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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-06-28 · Heft 27 (28.6.1858) · p. Seite 366

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 27 (28.6.1858)
Date
1858-06-28
Page
Seite 366 (sequence 2)
Language
German
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366 Liren werde. Deshalb müssen die Juden, welche Häuser in christlichen Quartieren besitzen, diese Häuser Christen überlassen und sich Wohnungen im jüdischen Viertel verschaffen, weshalb sie es sich selbst zuzuschreiben haben, wenn sie aus dem christlichen Quartier hinausgeworfen werden. Mlawa, 1/13. Januar 1858. Dies aus Polen unter dem Scepter Aleranders II. Für einen Tag wahrlich! genug. Die Versammlung preußischer Rabbiner. Zu dieser Versammlung haben sich 21 Kollegen gemeldet. Aber 13 von ihnen erklärten, nicht die Mittel zu besitzen, die Kosten einer weiten Reise zu bestreiten. So lange daher nicht ein Weg gefunden, um diese Kosten zu bestreiten, muß die Versammlung trotz ihrer anerkannten Wichtigkeit ausgesetzt bleiben. Vorläufig danken wir daher unsren geehrten Kollegen für das uns abermals geschenkte Vertrauen, und hegen die Hoffnung, fie dennoch balv vereinigt zu sehen. Die Redaction. Wie Juden im Königreiche Polen. IV. Unser, in No. 23. d. Z. enthaltenes Memoire ist in die Indöpeiulance beige vom 17. Juni übergegangen, mit noch einigen charakteristischen Zügen vermehrt. Es ist gut, daß dieser Kampf vor der civilisirten Welt vor sich geht, der Ausgang ist dann unter Gottes Segen und unter Kaiser Aleranders II. Schutze nicht zweifelhaft. Folgender, uns aus Polen zugekommener Aufsatz ,,über die Lage der Juden in Polen" enthält noch viele Momente, die zur Sprache kommen müssen, so daß wir nicht anstehen, ihn hier zu geben. Die Redaction. Einen schweren Kampf haben wir hier zu Lande zu bestehen, wenn es uns nur vergönnt wäre, ihn offen und ehrlich auszukämpfen. Nicht ohne Absicht sage ich: offen und ehrlich, denn seit der sogenannten wissenschaftlichen Form des Haffes htzren wir hier tägliche Anfeindungen, ohne daß wir in der Lage wären, zu antworten. — Religiöse Reizbarkeit und, was vielleicht schlimmer, büraukrarische Unfehlbarkeit schneiden uns vornweg jedes Wort ab. — Kein Vernünftiger unter uns dürfte Censur- Schutz beanspruchen, höchstens eine angemessene Sprache in officiellen Bekanntmachungen; aber möge es auch uns vergönnt sein, ein freies, loyales Wort zu führen , aus daß wir des Bittern Gefühls ledig werden, man habe uns in unserer Sache nicht sprechen lassen. — Wir leben nicht in einem Lande der freien Untersuchung , aber der milde Charakter eines Volkes, so lange es von Parteien nicht irre geleitet, dürfte für uns diejenige Anerkennung zu Stande bringen, welche an andern Orten durch Verbreitung von Ideen über Menschenrechte zu Stande gebracht wurde. Es war von jeher eine eigenthümliche Erscheinung, jenes ewige Abstößen und Anziehen zwischen uns und dem andern Volke in Polen. — Das Ab stoßen in Folge völliger Unkenntniß der in uns ewig lebenden Idee der Berechtigung, daß man nie ein wahres Verständniß für uns hatte, — und wiederum das Anziehen durch jene Milde des Charakters, die so manche Wunde bei dem leicht zu besänftigenden Juden wieder heilen half. — Ich glaube, jeder Beobachter wird dies bemerkt haben, und so manche Erscheinung daraus erklären. — Es giebt zwei Wege für uns, einst gingen fie auseinander, heute vereinigen sie sich, — die Anerkennung großartiger Ideen über Menschenrechte, und die philosophische Untersuchung, die cs dahin gebracht, daß Stämme und Völker sich verstehen und schätzen lernen. — Ich will nicht sagen, daß nicht manche Begriffe der hiesigen Juden noch der Umwandlung bedürfen, aber daß die Individualität unseres Charakters, unserer Sitten noch so häufig als Uncivilisation verschrien wird, daß man uns gerade generalistren möchte, beweist einen völligen Mangel an Objectivität, wenn es nicht gar aus Absicht geschieht. — Indessen, die neue Richtung des Geistes, so entgegengesetzte Erscheinungen sie jetzt hervorbringt, wird zu besserem Verständniß unser führen, und wenn man erstbei uns in die großartigen Ideen unseres weisen Monarchen einzugehen lernt, so dürfen wir hoffen, bald eine bessere Stellung als die jetzige zu erlangen. — Wir geben uns keinesweges Täuschungen hin, wir erwarten nicht, so sehr wir es auch wünschen, eine plötzliche Gleichstellung; aber Das erwarten wir, daß eine Verbesserung unserer Lage nicht wie bisher schwankend nach büreaukratischen Formen, sondern nach großen Priucipien, wie es die Gerechtigkeit fordert, ausgesprochen werde. — Das legislatorische Uebel, an dem wir seit dem Beginn des neunzehnten Jahrhunderts leiden, ist eben dies, daß man immer davon sprach, man wolle uns der Civi-

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