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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-06-21 · Heft 26 (21.6.1858) · p. Seite 355

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 26 (21.6.1858)
Date
1858-06-21
Page
Seite 355 (sequence 5)
Language
German
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355 rer und neuerer Schriftsteller von Dr. L. Levysohn, 25 Bogen gr. 8. Der Ladenpreis dieses Werkes, welches in Commission bei Joseph Baer in Frankfurt am Main erschienen ist, ist 2 Thlr. (3 Fl. 30 Xr.). Für die Mitglieder des Instituts 1 Thlr. 10 Ngr. Jedes Mitglied des Instituts, das dem Herrn Verfasser (in Worms) 1 */3 Thlr. portofrei einsendet, erhält das Buch portofrei zugesendet. Wir kommen auf dieses sehr verdienstliche Werk im „literarischen Wochenbericht" zurück. Auch die anderen von uns in diesem Jahre subventionirten Schriften werden bald fertig sein. Da auf diese Weise von dem vierten Jahre bereits anderthalb Monate verstrichen sind, so bitten wir alle Freunde und Agenten des Instituts, mit der abermaligen Sammlung von Abonnenten schnell und eifrig vorzugehen. Es sind bereits für dasselbe von sehr namhaften Schriftstellern Manuscripte bestimmt. Möge so das Institut immerfort in Wachsthum und Blüthe sich erhalten. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, Mai. (Privatmitth.) Herr vr. Jonaö in Neuenburg a/W. ist, wie zu erwarten war, von einem Wahlcollegium, zu dessen Versammlung sich 22 Personen eingestellt hatten, zum zweiten Prediger am hiesigen neuen Tempel fast einhellig erwählt worden, und dürfte sein Amt in kurzer Zeit antreten. Die Zeit wird nun lehren, ob die neue Einrichtung eines ersten und eines zweiten Predigers (wobei jedoch eine amtliche Subordination nicht beabsichtigt ist) sich bewährt. Unser jüdischer Kreis hat in dieser Zeit einige seiner vermögendsten Mitglieder durch den Tod verloren. Zuerst den Banquier Samuel Levy; derselbe hat außer einer Anzahl sofortiger Vermächtnisse eine ansehnliche Stiftung für etwa 60 Freiwohnungen begründet, welche jedoch erst nach einer Reihe von Jahren ins Leben treten wird, nachdem eine Anzahl von Personen, die bis dahin die Zinsen genießen, ausgestorben sein wird. Sodann den Lotterie-Collecteur Lazarus Samson Cohn, kinderlos, welcher unter ähnlicher Reservation eine beträchtliche Summe für jährliche Braurgelder ausgesetzt hat. Endlich den Rentier Samuel Salomon Marburg in Altona, der zwar unverheirathet starb, aber vo-n 9 meist verstorbenen Geschwistern eine große Zahl von befreundeten Jntestaterben hinterließ. Er vermachte außer kleinen Legaten der Stadt Altona ein Capital von Zwanzigtausend Reichsthaler, mit deren Zinsen jährlich zehn dürftige Handwerker, vorzugsweise Schuster und Schneider, gleichviel welcher Religion, unterstützt werden sollen, und nach dem Tode einer Schwester, die kinderlos und Wittwe ist, soll aus ihrem ganzen Antheil, der auf Hunderttausend Reichsthaler geschätzt wird, eine große Stiftung gebildet werder?, über deren Tendenz jetzt noch nichts bekannt ist. Merkwürdig, daß diese drei Erblasser, die in ihrer religiösen Richtung die zwei Ertreme und daS Centrum repräsentirten, die in ihren Wohlthätigkeitszwecken so im Leben wie im Tode weit auseinander gingen, sich in der Idee begegnen, ihre größten Vermächtnisse erst nach dem Tode einer Anzahl von Nutznießern eintreten zu lassen. Man steht übrigens, daß der Gebrauch, wohlthätige Stiftungen zu hinterlassen, hier keinesweges in Verfall geräth, selbst nicht bei solchen Persönlichkeiten, die auch im Leben reichlich zu spenden gewohnt waren, wie das hier der Fall war. Möge es gestattet sein, hier einen alten Witz vor der Vergessenheit zu retten. Er besagt nämlich, daß die Qualität der Wohlthäter in den Namen der Metalle, als Initialen gebraucht, nach richtiger Rangordnung bezeichnet ist. Zuerst 2N7, Gold, heißt N7 ■jrvnr? „Er giebt bei voller Gesundheit". Hierauf folgt das Silber, r>v2, heißt 17? M330 oujs „Wenn ihm Gefahr droht, theilt er aus." Sodann Kupfer, n®ro, heißt un -imn1'® rtbin bs3 „Erliegend der Krankheit, spricht er (in seinem Testamente): gebet Ihr! Schade, daß diese Wortspiele nicht correcter in der Sprache sind. Nach dem Tode des erwähnten Herrn Cohn ist hier der auS der französischen Zeit übrig gebliebene und bisher fortwährend erhaltene Titel „Synagogen- SyndicuS" für die eine Synagoge, der er Vorstand, abgeschafft und die Geschäfte sind zweien gleichberechtigten „Synagogen-Commissarien" übertragen. Diese Aemter sind gerade in diesem Augenblick von ungewohnter Wichtigkeit, weil die betreffende Synagoge nach Vollendung des Neubaues dahin übersiedelt und bei dieser Gelegenheit wohl jedenfalls von einigen mehr oder minder wichtigen Reformen die Rede sein wird, wo dann diese Functionäre etwas in den Vordergrund treten dürsten.

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