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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-06-07 · Heft 24 (7.6.1858) · p. Seite 333

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 24 (7.6.1858)
Date
1858-06-07
Page
Seite 333 (sequence 11)
Language
German
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333 Die Schweiz. Aus der Nordschweiz, im Mai. (Privatmitth.) Die Gemeinde zu Gens will eine Synagoge bauen, und geht mit der Absicht um, einen Rabbiner anzustellen. Man hat gegründete Voraussetzung, daß die Regierung die Besoldung übernehmen werde. Unter diesen Verhältnissen wird ein Mann von Geist und Aufklärung eine schöne und wirkungsreiche Stellung einnehmen. Mit völlig richtigem Blicke sagen Sie in einem Ihrer Artikel, daß, falls die Schweizer Israeliten bei dem Bundesrathe petitioniren würden, die Beschränkungen in Schaffhausen und Baselland sicher fallen würden. Dänemark. Kopenhagen, im Mai. (Privatmitth.) Die diesjährige Prüfung in der Religionsschule, errichtet i 853, hatte am 8. und 9. Mai statt. Sonnabend nach dem Minchagebet wurden die Zöglinge im hebräisch Lesen und Uebersetzen ausgewählter Stücke aus der Bibel und dem Gebetbuche geprüft. Für heute endete dieselbe mit einer kurzen Rede des Herrn Rabbiner vr. Wolff. Der JndifferentiSmus, der Gottlob nach und nach zur Einsicht kömmt, daß „israelitische Kinder in israelitischer Religion von israelitischen Lehrern unterrichtet werden müssen", verpönt dennoch das Hebräische auS dem Unterricht als streitend gegen den Zeitgeist, gegen die Vaterlandsliebe und Landessprache; die sogenannte aufgeklärte Orthodoxie, die, so oft die Religion mit der vermeinten Aufklärung in Collision geräth, ein Hinterpförtchen für ihr böses Gewissen hat, glaubt das Hebräische, wenn es hemmend dem schnellen Flug der Ausbildung ihrer Söhne und Töchter in den Weg tritt, durch Uebersetzungen der heiligen Schrift entbehrlich machen zu können; und die Hyperorthodorie endlich verwirft diesen sogar als gesetzwidrig für das weibliche Geschlecht. Und wenn daher die Töne der heiligen Sprache, aus dem Munde von 70 jungen Kindern, der Zahl der Knaben und Mädchen, die die Schule gegenwärtig besuchen — *) rein und wohlklingend ausgesprochen, die innersten Saiten in den Herzen der anwesenden Eltern berührt haben müssen, wie leicht könnten diese nicht wiederum verklingen! Der Herr Rabbiner nahm daher die Gelegenheit wahr, die Kenntniß der hebräischen Sprache, als unentbehrlich zmn richtigen Verständniß der Schrift, als unzertrennlich vom Gotteöwort auf's Wärmste anzuempfehlen; ferner dem israelitischen Vater es zur unerläßlichen Pflicht zu machen, seine Kinder in zarter Jugend schon das Hebräische lehren zu lassen. Die Vormittagsstunden am folgenden Tage waren der Prüfung in biblischer und jüdischer Geschichte, Glaubens- und Sittenlehre, dem Absingen einer Hymne und endlich der Prämienvertheilung gewidmet. Nach Beendigung alles Dessen betrat der Religionslehrer Herr Candidat Melziener den Rcdnerstuhl, um öffentlich gleichsam Rechenschaft über die Methode, der er beim Unterricht gefolgt ist, abzulegen. Die biblische Geschichte nämlich war es, mit der er geglaubt den jedesmaligen Anfang machen zu müssen. Dem Kinde wurde diese in Umrissen mündlich im freundlichen Vortrage, mit Versen durchwebt, erzählt und somit das kindliche Herz für die göttliche Saat gleichsam gelockert. Hierzu habe ibm die Bibel selbst als Norm gedient, da auch sie in Genesis durch kindlich gemüthliche Erzählungen von dem Werden des Weltalls und Israels unfern Sinn und unser Gemüth für die höheren Lehren , die in den übrigen drei Büchern niedergelegt sind, zuerst erschließt, bis diese, immer an der Seite der Geschichte, in Deuteronomium zur Vollendung geführt werden. Diesem folgte auch heute Hr. Dr. Wolff und hielt eine auf Herz und Geist wirkende Rede. Ausnehmend des früheren Redners Idee, leitete er seine Rede mit des Psalmisten*) Worten ein, „daß wir die alten Geschichten, sowohl die wir gehört haben und wissen, als die, davon unsere Väter uns berichtet haben, daß wir diese nicht vorenthalten sollen unsern Kindern, sondern vielmehr wir es ihnen erzählen, auf daß sie wiederum ihren Nachkommen cs weitererzählen". — Nachdem er sich über die Wichtigkeit des Religionsunterrichts für Kinder ausgesprochen hatte, begegnete er mit kräftigen Worten dem Vorwurf, „als wäre es zu keiner, und noch weniger in unserer Zeit gemäß, die Kinder mit den höheren Wahrheiten der Religion bekannt zu machen", und wies nach, daß eben hieyn der Israelit seine wahre Sendung als 24 * * *) Wie gering für eine so große Gemeinde! Red. *) Psalm 78.

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