Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 22 (24.5.1858)
- Date
- 1858-05-24
- Page
- Seite 304 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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304 Reg.-Rath Tölken, Geh.-Ober-Reg.-Rath Lüdemann, Stadtältester Baurath Caniian, Geh. Post- Rath Schüller, Seminar-Direktor Thilo, die Stadträthe Harnecker und Duncker und^der Stadt-Schulrath Fürbringer, Pred. vr. Sachs u. s. w. Die Feier begann mit Gesang, der eine Rede des Stifters und hierauf die festliche Speisung der Waisenkinder so wie sämmtlicher hier, in Berlin anwesenden vormaligen Zöglinge des Waisenhauses folgte, welche schon am Morgen des Tages dem Gründer ihre Glückwünsche dargebracht und eine Dankadresse, begleitet von einem silbernen Pokal, überreicht hatten. Bei dem bereits erwähnten 138jährigen Stiftungsfeste der hiesigen Chebrah Hachnassath-Kallah, welche am 23. Mai 1720 (28. Jjar 5481) gegründet worden, wurde berichtet, daß in den-letzten 25 Jahren allein 35,000 Thlr. zur Unterstützung armer Bräute, vom 1. Januar 1855 bis 1858 4418 Thlr. zu diesem Zwecke verwendet worden. Die Gesellschaft besitzt jetzt einen Fond von 16,000 Thlrn. Wreschen, 13. Mai. (Privatmitth.) Am 24. Februar wurde hier der den Lesern dieses Blattes nicht unbekannte Rabbiner Samuel Jadessohn zu Grabe getragen. Nach tüchtigen Studien bekleidete er zuerst die Stelle eines Rabbinen zu Czerniejewo und dann zu Krojanke, wo er segensreich wirkte. Von einer hartnäckigen Krankheit heimgesucht, suchte er hier ärztliche Hülfe, fand aber bald den Tod. Am Grabe sprach zuerst der hiesige Lehrer Kuttner, mit Bezug auf den Namen dcö Verklärten, über das Schriftwort: „Und Samuel starb und es klagte um ihn ganz Israel und begrub ihn in seiner Stadt." Nach ihm hielten noch zwei jüdische Gelehrte rabbinische Vorträge. Aus dem Posenschen, 16. Mai. (Privatmitth.) In unserer Provinz wird der Mangel an jüdischen Lehrern leider mit jedem Jahre immer größer. Gegenwärtig entbehren mehr als 10 Stellen der Lehrer. In vielen Gemeinden ist aber auch der Gehalt so kärglich zugemessen, daß ein ordentlicher Lehrer sich gar nicht dahin wenden kann, weil er voraussichtlich mit den drückendsten Nahrungssorgen zu kämpfen haben würde. Unter solchen Umständen muß die kleine jüdische Gemeinde zu Tirschtiegel — aus etwa 40 bis 50 Familien bestehend — lobend hervorgehoben werden. Diese Gemeinde, obgleich vom Himmel nicht allzureichlich mit Glücksgütern gesegnet, hat dennoch, als im vorigen Jahre bei ihr die Lehrerstelle vacant wurde, den Gehalt für den anzustellenden Lehrer von 140 Thlr. auf 200 Thlr. erhöhet, für eine so kleine unbemittelte Gemeinde gewiß ein großes Opfer. Deshalb gelang es ihr aber auch, einen tüchtigen Lehrer zu acquiriren, während andere Vakanzen von Seiten der Lehrer unbeachtet bleiben. Mögen doch größere und wohlhabendere Gemeinden diesem schönen Beispiele folgen. v'Suwi Tnn ■'‘uns Die Rabbinate in den größern Gemeinden wie Lissa, Krotoschin, Gnesen, Birnbaum, Wollstein, Rawitz rc. sind noch immer unbesetzt, wiewohl eS an geeigneten würdigen Bewerbern gewiß nicht mangelt. Die Gemeinde zu Meferitz hat diese höchst wichtige Stelle, die früher die größten v^irra inne hatten, mit einem herumreisenden Chasan, dem bekannten Herrn Nochem Streusand, besetzt. Einen schönen Beweis von aufrichtigem Frieden und wahrhafter Eintracht hat die Gemeinde in Nakel, wo die Mitglieder nach mancherlei Spaltungen seit einem Jahre einig geworden, gegeben, indem sie ihren Rabbiner Herrn vr. Friedmann, dessen kontraktlich auf 6 Jahre sestgestellte Amtsdaucr abgelaufen war, einstimmig wieder gewählt. Die Gemeinde zu Lissa steht im Begriff, ein Hospital zu erbauen. Die Fonds zu diesem mehr als 5000 Thlr. veranschlagten Baue werden von einem frühem Gemeindegliede, dem jetzt in Triest wohnenden, in der Geschäftswelt rühmlichst bekannten Herrn Joseph Wollheim hergegeben, der außerdem noch einen bedeutenden jährlichen Beitrag zur Unterhaltung des Hospitals ausgesetzt haben soll. Die übrigen Bedürfnisse sind von bemittelten Mitgliedern der Gemeinde durch Zeichnung freiwilliger Beiträge auf mehrere Jahre hinaus gesichert. Die städtische Behörde hat in wohlwollender Weise einen geeigneten Platz zu diesem Zweck unentgeltlich hergegeben. In Posen wurde vergangene Woche das Kind einer Jüdin, dessen Vater Christ ist, zwangsweise in der Kirche getauft, weil die Eltern freiwillig dazu nicht zu bewegen waren. Wie sehr die Judencolonien in Rußland gedeihen, und einige sogar als Muster im ganzen Reiche dastehen, geht aus folgendem Bericht der Posener Zeitung aus Rußland hervor: Im Gouvernement Cherson, 5 Meilen von Nikolajef, liegt, umgeben von wohl-