Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 20 (10.5.1858)
- Date
- 1858-05-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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28. Jahrgang. Allgemeine 20. Zkitung dcö Z«dcnth«ms. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Heraus ge geben von Rabbiner J»r. Ludwig Philipps»« in Magdeburg. Leipzig, den 10. Mai 1858. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montag-, rmv wird jährlich gegen 80 Bogen und darüber in Quart incl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In-Gemäßheit de- Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. für sechs Monate — 22 V2 Ngr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sachs. ZeitungS-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Großbritannien. — Ist es rathsam, die Israeliten im Halten christlicher Dienstleute irgendwie zu beschränken? Zeitungsnachrichten: Deutschland: Worms, Hamburg. Preußen: Bertm, Berlin, Berlin, Magdeburg, BreSlaü. O e ft c rr e l ch i sch e r K a i se r st a a t: Wien. Großbritannien: London. Frankreich: Mühlhausen. Korrespondenz: Meine Reise über Galizien nach Deutschland. Von Zsaac Rosenmeyer, Oberlehrer in Homonna. IV. Leitende Artikel. Magdeburg, 3. Mai. Großbritannien. Niemand verwundert sich, daß das Oberhaus, indem es die Eidcsbill annahm, die fünfte Clausel, welche den Juden den Parlamentseid ohne den Zusatz „auf den wahren Glauben eines Christen" gestatten wollte, strich, und so zum siebenten Male die mit steigender, zuletzt überwiegend großer Majorität votirte Zulassung der Juden ins Unterhaus verworfen hat. Nur zwei Bemerkungen sind diesmal dabei zu machen, zuerst, daß die Majorität im Oberhause selbst eine bei Weitem schwächere war als früher, 119 gegen 80, und zweitens, daß somit die Juden, auch ohne in das Parlament zugelaffen zu sein, eine wohlthänge Wirkung auf dasselbe geübt haben, indem fie die Veranlassung gaben, alte, jetzt gänzlich unsinnige und intolerante Eidesformeln zu streichen und zu modificiren. Wenn wir diesem Gegenstände noch einen Leitartikel widmen, so geschieht dies lediglich, weil hier eine allgemein interessirende Beobachtung gemacht werden kann. In der Frage über die Zulassung der Juden ins englische Parlament stellt sich, wie vielleicht niemals wieder so einfach und klar, der Proceß einer principiellen Frage im Kampfe der Gerechtigkeit mit dem Vorurtheil durch die alleinige Einwirkung der Vernunft dar. Diese Frage umfaßt weder materielle und tiefgreifende Interessen, noch ist sie zum Gegenstand der Leidenschaften geeignet und gemacht worden; fie ist daher eine reine Principiensrage, wenn sie sich auch bei den praktischen Engländern an die Persönlichkeiten des Alderman Salomons und des Baron Rothschild knüpfte, und geht ihren Verlauf, ohne irgend den Sturm einer Leidenschaft anzufachen. Wir sehen sie nun mit einer außerordentlichen Ausdauer in jeder Parlamentssttzung wieder erscheinen; sie gewinnt von Jahr zu Jahr an Größe der Majorität für sie im Unterhause und an Abnahme derselben gegen fie im Oberhause. Die Frage wäre daher, ob so consequent fortgefahren, fie endlich zum Siege käme, oder ob ihr Sieg nicht noch überaus lange zweifelhaft sein würde, wenn sich nicht irgend etwas Leidenschaftliches hineinmischte. Es ist bekannt, daß schon im vorigen Jahre einige Mitglieder deS Unterhauses beabsichtigten, die Frage durch eine einfache Resolution des Unterhauses allein entscheiden zu lassen. Hierdurch käme die Frage auf ein noch höheres Gebiet, welches die ganze Verfassung Englands berührt, nämlich