Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 19 (3.5.1858)
- Date
- 1858-05-03
- Page
- Seite 266 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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266 schaft Katzenelnbogen angestellt und zwar mit dem anfänglichen Wohnsitze zu Nastätten und dann zu Langenschwalbach. Am letztgenannten Badeorte hatte der verklärte Nestor bis zu seiner, auf seinen Antrag im 3. 1848 wegen Ablebens seiner Frau erfolgte Penfionirung segensreich gewirkt. Von dieser Zeit an lebte er an den Wohnorten seines einzigen Sohnes, des zu Hadamar wohnenden Bezirksrabbiners Dr. Wormser, welcher die höchste Freude seines Mannes - und Greisenalters war. Bis zu seinem letzten Lebenstage nvO ni* — an welchem er großer Schwäche wegen das Bett nicht verlassen konnte — heiter, gesund und im vollen Besitze seiner eminenten Geisteskräfte und sich fortwährend mit ttbem min beschäftigend: „rmb D3 nVi nnsts ab" blieb auch sein Aussehen jugendlich frisch und sein herrliches Auge verdunkelte sich nicht eher, als bis um Mitternacht nvvn h'b es sich auf ewig schloß! Ach, dieser Trauerfall, obgleich rrrfitt und b* 'ft 'O erfolgt, kam immer'noch zu früh, und sehr lange noch wird diese seltene patriarchalische Erscheinung nah und fern vermißt werden. Denn nicht nur beklagen wir in dem Verklärten eine unersetzliche Ceder in dem sehr gelichteten Libanon des alten Judenthums, als vielmehr einen Charakter, der heutigen Tages wohl schwerlich wieder zu finden sein dürste. Streng orthodor übte er seine ntvön rrn», so wie alle Tugenden und namentlich NPN2 nur im Verborgenen; er war dabei als großer Menschenkenner leutselig und liebenswürdig, schonend gegen alle Menschen, die er eben dadurch zur Gottesfurcht und Tugend hinzuleiten verstand. Das fand im vollsten Sinne des Wortes auf diesen treuen Hirten seine Anwendung, der gleich seinem berühmten Bruder b"£T bp**f '*■) nin in Fulda stets in bescheidener Zurückgezogenheit gewirkt hatte. Sein überaus zahlreich besuchtes Leichenbegängniß fand am ersten Tage ö'Hh, den 1. April statt, und sprach der Sohn des Verewigten riss V2N va« ■nm trpb tief ergreifende, von Thränen fast erstickte Worte. — Anlehnend an das Schriftwort (3. B. M. C. 10, V. 6.), parallelisirte der Redner rfn nrra a) mit mmn nrr-nD und b) wipnn rpa und suchte auf diese Weise das auch für sich und Andere als Trost zu erläutern. Auf dem Friedhofe angelangt, sprach derselbe noch Einiges über V. 22 und 23 des 9. Cap. in Jeremias, um den Lebenswandel des verklärten Frommen zur Nachahmung anzuempfehlen und schloß mit einem Gebet — auf daß Seine Seele sich freuen möge einer ewigen Glückseligkeit im Lande des ewigen Lebens. lirriD tw» b^wnni,, "hsn vb'i?b Ja, Dein Gedächtniß lebt in Segen Bei der Mit- und Nachwelt freudig fort, Ueberall tritt uns Dein Bild entgegen, _ Allen warst Du ja ein sichrer Hort.__ Auf mehrfache Anfragen bemerken wir, daß nach dem Postreglement „Beilagen", die nicht Format, Druck und Papier der Zeitung selbst haben, den durch die Post versandten Eremplaren nicht beigelegt werden dürfen, dies also nur bei den durch den Buchhandel gehenden Exemplaren geschehen kgnn. Die Redaction. Berichtigungen. Nachträglich bemerken wir in dem Leitartikel in No. 15. S. 199. Sp. 2. Z. 14. v. n. einen Druckfehler. Es soll heißen daselbst: „eines solchen sormulirten Reformprincips", statt daß es irrthümlich heißt: „eines solchen resormirten Reformprincips." In dem zweiten Leitartikel in No. 18. S. 242. Sp. 1. Z. 13. v. o. sind hinter dem Worte „Bagatellenproceß" die Worte: „gegen einen gewissen H." irrthümlich ausgelassen worden, wodurch leicht ein Mißverständniß entstehen könnte. Die RedactivN. Aufruf zur Wohlthätigkeit. Am Sonnabend den 24. April betraf die hiesige Stadt ein namenloses Mißgeschick. Eine Feuersbrunst kam auf und wandelte mit unbegreiflicher Schnelligkeit binnen zehn Minuten bei rasendem Sturmwinde die ganze Stadt in ein Flammenmeer, aus welchem nur mit großer Mühe daS nackte Leben gerettet werden konnte. Die öffentlichen Blätter bringen ausführliche Schilderungen unsres Unglücks, die aber hinter der Wirklichkeit, welche mit Worten nicht beschrieben werden kann, weit Zurückbleiben. Auch sämmtliche jüdische Einwohner, mit Ausnahme von 4 Familien, haben all' ihr Hab und Gut von den Flammen verzehren sehen. Wohlhabende und Arme sind nun gleich arm, und mit zahlreicher Familie ohne Obdach, ohne Kleidung, dem bittersten Elende Preis gegeben. Wir hoffen Hülfe vom Herrn, vom Herrn, aber durch die Hand mildthätiger Glaubensgenossen! Möge die gewohnte Barmherzigkeit unsrer Brüder auch uns in unsren Nöthen nicht verlassen? Wer schnell giebt, giebt doppelt, da das Bedürfniß drängend ist. Frankenstein in Schlesien, den 26. Avril 1858. Das Comite zur Sammlung für die jüdiscken Abgebrannten: A. Sachs. I. Fuchs. L. Matzdorff. Auch wir sind bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und daS Verzeichniß derselben abdrucken zu lassen. Die Redaktion. Jüdisches BoWKott R». 18. Die Juden in Damaskus. (Schluß.) — Eine dogmatische Anfrage. — Blumenlese. — Einige Notizen über die Juden in Livorno. — Chasfidische Blumenlese. — Bonmot vom letzten Wiener Volksballe. NB. Durch alle Buchhandlungen und Postämter zu beziehen. Jährlich: 1 Thlr. Vierteljährig JA Thlr. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur: K. Rabe.