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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-04-19 · Heft 17 (19.4.1858) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 17 (19.4.1858)
Date
1858-04-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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22. Jahrgang. Allgemeine Zeitung des Zudenthumö. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Hernusgegeben von Rabbiner Vr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. Leipzig, den 19. April 1858. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich gegen 8V Bogen und darüber in Quart incl. des Titels, Registers u: s. w. umfassen. In Gemäßheit deS Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig; Mt 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. für sechs Monate — ,22^2 Ngr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sächs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitertdep Artikel: Heine und die.jüdische Jugend. — Die Versammlung der preußischen Rabbmen. — Literarischer " Wochenbericht. Zeitungsnachrichten ^'Deutschland: Aus der Provinz Fulda, Kassel, Worms, Hamburg. P r e u ß e u: Berlin, Berlin, Berlin, Magdeburg, Warmbrunn, Landsberg in Ober- - schlesieii, Obersitzko. Rußland: Petersburg. Belgien: Brüssel. Leitender Artikel. Magdeburg, 12. April. Heine und die jüdische Jugend. Es war eine Zeit, wo die jüdische Jugend durchaus für die Schill er'sche Muse schwärmte. Und dies war sicher eine gute Zeit. Denn wenn auch Schiller der positiven Religion nicht geradezu das Wort redet, ja selbst biswe-ilen künstlich sich einen heidnischen Anstrich giebt, so ruht doch sein ganzes Wesen in keuscher Sittlichkeit/ im Adel-der Gefühle und Gesinnung, in der Sehnsucht nach höherer Entfaltung, wie diese aus dem wahren und lautern , aus dem positiven Gottglauben fließen. Alles, was hochherzig und erhaben ist, findet bei Schiller Weckung und Nahrung. Es war daher ein Zeugniß für den unverdorbenen Genius der jüdischen Jugend/ daß sie sich an Schiller aufrichtete und von Schiller erfüllen ließ. Schlimm aber war es und schlimm wurde es, daß auf die Schiller'sche Periode die Hei ne'sche folgte und daß 'gerade die jüdische Jugend von Jenem sich zu Diesem wandte.- Heine ist an und für sich eine völlig sentimentale Natur, aber dieselbe blastrte, entnervte und kam so zum Niedrigsten herunter. Dadurch wurde seine Sentimentalität für ihn selbst zu einem Rausche, aus dem er nüchtern geworden, und den er daher verspottete. Dies ist das Gefährliche an ihm, und dadurch zog er die Jugend an und verführte sie. Wäre er von vorn herein eine gemeine Natur gewesen, hätte er mit dem Katzenjammer begonnen, statt damit zu enden, so hätte er ^sofort angewidert, gerade die Jugend von sich abgestoßen und wäre höchstens der Dichter verlebter Wüstlinge geworden; so aber begegnet er der Jugend auf ihrem eigenen Gebiete; er erhebt sie auf den Schwingen, derer fie selbst gewohnt ist, und erst dann, wenn er sie zu den Wolken getragen, stürzt er fie in den Staub; erst wenn er sie mit süßem Weine berauscht hat, reicht er ihr mit derselben Anmuth den Giftbecher So gelingt es ihm, alles Edle ins Gemeine, alles Hochherzige ins Thörichte, alles Erhabene in Versunkenheit zu wandeln, und auf diese Weise nach und nach das volle Herz der Jugend auszuleeren und den heißen Strom des Lebens auszudörren. Auch in Heine's Auge glänzt die klare, reine Thräne, aber sie rollt ihm die Wange herab und wird da zu einem Schmutztropfen. Es ist nicht seine Zweifelsucht an Gott und allem Göttlichen, es sind selbst nicht seine Harlequinaden über positive Religion, welche der Jugend so gefährlich wurden; denn solche muß diese überwinden-können, sondern wie er das Gefühl für alles

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