums zu bringen, um die Bedeutung dieses Factums wahrhaft würdigen zu können. Um so mehr find wir den Männern zu aufrichtigem Danke verpflichtet, welche sich im edelsten Eifer der Sammlung von Abonnenten, der Einziehung der Gelder, der Empfangnahme und Vertheilung der Bücher widmen; wir erkennen willig an, daß durch ihre Bemühungen allein das Institut zu fröhlichem Gedeihen gekommen und darin weiterschreitet, und können es uns nicht versagen, hier unsren Dank den vorzüglichsten Förderern der guten Sache namentlich zu sagen. In den außerösterreichischen Staaten nennen wir unter den Rabbinern: Rev. H. Hochheimer in Baltimore, Bigart in Bergheim, Dr. Löb in Brüssel, Millstätter in Karlsruhe, Dr. Mayer in Charleston, Ben Israel in Koblenz, Dr. Stein in Danzig, Wittelshöfer in Floß, Dr. Heilbut in Geestemünde, Dr. Arnheim in Glogau, Dr. Wormser in Hadamar, Nordmann in Hägenheim, Seligmann in Kaiserslautern, Gotthelf in Louisville, Silbermann in Lyck, Schiller in Manchester, Dr. Hamburger in Neustadt b. Pinne, Landsberg in Nicolai, Leberecht in Niederwerren, Dr. Wiener in Oppeln, Alexander in Pleß, Dr. Landsberg in Posen, Dr. Lazarus in Prenzlau, Lesfer in Pr. Stargardt, Dr. Schlenker in Regensburg, Dr. Neumann in Riga, Braun in Schneidemühl, Kuttner in Schwedt, Dr. Joel in Schwersenz, Dr. Meisel in Stettin, weiland Dr. Seligmann in Stockholm, Dr. Klein in 28*