Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 19 (3.5.1858)
- Date
- 1858-05-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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88, Iah.««»,. Allgemeine Zeitung des Zudenthnms. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 3. Mai 1858. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich gegen 80 Bogen und darüber in Quart incl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. für sechs Monate — 22 */a Ngr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sächs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Das Kurfürstenthum Hessen, — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Bayreuth, Altona, Altona. Preußen: Berlin. Oesterreichischer Kaiser staat: Aus Galizien. Großbritannien: London. Leitende Artikel. Magdeburg, 26. April. Das Kurfnrstenthum Hessen. Es ist eine traurige Pflicht, der wir uns aber nicht entziehen können, die Aufmerksamkeit auf einen der kleineren deutschen Staaten zu lenken, in welchem die Verfolgung und Unterdrückung unserer Glaubensgenossen sich immerfort steigert und Miene macht, die mittelalterlichste Ausschließung und den bittersten Haß zu erreichen. Wir wollen hier nicht die Aufhebung der ihnen 1834 verfassungsmäßig zuerkannten Gleichstellung, die in den letzten Jahren erfolgte Ausschließung aus den städtischen Behörden und die mancherlei einzelnen Beschränkungen in'Gewerbe und Niederlassung aufzählen) ein Specimen davon haben wir vor Kurzem in No. 17. zu geben gehabt. Jetzt aber hat man vor, bis in das Heiligthum der Familie einzudringen, das Hauswesen durch Gensd'armen und Polizisten untersuchen zu lassen, das Verhältniß von Brotgebern und Brotnehmern nach Confesfionen abzusondern. Wir thäten ein Unrecht, wenn wir solche Vorgänge nicht auch unsrerseits öffentlich zur Sprache und vor das Forum der civilisirten Welt zur Aburtheilung bringen wollten. Es kann nicht darauf ankommen, ob das Kurfürstenthum Hessen ein großer oder kleiner Staat, ob das traurige Schicksal, das man den Juden dort bereitet, Tausende oder Hunderttausende betrifft — wo die Grundsätze der Gerechtigkeit und Humanität verletzt, wo die Grundlage, auf welcher die ganze neuere Gesellschaft beruht, zertrümmert wird, darf man nicht schweigen. Und dann weiß man, 'wie gern die Gesinnungsgenossen in anderen Staaten sich auf die glücklichen Erfolge ihrer finsteren Entwürfe, welche ihre Partei anderswo erlangt hat, berufen, um sie als mustergültig vorzustellen, noch dazu, wo sie diese aus einem Staate entlehnen können, der schon im vorigen Jahrhundert, z. B. zur Zeit des englisch-amerikanischen Krieges, ein Musterstaat gewesen. Auch der Umstand kann uns nicht beruhigen, daß die öffentlichen Blätter von der wachsenden Auswanderung aus Kurhessen berichten, daß demnach die Juden Kurheffens den Ausweg, sich so vielen drückenden Maßnahmen zu entziehen, kennen, und in der That auch in wachsender Zahl beschreiten. Es heißt nämlich in den letzten Nummern der öffentlichen Blätter: „Die Abnahme der Bevölkerung unseres Landes ist im Verlause der jüngsten Jahre in bedenklicher Weise gestiegen. Die Menge der als ungehorsam gerichtlich verfolgten Militärpflichtigen läßt auf die Masse der Auswanderer schließen, die erst nach gesetz-